Wie du mir, so ich dir: "Lemmings Zorn"

7. August 2009, 20:58
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Stefan Slupetzkys fantasiereiches Mäandern durch die Volksseele wird vergnüglich, wenn es um Rachefeldzüge geht

Der Wiener Autor Stefan Slupetzky schickt seinen gemütlichen Helden Lemming in seinen vierten Fall, und diesmal wird Lemming ungemütlich. Er unterliegt dem archaischen Trieb, seine Brut zu verteidigen. Dabei fängt alles so idyllisch an.

Es weihnachtet in Wien. Klara, die Lebensgefährtin, hat unter turbulenten Umständen einen Buben zur Welt gebracht, und dabei hat sich ein rettender Engel namens Angela eingestellt. Die Frau ist ganz vernarrt in den Kleinen, man freundet sich an, und so ist es naheliegend, dass Lemming ihr für ein paar Stunden umständehalber sein Ein und Alles anvertraut. Doch dann wird es gruselig: Denn der Kleine turnt bei seiner Abholung auf einer Leiche herum. Angela hat sich mit einem vergifteten Kakao umgebracht. Das ist zumindest die Meinung des Bezirksinspektors Polivka. Doch Lemming glaubt nicht an diese bequeme Erklärung.

Slupetzkys fantasiereiches Mäandern durch die Volksseele ist mit philosophischen Exkursen gespickt und wird vergnüglich, wenn es um Rachefeldzüge geht: Das geheime Hauptthema des Krimis ist der Lärmterror, wie er alltäglich ausgeübt wird und die Gesundheit Unbeteiligter ruiniert. Diese beginnen sich zu wehren. Der Immobilienhai, der Mieter mit Dauerbaustellen aus dem Haus vergrault, der nachbarliche Dummkopf, der für ein paar Quadratmeter eine Schneefräse braucht, die Silvesterkracherschmeißer, sie alle kriegen ab, was sie verdienen. Ein Gedanke, mit dem man sich anfreunden könnte. (Ingeborg Sperl / www.krimiblog.at / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8./9.8.2009)

 

  • Stefan Slupetzky, "Lemmings Zorn". € 9,20 / 301 Seiten. rororo, Reinbek 2009
    grafik: rororo

    Stefan Slupetzky, "Lemmings Zorn". € 9,20 / 301 Seiten. rororo, Reinbek 2009

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