Angst vor Racheakten nach Tod des Top-Terroristen Baitullah Mehsud

7. August 2009, 18:52
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Taliban beraten bereits über Nachfolger des von einer US-Drohne getöteten Kommandanten

Pakistans gefährlichster Taliban-Führer ist offenbar tot: US-Drohnen sollen Baitullah Mehsud und seine Ehefrau in der Grenzregion zu Afghanistan getötet haben. Die Taliban beraten bereits über einen Nachfolger. 

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Islamabd/Kabul - Schon mehrfach wurde sein Tod gemeldet, aber immer entpuppten sich die Berichte als falsch. Nun ist ihm offenbar ein Besuch bei seiner jungen Ehefrau zum Verhängnis geworden: Baitullah Mehsud, Pakistans gefährlichster Taliban-Führer und einer der meistgesuchten Terroristen der Welt, ist tot. Er war zu Besuch bei seiner zweiten Frau, als US-Drohnen das Haus seines Schwiegervaters im pakistanischen Südwaziristan bombardierten.

"Ich bestätige, dass Baitullah Mehsud und seine Frau bei dem amerikanischen Raketenangriff starben", sagte der Taliban-Kommandant Kafayatullah am Freitag der Nachrichtenagentur AP. Mittlerweile geht auch die pakistanische Regierung davon aus, dass Mehsud tot ist.

Terrorexperten befürchten nun Racheanschläge seiner Anhänger. Angeblich beriefen führende Taliban-Kommandanten am Freitag eine Ratsversammlung ein, um einen Nachfolger zu bestimmen. Mehsud galt in Pakistan als Staatsfeind Nummer eins. Washington hatte ein Lösegeld von fünf Millionen Dollar auf ihn ausgesetzt.

Terrorattacken und Morde

Mehsud wird eine ganze Welle von blutigen Terrorattacken angekreidet, die seit 2006 Pakistan überrollt. Auch der Anschlag auf das Nobelhotel Marriott in Islamabad im Herbst 2008, der über 50 Menschen das Leben kostete, soll auf sein Konto gehen. Die Regierung lastet ihm auch den Mord an der früheren Premierministerin Benazir Bhutto im Dezember 2007 an. Mehsud selbst bestritt dies stets vehement, und auch in Pakistan glaubt kaum jemand, dass er hinter dem Attentat steckte.

Dem 37-Jährigen war es gelungen, 20 teilweise rivalisierende Taliban-Gruppen im Nordwesten Pakistans hinter sich zu scharen und in dem Dachverband Tehrik-i-Taliban Pakistan (Taliban-Bewegung in Pakistan) zusammenzuschweißen. Er soll 10.000 bis 30.000 Kämpfer befehligt haben.

Seine Aktivitäten zielten vor allem auf den pakistanischen Staat, in Afghanistan war er weniger aktiv. Südwaziristan war faktisch sein Fürstentum. Dort bot er auch Al-Kaida-Anhängern und Terroristen aus aller Welt Unterschlupf. Seit geraumer Zeit soll er immer enger mit der Al Kaida zusammengearbeitet haben und rückte damit ins Visier der USA. Zuletzt galt er als wichtigstes Bindeglied zwischen der Führung des Terrornetzwerks und Pakistans Taliban.

Lange schien es, dass Pakistans Geheimdienst ISI seine schützende Hand über Mehsud hielt, der angeblich unter Diabetes litt und ständig einen Arzt brauchte. Nun gab das Militär ihn offenbar zum Abschuss frei und verriet seinen Aufenthaltsort den USA. Dies zeigt, dass Pakistans Militär und die USA weit enger kooperieren als sie öffentlich zugeben.

Auch Mehsuds jüngere Ehefrau, die er vor einem Jahr geheiratet hatte, kam bei dem Angriff ums Leben. Mehsud soll bereits am Mittwoch getötet und sofort beerdigt worden sein. (Christine Möllhoff/DER STANDARD, Printausgabe, 8./9.8.2009)

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    Im Swat-Tal, im Nordwesten Pakistans, werden lokale Milizen zum Schutz vor den Taliban aufgebaut. Die Region gilt als Hochburg der Islamisten, deren Anführer in Pakistan möglicherweise getötet wurde.

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    Baitullah Mehsud mit Journalisten. Er vermied es, fotografiert zu werden.

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