"Völlig losgelöst von der Erde in der absoluten Stille"

7. August 2009, 18:35
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Die erste deutsche Weltraumtouristin Sonja Rohde fliegt mit Milliardär Bransons "WhiteKnightTwo" ins All

Wien/Hagen - Sonja Rohde geht es gut, gerade ist sie aus Oshkosh, Wisconsin, zurückgekehrt. Die 33-Jährige war dabei, als auf der größten Flugzeugmesse der Welt "ihr" Trägerflugzeug der Öffentlichkeit präsentiert wurde. "WhiteKnight-Two" wird die Deutsche ins Weltall bringen, das Ticket dafür hat sie in der Tasche und es ist schon längst bezahlt.

Rohde lernte Richard Branson, Milliardär und Chef von "Virgin Galactic", 2005 auf einer Safari im afrikanischen Busch kennen. Rohde: "Er erzählte mir von seinen Plänen, Touristen ins All zu fliegen. Seitdem bin ich Gründungsmitglied der Virgin Galactic Foundation und stehe auf der Passagierliste ganz oben." Die Flugkosten von 200.000 Dollar hat die Diplomkauffrau mit einem Kredit finanziert. Für einen "Einmal-Weltall-und-zurück-Fahrschein" haben sich weltweit über 200 Erdlinge angemeldet. "Flugpriorität" haben aber die mehr als 80 Mitglieder der Virgin Galactic-Foundation.

Bis jetzt gibt es ein Flugzeug, allerdings hat Branson bereits eine Flotte von fünf bis sieben Stück geplant. Am Anfang soll wöchentlich gestartet werden, nach einem Jahr will man täglich ins All fliegen.

Die Flugshow in Oshkosh fand Rohde beeindruckend: "Man hält den Atem an. Es war großartig, das 'WhitheKnightTwo' live fliegen zu sehen. Alles wird konkret und greifbar, am liebsten wäre ich eingestiegen und sofort mitgeflogen."

Die erste deutsche Frau im All hat sich auf ihren Flug, der im nächsten Jahr stattfinden wird, gut vorbereitet. "Ich habe das Zentrifugen- und Schwerelosigkeitstraining bereits hinter mir, habe alle Belastungstests und Medizinchecks bestanden. Ich bin startklar." Die Reise dauert zweieinhalb Stunden, gestartet wird vom ersten Spaceport der Welt in New Mexico.

"WhiteKnightTwo" wird "SpaceShipTwo" (der Raumflieger wird im Dezember präsentiert) auf eine Höhe von 15 Kilometern bringen. Dort koppelt sich das Flugzeug ab und steigt mit Raketenantrieb, vierfacher Schallgeschwindigkeit, zwei Piloten und sechs Passagieren auf 120 Kilometer Höhe. Die Passagiere werden dann mit 15 Minuten Schwerelosigkeit im All belohnt. Es gibt keine Wickel um die beste Aussicht, alle Passagiere (in schneidigen Raumanzügen, mit Helmen und Live-Verbindung zur Erde) haben Fensterplätze. "Große Scheiben ermöglichen einen guten Blick in alle Richtungen, man wird Sonne, Mond, Erde und Sterne ja gleichzeitig sehen können.

Angst hat Sonja Rohde nicht. "Beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre werden wir bis zu 6G ausgesetzt sein, das heißt, es wird das sechsfache der Erdanziehungskraft auf uns lasten. Man kann kaum atmen, weil diese Kraft wie ein Fels auf die Brust drückt." Als eine der ersten Passagiere sei sie sicher einem höheren Risiko ausgesetzt. Aber die Erfahrung, einmal im Weltraum gewesen zu sein, überwiege "das Risiko bei weitem". Sie fürchtet auch nicht, enttäuscht zu werden: "Ich stelle es mir wunderbar vor, wenn man im Trägerflugzeug sitzt, die Abkoppelung vom Spaceship erlebt und für mehrere Sekunden im freien Fall ist." Konkret funktioniert das so: Die Raketentriebwerke werden gezündet, die Passagiere werden von 6G in den Sitz gepresst. Der Himmel rast vorbei, das Raumschiff taucht ins schwarze All. Rohde: "Man ist völlig losgelöst von der Erde und erfährt die absolute Stille." Die Passagiere können sich losschnallen und in der Kabine die Schwerelosigkeit genießen.

Rohde wollte schon als Kind Astronautin werden. "Meine Eltern haben aber klargemacht, dass ich im Familienbetrieb mitarbeiten muss." Dass ihr Branson den Platz im Spaceship anbot, sei "Wahnsinn. Ich hätte mir nie verziehen, wenn ich nicht zugegriffen hätte."

Später soll das Spaceship übrigens auch für wissenschaftliche Zwecke genutzt werden. (Jutta Kroisleitner/DER STANDARD, Printausgabe, 8./9. 8. 2009)

  • "WhiteKnight-Two" bringt das Spaceship und Sonja Rohde ins All. 15 Minuten Schwerelosigkeit kosten sie 200.000 US-Dollar.
    foto: rohde

    "WhiteKnight-Two" bringt das Spaceship und Sonja Rohde ins All. 15 Minuten Schwerelosigkeit kosten sie 200.000 US-Dollar.

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