Nachrichten in aller Kürze
Alles zur Community
Nachrichten, die zu Ihnen kommen: Newsletter, Feeds und SMS
Alles zu unseren mobilen Angeboten: Apps, Mobilversion und SMS
Unsere Radio- und TV-Angebote
Die Zeitung im Internet: Abo, E-Paper, Anzeigen und mehr
Alles über die Redaktion von derStandard.at
Alles über Onlinewerbung, Stellenanzeigen und Immobilieninserate
Oder: Wie viele Autos muss ein Konzern in welcher Zeit verkaufen, um aus neunnulligen roten Zahlen wieder in die Pluszone zu kommen? Kleine Schuldenarithmetik für Normalverbraucher am Beispiel Porsche.
***
Anpassungsfähigkeit ist gewiss eine der wichtigsten Überlebensstrategien. Dass aber im Darwinjahr 2009 im Zeichen der Finanzkrise die Unsummen von Abermilliarden zur medialen Selbstverständlichkeit wurden, ist ein besonderer Treppenwitz der Evolution. Waren es bisher zusätzliche Millionenbeträge, die Unternehmen in Innovation investierten oder durch Rationalisierung einsparten, oder die etwa der Staat für Bildung oder Gesundheit verhandelte, so haben im Zuge der Finanzkrise, fast genau ein Jahr nach dem Lehmann-Absturz, Milliardenbeträge für Rettungspakete oder Rettungs-übernahmen in die Tagesnachrichten und in das kollektive Bewusstsein konjunkturprogrammverwöhnter Medienkonsumenten Einzug erhalten.
Die Frage dabei bleibt, ob diese Milliardenbeträge die neue Normalität sind, oder ob Sie nur Boten einer massiven Veränderung etwa in Form einer galoppierenden Inflation sind und den zukünftigen Ausnahmezustand vorwegnehmen, wir es aber wie der Frosch im erwärmten Wasser nicht bemerken.
Dass Milliardensummen nicht nur eine Änderung in den Nachrichtenwerten darstellen, sondern eine zeitliche Dimension ökonomischer Äquivalenz haben, soll das Beispiel der anstehenden Übernahme Porsches durch den VW- Konzern anhand einiger Szenarien entlang der veröffentlichten Unternehmenszahlen verdeutlichen.
Die von Porsche angehäuften Schulden belaufen sich demnach auf mittlerweile bestätigte 14 Milliarden Euro. Nun ist Porsche zweifelsohne eine wertvolle Marke und ein hochwertiges Unternehmen, aber wie hoch müssen zukünftige Einnahmen sein, um diesen Schuldenberg abzutragen und in ferner Zukunft Gewinne ohne Tilgungspflicht zu verbuchen?
Die Hintergründe, wie VW die Schulden Porsches mit den durch diese Schulden finanzierten Anteilen an VW verrechnet, lassen wir in dieser Kalkulation außen vor. Die Details kennen nur die Anteilseigner in Österreich, Deutschland und Katar. Nehmen wir also in einem ersten hoch optimistischen Szenario an, dass die Finanzkrise keine Auswirkungen auf den Absatz von Porsche habe und die Produktivität wie zu Wiedekings Höchstzeiten die des profitabelsten Autoherstellers weltweit von 2007 sei. 100.000 verkaufte Fahrzeuge mit einem Profit pro Fahrzeug von 21.000 Euro (der allerdings eher den Finanzgeschäften Porsches zuzurechnen war) sind die Kalkulationsgrundlage. Setzen wir diese paradiesischen Zahlen auf Dauer, so bräuchte Volkswagen ohne Zinseszins schlanke sieben Jahre, um einen Porsche zu verkaufen, der Gewinn abwirft. Allerdings käme noch eine Zinslast in Höhe von ca. 3 Milliarden bei einer optimistischen Zinsannahme von 5 Prozent hinzu.
Nehmen wir allerdings die mittlerweile ebenso historischen 2.400 Euro Gewinn pro verkauftem Fahrzeug des 2005 an Profitabilität zweitplatzierten Herstellers BWM, kommen wir bei 90.000 verkauften Porsches pro Jahr ohne Zinsen auf gut 60 Jahre Abstottern der Kaufsumme, um eine schwarze Null zu schreiben.
Doch auch diese Profitabilitätsrate ist für heutige Verhältnisse außerirdisch. Passen wir folglich die realwirtschaftlichen Daten der krisenhaften Situation an und unterstellen nur noch durchschnittlich 60.000 verkaufte Fahrzeuge der Marke Porsche. Ferner nehmen wir den De-facto-Gewinn von 332 Euro pro Fahrzeug der Neo-Mutter VW, so ergibt das einen Tilgungszeitraum von mehr als 700 Jahren bei insgesamt 42 Millionen verkauften Fahrzeugen - und Kotflügel an Kotflügel gereiht, eine Kfz-Schlange, die vier mal um den Äquator liefe.
Bei einem Zinsaufwand von nur 5 Prozent überschreitet die Kalkulation schnell die märchenhafte Dauer von 1000 Jahren Tilgung, um mit der Marke Porsche nach deren Verkauf an VW wieder in die Gewinnzone zu gelangen. 1000 Jahre! Ein Zeitmaßstab mit dem zu rechnen sich schon einmal in der rund 70-jährigen VW-Geschichte als ziemlich brüchig erwiesen hat, und der zeigt, dass die kursierenden Schulden- und Rettungssummen bei allem medialem Abnutzungseffekt immer noch das Attribut "jenseitig" verdienen - jedenfalls mit Blick auf die höchst irdischen Tilgungshorizonte eines einfachen VW-Fahrers. (Peter Seele, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8./9.8.2009)
Zur Person
Peter Seele ist Assistenzprofessor für Religion, Wirtschaft und Politik an der Universität Basel und Gründungsvorstand des Schweizerischen Netzwerks für Wirtschaftsethik (www.eben-switzerland.ch)
Wäre es nicht besser, stolzer auf die Mehrsprachgkeit als drei Autos und zwei Eigentumswohnungen zu sein?
Warum der Streit um Sinn oder Unsinn der Sparpolitik irrelevant ist, solange man die Differenz zwischen Auslands- und Inlandsverschuldung ausblendet
Soll man wirklich "Nietenhosen" statt Jeans sagen? Anmerkungen zur Anglizismenangst
Zur Erinnerung an die Rolle des PEN-Clubs im NS-Regime - und daran, dass dieses dunkle Kapitel in den eigenen Reihen immer noch nicht aufgearbeitet ist
Die Länder Afrikas benötigen Hilfe. Die Grundlagen, auf denen über die passende Unterstützung entschieden wird, sind womöglich fragwürdig. Ein Plädoyer für nachhaltig wirkende Programme
Salzburg vor der Wahl: Wie geht's uns nach vier Jahren rot-schwarzer Regierungspolitik? Checkliste für Stimmbürger, die auch andere Sorgen haben als die Umtriebigkeit ihres ehemaligen Finanzlandesreferenten
Selbsterforschung eines angeblichen Rassismus-Sympathisanten
Eine Erwiderung auf die Vorbehalte des Bundespräsidenten gegen einen Ausbau der direkten Demokratie
Reizwort "Rassismus": Der Fall Ceipek als Prüfstein für den Zustand der heimischen Diskussionskultur
Großkonzerne wie Coca-Cola und Crédit Suisse starten eigene Internetmagazine, die mit journalistischen Inhalten aufwarten - Doch mit den aufwändig gestalteten Informationsdiensten sind auch kommerzielle Interessen verbunden
Die von Armin Wolf losgetretene Debatte um ein per Los ermitteltes Bürgergremium als treibende Reformkraft für den ORF aus Sicht eines ehemaligen Mitglieds der SOS-ORF-"Rentnergang" (©Peter Huemer)*
Warum die Naturschutzkampagnen gegen die Chemie auf dem Acker die Bienen nicht retten werden: Ein Imker sieht Ursachen primär in Versäumnissen der eigenen Zunft
Die offizielle Erinnerungskultur wird immer mehr von Standortfragen für Gedenksteine dominiert. Plädoyer für einen Paradigmenwechsel anlässlich der Errichtung eines temporären Mahnmals für die homosexuellen Opfer des NS-Regimes am 14. Mai in Wien
Die angekündigten Neuerungen im Staatsbürgerschaftstest erweisen sich als schlichte Korrektur alter Fehler - eine Erweiterung des Prüfungsstoffes ohne großartige Neuausrichtung
Nach dem "Paukenschlag" dreier Staaten zur Preisgabe von Geheimdaten aus Steueroasen just am Vortag des G-7-Treffens: Das Online-Portal Carta erzählt die Geschichte etwas anders - vor allem mit Blick auf die Frage, warum nicht schon 2010 getrommelt wurde
Kleiner Einwurf zur Umtriebigkeit der Fremdwort-Jäger
Partizipative Reformansätze rund ums Demokratiepaket wie jener von Armin Wolf werden zur behaupteten Abkehr vom Parlamentarismus. Eine Replik.
Kommt das Leopold-Museum seinen moralischen Verpflichtungen gegenüber den Erben tatsächlich nach?
Anmerkungen zu einem hartnäckigen Gerücht
Was darf man, was geht gerade noch und wo fängt Pfui an? Vom "Neger" bis zum "Po-Grapschen", vom "bedenklichen" Kinderbuch bis zum "bösen" Kochrezept: Wie sinnvoll ist es, alles zu verbieten, was sich eigentlich von selbst verbietet?
Wo das Volksbegehren "Demokratie jetzt" nur mit Mühe die Ein-Prozent-Marke übersprang, sorgt plötzlich ein ganz "normaler" Urnengang für ein massives Protestvotum gegen das "desolate System"
Zu Thomas Petersens "statistischen Taschenspielertricks": Die Frauenquote ist verfassungskonform und nicht männerfeindlich
Die Debatte um die "Tatenlosigkeit" des Westens aus der Sicht eines im Exil lebenden Mitglieds des Assad-Clans: Warum ein militärischer Eingriff im derzeitigen Stadium des Kampfes gegen das Regime in Damaskus in mehrfacher Hinsicht "tödlich" wäre
Die Abstimmung im Deutschen Bundestag über Frauenquoten in Aufsichtsräten könnte auch für Österreich Signalwirkung haben. Wie seriös aber ist die Rechnung, die dem Ansinnen zugrunde liegt?
Wichtige politische Fragen per Lotterie lösen – das mag auf den ersten Blick absurd klingen. Ist es aber nicht immer. Im parteipolitischen Dauerstreit um die ORF-Reform könnte ein Losentscheid sogar ein kluger Ausweg sein. Ein Plädoyer.
Eine zu schlechte Note sollten Sie vielleicht nicht geben - auch wenn die Zahlenspielerei in dem Artikel gewollt und effekthascherisch ist. Immerhin heisst es in dem Text zu den Anteilen Porsches an VW:
"Die Hintergründe, wie VW die Schulden Porsches mit den durch diese Schulden finanzierten Anteilen an VW verrechnet, lassen wir in dieser Kalkulation außen vor. Die Details kennen nur die Anteilseigner in Österreich, Deutschland und Katar."
setzen 7 !
die 7 gibt's nicht ? Doch in diesem Fall, da sie ein an sich richtiges Problem mit komplett falschen Daten diskreditieren.
Das Problem - Gier und Billionen neu geschaffenes Computer Geld - existiert und wird uns noch große Probleme bereiten.
Die falschen Daten: Porsche besitzt ca. 51% an VW.
VW hat ca. 13 Mrd. Euro in cash, produziert Millionen von Autos und ist wegen der Porsche Beteiligung an VW zur Hälfte der Firma Porsche zuzurechnen.
Wenn es so einfach wäre, dann hätte sich Porsche mit dem Verkauf von ein paar VW-Aktien retten können.
Aber wer kauft in diesen Zeiten schon Autoaktien im großen Stil zu gutem Preis? Der VW-Anteil hilft Porsche nicht, er bindet nur die Mittel die für Forschung und Investition nötig wären.
Es ist leider so wie Wirtschafts-Proffesor-Seele schreibt: die Schulden müssen mit dem operativen Geschäft abgestottert werden.
Danke, dass Sie den Blödsinn, den der Herr da von sich gibt, ein wenig zurecht rücken! Porsche hat diesen Schuldenberg ja nicht zur Bewältigung des operativen Geschäfts angehäuft, sondern einen beträchtlichen Anteil an VW erworben. Seriös wird die Rechnung erst, wenn man die Nettofinanzverbindlichkeiten um den Wert der gehaltenen VW-Anteil bereinigt. Schwache Analyse! *kopfschüttel*
Echt peinlich was der da schreibt. Schon 51% der Bar-Reserven von VW reduzieren die Schuldenlast deutlich, abgesehen vom Gewinnanteil.
Trotzdem märchenhaft wie hoch die Schulden sind, aber da find ich die Banker mit ihren Derivaten ein besseres Beispiel, denn gegen deren Jahres-Umsatz schaut die Anzahl der Atome im Universum alt aus.
VW-Aktien waren so billig zu haben, daß eine Übernahme sich selbst finanziert hätte, denn VW hatte (hat?) alleine über 10 Mrd. € Barmittel. Hätte Porsche die Kontrolle in der HV bekommen und einen Gewinnabführungsvertrag durchgesetzt, dann wäre Wiedeking heute wahrhaftig der King. Es gab und gibt nur ein Problem: das VW-Gesetz, das dem Land Niedersachsen ein Vetorecht in wichtigen Unternehmensfragen gibt und Wulff hat dieses Vetorecht genutzt. Wiedeking hat geglaubt, Brüssel würde das VW-Gesetz kippen, angeblich wurde ihm das "angedeutet". Wie auch immer, es passierte nicht, er hat sich also einfach verspekuliert. Zweckmäßig wäre es, denn VW produziert zu teuer, Porsche kann es besser.
könnte trotzdem was von der Sache verstehen. Tut er aber nicht. Mann, ich hoffe er weiß nicht, daß Lehman Brothers bis heute fröhlich weiterexistiert und wieder gute Geschäfte macht (in Gestalt der größeren Barclays Capital, die Lehman USA übernommen haben) und auch Bear Stearns lebt als Teil von JP Morgan ebenfalls profitabel. Dabei hat weder Barclays plc noch Barclays Capital auch nur einen Cent vom Staat bekommen, und JP Morgan hat auch schon wieder alles mit Zinsen zurückgezahlt. Insolvenzen wird es immer geben, aber als der Konsum in Österreich pleite gegangen ist, hat sich auch keiner Sorgen gemacht, ob es morgen noch Lebensmittel zu kaufen gibt, also wird das Bankgeschäft auch dann weitergehen, wenn mal ein großer Laden pleite geht.
Weil die Lufthansa die 500 Millione gar nicht zurückzahlen möchte, läßt Sie sich die 500 Millionen Euro vom Österr. Staat schenken. Amotisationszeit für den Steuerzahler somit "unendlich" lange.
Porsche wird nur mit der Inflation schwarze Zahlen schreiben. Diese haben wir schon. Wers nicht glaubt soll nach rechenen was man sich vor 10 Jahren kaufen konnte und was einem jetzt noch übrig bleibt. Eigendlich sollten die Löhne und Gehältzer jetzt kontinuierlich erhöht werden, ansonsten werden wir alle unser Leben lang einen hochverschuldeten Staat erleben, im Würgegriff der Banken, der nicht mehr Handlungsfähig wird und am Ende noch alles Privatisieren muss was jetzt noch in seinem Besitz ist.
Dank der EU Neuverschuldunggrenze wird die Privatisierung noch begünstigt. Da Inflation und mehr Geld für die Bürger politisch nicht erwünscht ist werden wir uns auf viel Ärger einstellen müssen, wenn wir untätig bleiben.
sowie Synergien dank neuer Produktionsbereiche zur Entwicklung weiterer Produkte, und des nun regulierbaren Absatzes zuvor konkurrierender Produkte lässt sich viel schneller ins Schwarze wirtschaften.
... tja ein paar Autos werden wir schon noch bauen - aber das wirkliche Geschäft läuft an den Zockerbörsen ... sozusagen ist die herstellung einiger Fahrzeuge nur mehr Fassade um die eigentlichen "Geschäfte" zu verdecken ... Autohersteller klingt ja auch um vieles Seriöser ... Warenfiktion, Geldfiktion, Demokratiefiktion - aber auch eine Machtfiktion?
staunend steht die blöckende Schafherde davor ...
das einzige, was zählt sind: nahrungsmittel, lebensnotwendige produkte, zustand der umwelt.
danach könnten wir die erdbevölkerung locker ernähren und mit den nötigsten gütern versehen. punkt.
wie, das ist ein verteilungsproblem. und so wie es ein verteilungsproblem bei den gütern des täglichen bedarfs gibt, gibt es ein verteilung bzw. umverteilungsproblem bei den vermögenswerten.
jagt die zinsenwucherer und zahlenjongleure in die wüste. das ganze geldsystem dient nur zur umverteilung von unten nach oben. zur finanziellen versklavung der massen.
das verteilungsproblem können sie nur mit infrastruktur und transportmitteln (bildung lassen wir mal aussen vor) und und und lösen. dafür brauchts sogenannte investitionsgüter. für investitionsgüter brauchts aber kapital. oder geld, wenn ihnen das lieber ist. wenn sie meinen, das böse böse "geldsystem" sei an allem schuld, dann wundern mich die 6 grünen stricherln.
Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.