Ein Drei-Minuten-Fußballspiel

8. August 2009, 21:37
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Salzburg wischte sich in Mattersburg den Mund ab und fuhr mit einem 3:2 nach Hause - Mörz und Waltner vorzeitig vom Platz

Mattersburg - Franz Lederer, Langzeit-Coach des SV Mattersburg, schien am Samstagabend kurz nicht er selbst zu sein. Da holte er vor der TV-Kamera verbal aus, gestikulierte, als würde er buchstäblich um die Worte ringen, brachte dann aber wiederum nur ein kreuzbraves"Ich komme mir verschaukelt vor" heraus. Nicht einmal das eigentlich gemeinte "verarscht" entkam ihm. So sehr hat der Mann sich im Griff, wenn es um den Schiedsrichter geht.

Das durchaus beliebte ballesterische Spielchen, hinter jedem blöden Pfiff eine Verschwörung zu wittern, hat sich Lederer selber verboten. Wohl auch deshalb, weil in den allermeisten Fällen die Aufregung übers Pfeifen jene über die schlechte eigene Leistung nur unzureichend übertüncht.

So wäre es auch diesmal gewesen, nach dem 2:3 daheim gegen Meister Salzburg, als Fritz Stuchlik mit bemerkenswert harter Hand in der Schlussphase zwei SVMler (Mörz, Waltner) vom Platz und einen Co-Trainer (Griesmayer) von der Bank schickte. Zu leicht hätte bei so was übersehen werden können, dass die Burgenländer eine ganze Halbzeit lang der Unsitte des bloßen Zerstörens nachgegangen waren, gegen den keineswegs überzeugend agierenden Meister in keiner Phase so was wie ein Fußballspiel zusammenbrachten. Selbst der dann aberkannte Ausgleich zum 1:1 in der 40. Minute verdankt sich einem Tormannfehler.

Dieser Stuchlik'sche Fehlpfiff war für die Mattersburger übrigens jenes Glück, das sie sich keineswegs noch selber verdient hatten. Denn so, mit dem 0:1, konnte Lederer seine Buben in der Kabine richtig packen. Heraus kam eine andere Mannschaft, welche die Partie innerhalb von zwei Minuten drehte (48. Sedloski, 49. Spuller). Die Salzburger benötigten aber ihrerseits bloß eine Minute, um die noch feiernde SVM-Abwehr mit dem Ausgleich zu beglücken.

Das Leben in dieser Partie erlosch nach diesen drei Minuten daraufhin wieder weitgehend. Aber eher nicht im Sinn von Huub Stevens. Der Salzburgtrainer, der schon den Pausenstand dazu nützen wollte, "das Spiel totzumachen, den Ball in den eigenen Reihen halten" . Die Hösche scheiterte freilich an der mangelnden Präzision und daran, "das Balltempo zu niedrig gehalten zu haben" , wie Simon Cziommer erklärte. Dem Deutschen gelang in der 84. Minute das 3:2 durch einen Elfer.

Die Vorstellung der Seinen verführte Stevens immerhin zu einem ersten Versuch in angewandtem Trapattonismus. Es sei nach so einer Leistung nämlich das Beste, "sich den Mund abzuwischen und nach Hause zu fahren" .

Franz Lederer ging zu Fuß nach Hause. Über Nacht sammelte er jene Versatzstücke, die er als Mannschaftmotivation mit in die Trainingswoche nehmen kann. Als da vor allem jener Umstand wäre, dass in dieser Mannschaft (in der Neuverpflichtung Ronald Spuller angefangen hat, in die Rolle eines Lokalmatadors zu schlüpfen) im Fall des Falles doch mehr steckt als sie zeigt.

Der rekonvaleszente Alexander Pöllhuber kam zum beschwerdefreien Kurzeinsatz. Der Verteidiger soll mehr Aufstellungsvarianten ermöglichen. Und heute, Montag, entscheidet sich, ob die Ausgeschlossenen ihre Strafe am Freitag absitzen können. Im Cup gegen die Admira Amateure und damit Didi Kühbauer. (Wolfgang Weisgram, DER STANDARD, 9. August 2009)

SV Mattersburg - Red Bull Salzburg 2:3 (0:1)
Pappelstadion, 5.700, SR Stuchlik

Torfolge:
0:1 (39.) Nelisse
1:1 (48.) Sedloski
2:1 (49.) Spuller
2:2 (50.) Svento
2:3 (84.) Cziommer (Elfmeter-Nachschuss)

Mattersburg: Bliem - Pauschenwein, Malic, Sedloski, Hamouz - Spuller, Seidl (78. Pöllhuber), Sedlak (91. Stjepanovic), Schmidt (91. Wagner), Mörz - Waltner

Salzburg: Gustafsson - Schwegler, Sekagya, Dudic, Ulmer - Tchoyi, Aufhauser, Leitgeb (69. Cziommer), Svento (78. Jezek) - Nelisse (75. Zickler), Janko

Rote Karten: Mörz (79./Tätlichkeit), Waltner (83./Torraub)

Gelbe Karten: Pauschenwein, Malic, Sedloski bzw. Leitgeb, Dudic, Aufhauser

  • Bild nicht mehr verfügbar

    1:0-Führung durch Robin Nelisse.

  • Josef Hamouz (Mattersburg, R) and Somen Tchoyi (Salzburg, li.)im Laufduell.
    epa/georg hochmuth

    Josef Hamouz (Mattersburg, R) and Somen Tchoyi (Salzburg, li.)im Laufduell.

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