Verstaatlichte Banken als Fässer ohne Boden

7. August 2009, 19:15
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Hypo Real Estate, Royal Bank of Scotland und Fannie Mae schreiben Milliardenverluste. Nur der Versicherer American International konnte einen Gewinn verbuchen

London/Wien - Die britische Bank Royal Bank of Scotland, das deutsche Immobilieninstitut Hypo Real Estate und der US-Hypothekenfinanzierer Fannie Mae haben zwei Dinge gemein: Sie sind bereits verstaatlicht und sie schreiben weiterhin Milliardenverluste.

Die Royal Bank of Scotland (RBS) hat am Freitag die Märkte am falschen Fuß erwischt. Verluste in Höhe von einer Milliarde Pfund (1,17 Mrd. Euro) und für das zweite Quartal Risikovorsorgen in der schwindelerregenden Höhe von 7,5 Mrd. Pfund. Der CEO der Bank, Stephen Hester, warnte bei der Bekanntgabe dieser Ergebnisse zudem vor "weiteren schwierigen Jahren für RBS und für die Weltwirtschaft" . Laut Hester würden auch die Risikovorsorgen noch länger derart hoch bleiben. Der britische Staat hält eine 70-prozentige Beteiligung an dem Institut, nachdem er rund 20 Milliarden Pfund in die Bank investierte.

Auch die Hypo Real Estate (HRE), Sorgenkind des deutschen Bankensektors, hat am Freitag ähnlich schlechte Zahlen vorgelegt. 1,13 Mrd. Euro hat die Immobilienbank im ersten Halbjahr 2009 verloren. HRE-Chef Axel Wieandt rechnet auch in den nächsten Jahren nicht mit schwarzen Zahlen:"Wir gehen aktuell nicht davon aus, dass wir vor 2012 wieder in die Gewinnzone zurückkehren können." Wie auch bei der RBS sind es die Kreditrisikovorsorge für drohende Verluste auf das Immobilienportfolio, die das Loch in das Ergebnis gerissen haben: 1,08 Mrd. Euro hat die HRE für Immobilienkredite auf die Seite legen müssen. Vom Staat wurde sie mit Garantien von bis zu 100 Mrd. Euro gerettet.

In den USA ist der Immobiliensektor ebenfalls noch nicht aus dem Schlamassel gekommen. Fannie Mae, einer der beiden wichtigsten, mittlerweile verstaatlichten, Hypothekenfinanzierer hat im zweiten Quartal 2009 erneut einen hohen Verlust eingefahren. 14,8 Mrd. Dollar (10,3 Mrd. Euro) hat Fannie Mae in den vergangenen drei Monaten verloren. Die Rezession setzte dem Kredit- und Immobilienportfolio der Bank weiter zu. 1,5 Millionen Hausbesitzer konnten in den ersten sechs Monaten des Jahres ihre Hypotheken nicht mehr bezahlen, 15 Prozent mehr als im Vorjahr. Mit Gewinnen rechnet der Hypothekenfinanzierer in absehbarer Zeit daher nicht.

AIG mit schwarzen Zahlen

Doch nicht bei allen Unternehmen müssen die Staaten noch tiefer in die Tasche greifen, um ihr Überleben zu garantieren. Der US-Versicherer American International Group (AIG), der vormals weltgrößte Versicherungskonzern, ist zum ersten Mal seit fast zwei Jahren in die Gewinnzone zurückgekehrt. Ein Profit von 1,82 Mrd. Dollar steht am Ende des zweiten Quartals. Damit hat AIGzum ersten Mal seit sieben Quartalen einen Gewinn geschrieben, dieser fällt allerdings im Vergleich zu den akkumulierten Verlusten über die vergangenen Jahre in Höhe von 100 Mrd. Dollar äußerst gering aus.

Auch aus der privaten Versicherungswirtschaft sind am Freitag gute Nachrichten gekommen. Der deutsche Versicherungskonzern Allianz hat 1,87 Mrd. Euro verdient, 300 Mio. Euro mehr als von Analysten erwartet. (Lukas Sustala, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8./9.8.2009)

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