Polizei geht vorerst von drei Tätern aus

9. August 2009, 14:08
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Anwalt der Polizisten zum ORF NÖ: "Sie haben sich in Notwehr verteidigt" - 28-Jähriger und 17-Jähriger belasten sich gegenseitig

Krems (APA) - Nach dem Einbruch in den Kremser Merkur-Markt am Mittwoch, bei dem ein 14-Jähriger getötet und ein seit Sonntag 17-Jähriger durch Oberschenkeldurchschüsse schwer verletzt worden ist, geht die Polizei vorerst von drei Tätern aus. Der am Freitagabend festgenommene Rumäne (28) ist laut Oberstleutnant Roland Scherscher in die Justizanstalt Krems eingeliefert worden. Er und der Jugendliche würden einander nun gegenseitig belasten.

Anwalt der Polizisten: "Notwehr"

"Sie haben sich in Notwehr verteidigt", sagte Hans-Rainer Rienmüller, der Rechtsanwalt der beiden Polizeibeamten, die in dem Merkur-Markt drei Schüsse abgegeben hatten, am Wochenende laut ORF Niederösterreich. Die Frau und der Mann hätten übereinstimmend angegeben, von mehreren vermummten Tätern angegriffen worden zu sein. Der nun 17-Jährige R. hatte zuvor ausgesagt, dass gefeuert worden sei, als er und der in der Folge tödlich getroffene Florian P. (14) flüchten hätten wollen.

"Demo gegen Polizeimorde" durch Krems

Nach dem Tod eines 14-Jährigen in einem Merkur-Markt am Mittwoch ist für den (heutigen) Sonntag zu einer "Demo gegen Polizeimorde" durch Krems aufgerufen. Die Kundgebung soll um 16.00 Uhr beim Bahnhof der niederösterreichischen Bezirksstadt beginnen.

Mit einer Stich- und einer Schlagwaffe attackiert

Wie Rienmüller im Gespräch mit dem ORF NÖ ausführte, hätten die Verdächtigen Kapuzen getragen. Die Beamten hätten nur Augen erkennen können. Sie seien mit einer Stich- und einer Schlagwaffe attackiert worden. In einer Pressekonferenz am Mittwoch war diesbezüglich von einem Schraubenzieher und einer Gartenharke die Rede. Der "sehr dynamische Angriff" sei "lebensbedrohlich" gewesen, berichtete der Wiener Anwalt weiter.

Rienmüller habe auch bestätigt, dass der Angriff in einem Nebengang des Supermarktes stattgefunden habe, der mit Notbeleuchtung ausgestattet sei. Die Beamten seien mit Taschenlampen ausgerüstet gewesen.

Der Einbruch sei im zweiten Versuch erfolgt, teilte Scherscher am Sonntag mit. Nach einem ersten Anlauf seien die Täter zunächst weggefahren, um festzustellen, ob Alarm ausgelöst worden sei. Weil das nicht der Fall gewesen sei, seien sie zurückkehrt und in den Supermarkt eingedrungen. Der 17-Jährige belaste den Rumänen, mit ihm und Florian P. im Auto unterwegs gewesen zu sein. Er bezichtige ihn demnach der Beitragstäterschaft, so Scherscher zur APA. Im Gegenzug belaste der 28-Jährige, der mit dem Fall Merkur-Markt nichts zu tun haben will, den Jugendlichen dahingehend, in den vergangenen Tagen und Wochen im Raum Krems bei drei Einbruchsdiebstählen dabei gewesen zu sein.

Weitere Beteiligte nicht ausgeschlossen

Der Oberstleutnant unterstrich, dass "derzeit" von drei Tätern ausgegangen werde. Weitere Beteiligte seien dennoch nicht ausgeschlossen. "Möglicherweise gibt es noch mehr."

Auf die Frage, ob die Annahme der Polizisten, dass in dem Supermarkt niemand drinnen sei, als realistisch angesehen werden könne, verwies Scherscher im Gespräch mit der APA auf "an die 5.000 Fehlarme" pro Jahr in Niederösterreich. Sei von außen kein Einbruch feststellbar, "ist das Vorgehen der Beamten üblich und sicherlich nicht vorwerfbar". Es stehe außerdem objektiv fest, dass die beiden von den Schüssen getroffenen Verdächtigen größer sind bzw. waren als die Polizisten, die eingeschritten seien. Die Frau und der Mann würden auch weiterhin psychologisch betreut. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Einschussloch beim Merkur-Markt in Krems.

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