Das große Ballyhoo vor dem größten Sprint

7. August 2009, 18:52
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Usain Bolt und Tyson Gay weilen und trainieren schon in Deutschland, bis zur Leichtathletik-WM gehen sie einander aber aus dem Weg

Berlin - Riesenplakate mit dem Konterfei des dreifachen Olympiasiegers und seinem großen Kontrahenten zieren das Stadtbild, in Radiospots läuft immer und immer wieder der Kommentar vom olympischen 100-Meter-Lauf. Die Leichtathletik-WM in Berlin wirft ihre Schatten voraus, am kommenden Samstag beginnt sie, am Sonntag (16.) erlebt sie schon ihren großen Höhepunkt. Dann rennen Weltrekordler Usain Bolt aus Jamaika und US-Sprintstar Tyson Gay erstmals um Gold. Es wird, so prophezeit Gay in aller Unbescheidenheit, "das größte Sprintrennen aller Zeiten" .

Olympiasieger und Weltrekordler Bolt ist der Favorit, auch wenn Gay als Titelverteidiger und Jahresschnellster nach Berlin kommt. Die beiden trafen erst einmal aufeinander, als Bolt im Mai 2008 seinen ersten Weltrekord lief (9,72) - drei Monate später sollte der 22-jährige Jamaikaner den Rekord im Olympia-Lauf von Peking auf 9,69 drücken, Gay war sensationell im Halbfinale ausgeschieden. Diesmal mag er keine Nebenrolle akzeptieren. "Ich glaube nicht" , sagt er in aller Ruhe, "dass er wesentlich besser ist als ich."

Trotzdem zollt Gay Bolt großen Respekt: "Er ist im Augenblick der tollste Kerl. Mit ihm verglichen zu werden, ist eine Ehre" , sagt der Mann aus Lexington im US-Bundesstaat Kentucky. Er findet, dass Bolt mit seinem Auftreten und seiner extrovertierten Art der Leichtathletik nütze. Auf die Frage, wie er das Finale betiteln würde, kontert er jedoch "Tyson Gay schockt die Welt" .

Bestzeiten im Vergleich

Vor der WM sind sich Bolt und Gay ganz bewusst aus dem Weg gegangen. Auch in Herzogenaurach bei Nürnberg, dem Stammsitz ihrer konkurrierenden Ausrüster Adidas (Gay) und Puma (Bolt), liefen sie zuletzt sozusagen aneinander vorbei. Bolt trainiert dort seit Donnerstag, Gay trainiert in München. "Ich wäre vor der WM gerne gegen ihn gelaufen" , versichert der US-Amerikaner, der am Sonntag 27 Jahre alt wird. Er hätte herausfinden wollen, "was ich möglicherweise noch tun muss" . Trainer und Manager aber rieten ihm, er solle sich auf sich selbst konzentrieren. Herausgekommen sind immerhin die Bestzeiten 2009 über 100 (9,77) und 200 Meter (19,58). Usain Bolt war in 9,79 und 19,59 allerdings nicht wesentlich langsamer, zumal er in beiden Fällen durch den Regen laufen musste.

Bald kommen sie nicht mehr aneinander vorbei. Im WM-Verlaufsollten sich insgesamt drei Duelle ergeben, über 100 und 200 Meter sowie in der Staffel. Noch vor dem ersten Rennen in Berlin steht der Termin für die Revanche: Für das Golden-League-Meeting am 4. September in Brüssel haben beide Sprint-Stars genannt.

Berlin ist bereit für die 12. Titelkämpfe der WM-Geschichte. Nur am Rande machen den Organisatoren einige Probleme zu schaffen. Nach dem Ausstieg der Zeitung taz wegen zu strenger Akkreditierungsvorschriften und der Bedrohung durch die Schweinegrippe verschärft sich ein S-Bahn-Dilemma. Während der WM könnten die streikenden Mitarbeiter für ein Verkehrschaos sorgen. (sid, msc, DER STANDARD Printausgabe, 8.8.2009)

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    Tyson Gay (li.) ist Weltmeister 2007 und also Titelverteidiger in Berlin. In Peking schied er im Semifinale aus, dort lief Usain Bolt (re.) in eine neue Dimension.

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