Britische Armee rechnet mit langem Engagement

8. August 2009, 17:12
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Deutsche Absage an NATO-Forderung nach weiteren Truppen - Jung: "Schon weit mehr geleistet als viele unserer Partner"

London/Berlin - Das britische Engagement in Afghanistan wird nach Auffassung des designierten Generalstabschefs David Richards noch bis zu vier Jahrzehnte lang benötigt. "Ich glaube, dass das Vereinigte Königreich in den nächsten 30 bis 40 Jahren Afghanistan in irgendeiner Form - Entwicklung, Regierungsführung, Reform des Sicherheitssektors - zur Seite stehen wird," sagte Richards in einem Interview mit der Londoner Zeitung "The Times" vom Samstag. Nach seiner Einschätzung müssen britische Truppen "mittelfristig" in Afghanistan bleiben, um bei der Stabilisierung des Landes zu helfen. Es gebe aber "absolut keine Chance", die NATO-Truppen gänzlich vom Hindukusch abzuziehen, sagte Richards, der seine Funktionen im August übernehmen soll.

Die NATO-geführte Truppe ISAF müsse sich jetzt darauf konzentrieren, beim Aufbau der afghanischen Polizei und Armee zu helfen, sagte General Richards. Dies werde den Abzug der ausländischen Truppen ermöglichen. Sowohl den Aufständischen als auch den anderen Menschen in Afghanistan müsse aber deutlich gemacht werden, "dass das nicht bedeutet, dass wir die Region aufgeben". "Wir haben diesen Fehler schon einmal gemacht. Unsere Gegner setzen darauf, dass wir das noch einmal tun, und wir müssen ihnen beweisen, dass sie falsch liegen", fügte der designierte Armeechef aus.

Offensive "Pantherkralle"

Derzeit sind 9100 britische Soldaten in Afghanistan stationiert. Seit Beginn des Einsatzes 2001 kamen 195 britische Soldaten ums Leben, davon allein 26 seit Anfang Juli 2009. Wegen der bevorstehenden afghanischen Präsidentenwahl am 20. August hatte die britische Armee ihr Vorgehen gegen die Aufständischen verschärft. Ende Juni startete sie die Offensive "Pantherkralle" im Süden Afghanistans. Der französische Generalstabschef Jean-Louis Georgelin erwartet nach eigenen Angaben in den kommenden Wochen einen deutlichen Anstieg der Anschläge auf Angehörige der ISAF.

Der deutsche Verteidigungsminister Franz Josef Jung hat unterdessen Forderungen des neuen NATO-Generalsekretärs Anders Fogh Rasmussen nach einem stärkeren deutschen Engagement in Afghanistan zurückgewiesen. "Wir haben ja schon auf 4.500 Soldaten plus 300 für den Awacs-Einsatz aufgestockt. Wir zahlen für Afghanistan 200 Millionen Euro im Jahr - seit 2002 sind es schon 1,2 Milliarden", sagte der CDU-Politiker der Zeitung "Bild am Sonntag" (BamS). Insofern könne sich Deutschland sehen lassen, und daher gebe es keinen Grund, jetzt noch mehr Geld oder Truppen zur Verfügung zu stellen. Jung betonte, man müsse auch über den zivilen Wiederaufbau reden, und da habe Deutschland "weit mehr geleistet als viele unserer europäischen Partner". Am Freitag war wieder ein deutscher Soldat bei einem Angriff verletzt worden. Wie das Einsatzführungskommando mitteilte, wurden deutsche Soldaten rund vier Kilometer nordwestlich vom Flugplatz Kunduz von Aufständischen beschossen.

Nach Einschätzung Rasmussens sind in Afghanistan noch mehr ausländische Soldaten nötig. "Ich habe im Süden des Landes Fortschritte gesehen, die nicht zuletzt auf eine Verstärkung der Truppen zurückgehen", sagte er am Freitag in Kabul dem britischen Sender BBC. Zusätzlich zu einer militärischen Verstärkung solle auch der zivile Wiederaufbau vorangetrieben werden: "Wir müssen dem afghanischen Volk bessere Lebensumstände bieten, um die Herzen und die Köpfe zu gewinnen". (APA/AP)

 

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