Schaller stellt Köllerer wieder nicht auf

8. August 2009, 13:12
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Nach "Disziplinlosigkeiten" gegen Teamkollegen auch gegen Chile nicht dabei - Köllerer: "Schwer enttäuscht" - Melzer, Koubek, Peya, Knowle im Team

Wien - Der für seine Eskapaden berüchtigte Oberösterreicher Daniel Köllerer ist wider Erwarten doch nicht für das Davis-Cup-Weltgruppen-Play-off gegen Chile einberufen worden. Wie der Österreichische Tennis-Verband am Samstag mitteilte, habe sich die heimische Nummer 2 in der Vorwoche beim ATP-Turnier in Umag "wieder Disziplinlosigkeiten" geleistet und sich dadurch selbst um die Nominierung gebracht. Das ÖTV-Team für den Länderkampf vom 18. bis 20. September bilden damit Jürgen Melzer, Stefan Koubek, Alexander Peya und Doppel-Spezialist Julian Knowle.

Laut ÖTV-Davis-Cup-Kapitän Gilbert Schaller sei der 25-jährige Köllerer in Umag erneut negativ aufgefallen. "Wir hatten vereinbart, dass er sich den Teammitgliedern gegenüber ohne Provokationen verhält. Doch das hat er im Doppel von Umag, wo er in der ersten Runde mit dem Belgier Christophe Rochus gegen Knowle und Melzer gespielt hat, nicht eingehalten. Das hat mir gezeigt, dass er seine Nerven noch nicht im Griff hat und er für die schwere Aufgabe in Chile nicht bereit ist", wurde Schaller in einer Aussendung zitiert.

Köllerer habe sich derart schlecht benommen, dass sich sein Coach, sein Mentalbetreuer und sein Doppelpartner nach Spielende bei Melzer und Knowle dafür entschuldigt hätten. Der Welser bestritt am Samstag in San Marino ein Challenger-Halbfinale.

Schaller vertraut damit auch in Rancagua jener Mannschaft, die Anfang März gegen Deutschland in Garmisch-Partenkirchen mit 2:3 verloren hat. "Es war alles auf Schiene. Melzer und Koubek hatten ihre Bereitschaft erklärt, in einem Team zu spielen, dem auch Köllerer angehört. Doch Daniel hat sich nicht an interne Abmachungen gehalten", betonte Schaller.

Während Schaller den Niederösterreicher Andreas Haider-Maurer als Sparringpartner nach Südamerika eingeladen hat, fehlt neben Köllerer auch Oliver Marach im rot-weiß-roten Aufgebot. Marach sei aufgrund zuletzt starker Doppelleistungen ebenfalls ein Thema gewesen. Der ungewöhnlich späte Beginn des Doppels (19.00 Uhr Ortszeit) verhinderte jedoch die Einberufung des Steirers. "Er hat mir in einem Gespräch mitgeteilt, dass er mit der Sicht bei künstlichem Licht Probleme hat. Da das Doppel in Chile unter Flutlicht gespielt wird, wäre das Risiko zu groß gewesen, dass sich Oliver bei diesen Bedingungen nicht wohl fühlt. Er bleibt aber eine Überlegung für den Davis Cup", sagte Schaller.

Köllerer: "Schwer enttäuscht"

Daniel Köllerer reagierte mit Missfallen auf die neuerliche Nichtberücksichtigung. "Ich bin schwer enttäuscht, vor allem aufgrund meiner starken Leistungen in den letzten Monaten. Ich werde mir gemeinsam mit meinem Manager die Zukunft, was Österreich betrifft, genau überlegen", betonte der 25-jährige Oberösterreicher.

Köllerers Manager Manfred Nareyka zeigte ebenfalls keinerlei Verständnis für das Vorgehen des ÖTV. "Es ist völlig unverständlich, dass man auf die Nummer zwei und einen der besten Sandplatzspieler auf Höhenlage verzichtet. Ich bin mir sicher, das werden andere Sportler und die Fans nicht verstehen", sagte Nareyka. "Ich bin neugierig, mit wem man nach Koubek (Anmerkung: 32 Jahre) und Knowle (35) Davis Cup spielen wird. Wir werden uns jedenfalls in Zukunft das Thema Davis Cup gut überlegen", bekräftige Nareyka.

Die Vorfälle in Umag habe es zwar gegeben, als Profisportler müssten Melzer und Knowle aber über persönliche Animositäten hinweggesehen. "Wir reden hier über Spitzensport. Natürlich hat er seine Gegner gereizt, aber es gab keine Verwarnung vom Umpire und es war alles im Rahmen. Nur weil er gegen Österreicher spielt, verhält er sich nicht anders", erklärte Nereyka.

Über einen möglichen Einsatz von Köllerer hätte vor Ort in Chile entschieden werden müssen. Bei Undiszipliniertheiten innerhalb der Mannschaft hätte man seinen Schützling immer noch nach Hause schicken können. "Das ist eine mutige Aktion von Schaller, wenn ich weiß, dass ich auf den derzeit besten Sandplatzspieler verzichte", bekräftigte der Manager, der darauf hinwies, dass Köllerer vor allem in Südamerika stets mit starken Leistungen aufgewartet hatte. (APA)

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    Köllerers Manager findet es mutig, dass Schaller auf "den derzeit besten Sandplatzspieler" Österreichs verzichtet

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