Ja, wenn es "Ostbanden" gewesen wären ...

7. August 2009, 19:29
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Dass es "echte Österreicher" waren, die da in Krems bei einem Einbruch niedergeschossen wurden, spielt aber trotzdem fast keine Rolle mehr

Ja, wenn das keine halbwüchsigen Burschen gewesen wären, sondern Mitglieder der "Ostbanden", die sengend und mordend durch die Lande ziehen ...

... dann, so der Tenor vieler Stimmen in der Öffentlichkeit, dann wäre das keine so große Angelegenheit, dass österreichische Polizisten wieder einmal mit tödlichen Folgen auf Unbewaffnete geschossen haben.

Dass es "echte Österreicher" waren, die da in Krems bei einem Einbruch niedergeschossen wurden, spielt aber trotzdem fast keine Rolle mehr. Es hätten ja auch "Ostbanden" sein können.

In der Tat, sie hätten es sein können. Die wären allerdings um einiges geschickter und kaltblütiger vorgegangen. Aber es ist eine Tatsache: Besonders in Ostösterreich und Wien häufen sich die Einbrüche von professionellen Banden aus diversen osteuropäischen Ländern. Das erzeugt Angst - auch bei Polizisten (die nicht zum ersten Mal voreilig schießen).

Man muss daher trennen: die populistische Hysterie und der mangelnde Sinn für Rechtsstaatlichkeit, der sich in Krone-Leserbriefen und dergleichen äußert (der Tod als "gerechte Strafe" für jugendliche Einbrecher); und die unbestreitbare Tatsache, dass die Öffnung der Grenzen nicht bewältigt wurde.

Die Vermögensdelikte in Österreich werden meist nicht von Angehörigen unmittelbarer Nachbarstaaten (Ungarn, Tschechen, Slowaken) begangen, sondern von Leuten aus viel ärmeren Staaten - Serben, Moldawiern, Ukrainern, Rumänen und Bulgaren. Sie wären nur abzublocken, wenn man wieder ganz rigide Grenzkontrollen einführt und jedes einzelne Auto und jeden einzelnen Autobus genau kontrolliert. Mit entsprechenden Folgen für den Wirtschaftsverkehr und den inzwischen nicht unbeachtlichen Tourismus aus den benachbarten EU-Staaten.

Eine Volksabstimmung zu diesem Thema brächte - zumindest in Ostösterreich - eine Mehrheit. Die österreichische Bevölkerung nimmt nicht wahr, wie sehr ihr Wohlstand inzwischen von der wirtschaftlichen Verflechtung mit Osteuropa abhängt.

Dazu wird es nicht kommen, kann es auch nicht kommen. Die Lösung muss anderwärtig gesucht werden. Ein Ansatz liegt beim Bürger selbst. Die Sorglosigkeit, mit der noch immer Wohnungen und Häuser ungesichert gelassen werden, ist frappant.

Der andere Teil besteht daran, dass die Politik das Problem nicht vorhergesehen, dann ignoriert hat. Die schwarzen Innenminister der letzten Jahre haben die Polizei umgefärbt, aber nicht auf neue Herausforderungen vorbereitet. Man hat ununterbrochen von "Sicherheit" geschwafelt, aber die Exekutive ausgehöhlt und unterdotiert. Gleichzeitig hat man auch zugelassen, dass glatte Übergriffe und inkompetentes Verhalten - besonders im Umgang mit "Ausländern" - nicht geahndet wurden.

Schlechte Ausstattung und ungenügende Ausbildung der Polizei wurden kompensiert, indem man das daraus resultierende Fehlverhalten pardonierte.

Das ist der österreichische Weg, aber er führt zu immer neuen Fällen von Fehlverhalten und er bringt keine Sicherheit für die Bevölkerung.(Hans Rauscher, DER STANDARD Printausgabe, 8./9.8.2009)

 

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