Details vom Luxusdampfer der Hochkultur

7. August 2009, 21:12
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Lois Lammerhubers Bildband "Wiener Staatsoper. Eine Hommage an das Haus am Ring"

Man stelle sich die Wiener Staatsoper vor. Nicht die Aufführungen, Sänger, Musiker, nicht das Publikum, nicht einmal den Jahrmarkt der Balleitelkeiten. Nur das Gebäude selbst in allen Facetten. So viele Details, so unterschiedliche Perspektiven und Einblicke in sein Innenleben kann allerdings auch der beflissenste Abonnent nicht vor Augen haben, wie sie der Fotograf Lois Lammerhuber festgehalten hat.

Auf großformatigen 200 Seiten hat die Generalansicht (zum Aufklappen) ebenso Platz wie die technische Ausrüstung des Schnürbodens, die sich wiederholenden Schwanenkopfmotive innen und außen, die Türknäufe am Eingang zum Teesalon (k. u. k. Original) oder die Füße der Bänke im Marmorsaal (von Ernst Boltenstern, 50er-Jahre). Die Geschichte der Staatsoper, auch ihre weniger ruhmreichen Episoden, kommt in den Textpassagen vor: in einer Zeittafel, im Gespräch mit Ioan Holender. Archivbilder zeigen den Beginn vor 140 Jahren (dies auch der Anlass für den Fotoband) und die teilweise Zerstörung 1945.

Das Meiste aber ist Hommage und will nichts anderes sein. Als Spende wurde sie in veränderter Form den Herren am diesjährigen Opernball bereits gereicht, nun liegt sie als Geschenk vor, noch dazu relativ preiswert. Denn Bücher machen ist zwar erfreulicher, als sie verkaufen, wie Lammerhuber sagt. Doch wenn man die Oper als Auftraggeber hat, dann ist auch die Verkaufskalkulation kein großes Problem.

Lammerhuber, der als corporate photographer und publisher von Institutionen wie dem Louvre oder dem Museum of Islamic Art in Qatar schon länger einen Namen hat, konnte für dieses Projekt jeden Winkel des Hauses hochauflösend ausleuchten. Er ist stolz darauf, dass manche Bilder auch den Chefs neu waren. Kaum jemand hat bisher die perfekte Spiegelung der Fassade in den Fenstern des Heinrich-Hofs gewürdigt. Und die Blumenmotive, auf den Einbandseiten in Nahaufnahme abgebildet, erinnern eher an die Reling eines Art-déco-Ozeanschiffes als an den Eingang zum Luxusdampfer der Hochkultur. (Michael Freund / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8./9.8.2009)

 

  • Lois Lammerhuber  "Wiener Staatsoper. Eine Hommage an das Haus am Ring". € 42,20 / 200 Seiten. Edition Lammerhuber, Baden 2009
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    Lois Lammerhuber  "Wiener Staatsoper. Eine Hommage an das Haus am Ring". € 42,20 / 200 Seiten. Edition Lammerhuber, Baden 2009

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