Verstehen Verboten?

7. August 2009, 18:55
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Verstehen verboten? 
Geschichtserklärungen sind Abstraktionen, d.h., das konkrete Leben, Leiden und Sterben von Personen und deren Angehörigen, Freunden usw. kommt darin nicht vor, und zwar nicht aus mangelnder Wertschätzung.

Wenn jemand sein Leben für eine Idee einsetzt, sagt das etwas aus über die Richtigkeit der Motive dieser Person aber nicht über die Richtigkeit der entsprechenden Idee.

Das gilt für alle Seiten. Daher gebührt allen Personen, die damals ihr Recht oder sogar ihr Leben verloren, der Respekt der Nachwelt
Dr. Johannes Kammerstätter
via Internet

Eine auf wissenschaftliche Fakten reduzierte Geschichte, kann keine Immunisierung gegen ideologische Auslegungen sein - auch wenn sie immer wieder vor Augen geführt werden. Schon weil Fakten nicht für sich stehen, sondern die Art ihrer Präsentation stets von der Ideologie oder Geisteshaltung eines Menschen einfärbt sind. Zu versuchen, etwas zu verstehen, lieber Herr Menasse, heißt noch lange nicht, es zu entschuldigen.
Uschi Krepler
via Internet


Erschreckend
Am meisten ärgert die Gegner Menasses offensichtlich, dass dieser eine Selbstverständlichkeit formuliert hat: Die Vokabel "Faschismus" bringt sie auf die Palme. Peter Ulram etwa, der sich mit lächerlicher Selbstüberschätzung darin gefällt, Menasse die intellektuelle Qualifikation abzusprechen, wirft ihm einen "inflationären und rein politisch-polemischen Faschismus-Begriff" sowie ein "verqueres Geschichtsbild" vor. Dabei hat Menasse lediglich die österreichischen Zustände 1933 bis 1938 bei dem Namen genannt, der ihnen allgemein und überall sonst in Europa zukommt - nur hier anscheinend nicht.Am peinlichsten dann jedoch Günther Burkert-Dottolo. Es erschreckt einen regelrecht, auf welch freche und gefährliche Weise da alt-überkommene Stereotype verbaler Aggression gegen vermeintliche Vaterlandsverräter wiederholt und wieder bemüht werden.
Martin Strauß
via Internet


Wandlungsfähig
Im Bemühen um die Wende in der österreichischen Geschichtschreibung sind Professor Botz neben seiner hermeneutischen Dollfuß-Darstellung auch noch zwei Fehler unterlaufen. Bis 1938 war die Tschechoslowakei nicht nur Nachbar Österreichs, sondern auch eine Demokratie. In Spanien kämpfte die demokratische legitimierte Regierung gegen die Faschisten von 1936 bis 1939. Weder die erste Republik noch der Austrofaschismus hatten eine gemeinsame Zeitachse mit dem Franko-Regime. Aber, wie schon ein Parlamentspräsident, der im ORF Dollfuß als Demokrat bezeichnete, vor einiger Zeit sagte, die Wahrheit ist eine Tochter der Zeit, denn vor dem Putsch 1933 kann man Dollfuß ja wirklich als Demokrat bezeichnen. Danach war er halt ein Diktator.
Ludwig Csepai
1030 Wien


Bühnenreif
12. Februar - Tag der Österreichischen Intellektuellen. Ein Trauerspiel.

(M, B und U - festlich gekleidet - hinter drei Vorhängen, die im Wind der Geschichte flattern.)

M: Faschist!

B: Patriot!

U: Obsessionist!

Alle 3: Volltrottel! (Schweigen. Der Wind lacht.)
Klaus Tasch
8020 Graz

(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 1.2.2004)

 

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