Schöne Idee mit kleinen Schwächen

7. August 2009, 22:03
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Karl-Heinz Otts "Tumult und Grazie - Über Georg Friedrich Händel" als Hörbuch

Welch schöne Idee! Und ein Glücksfall, dass ein deutscher Gegenwartsautor - Karl-Heinz Ott - nicht nur schwärmerisch, sondern kundig, intelligent und grazil über Musik schreibt. Nicht ohne Grund war Otts buchlanger Essay "Tumult und Grazie" im Frühjahr für den Leipziger Buchpreis in der Kategorie "Sachbuch/Essayistik" nominiert.

Sein Text über Georg Friedrich Händel, dessen Todestag sich heuer zum 250. Male jährt, lädt ein, ihn als Rezitativ zu orchestrieren. Was die norddeutsche Rundfunkabteilung NDR Kultur auch schön umsetzte. Den Countertenor Kai Wessel ebenso einlud wie das Alte-Musik-Orchester Alta Ripa. Und so umranken Arien und instrumentale Piecen Otts informative Ausführungen über den jungen Händel, über Händel in London, seinen Rivalen Johann Sebastian Bach, über Händel als Theaterdirektor, der sich mit Diven und Sangesstars des 18. Jh. herumschlagen musste.

Allerdings führt diese Produktion auch anderes vor. Dass nämlich nicht jeder Autor zugleich der beste Vorleser seines eigenen Textes ist. Ott aus Freiburg im Breisgau spricht nicht nur mit ausgeprägt badischem Tonfall - der dann zuhörenderweise mehr und mehr so klingt, als rezitiere der erzkonservative deutsche Bundesinnenminister Schäuble den Text. Ihm gelingt es auch, seiner eigenen musikalischen Prosa durch Behäbigkeit jede Musikalität auszutreiben. Nicht auszudenken, was ein Bruno Ganz oder ein Peter Matic akustisch daraus gemacht hätten. (Alexander Kluy / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8./9.8.2009)

 

Karl-Heinz Ott, "Tumult und Grazie. Über Georg Friedrich Händel" .€ 9,95 / 50 Minuten. Hoffmann und Campe, Hamburg 2009

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