"Die Generation ist hungrig"

7. August 2009, 18:34
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Der 22-jährige Austrianer Rubin Okotie ist ein weiteres Beispiel dafür, dass die Sorgen im österreichischen Fußball eher geringer werden - Dabei hat der Stürmer gar keinen Karriereplan

Standard: Erwin Hoffer zu Napoli, Marko Arnautovic zu Inter Mailand. Sind Sie der Nächste?

Okotie:Ich bin Spieler der Austria und konzentriere mich darauf. Ich vergönne es beiden, ich war noch nie jemandem etwas neidig.

Standard: Wie beziffern Sie Ihren Wert? Zwei Millionen, fünf, zehn?

Okotie: Mit solchen Dingen beschäftige ich mich nicht, es geht um ein Spiel, das Fußball heißt. Meinen Wert sollen andere bestimmen. Ich weiß, was ich kann.

Standard: Der österreichische Fußball durchlebt ein Hoch. Alle vier Klubs sind im Europacup weiter, das Nationalteam wird nicht mehr ausgelacht. Was ist da passiert?

Okotie: Einiges. Es sind junge, talentierte Spieler aufgetaucht, die Leistungen bringen. Die Generation ist hungrig, das tut der Liga gut.

Standard: Ist die EURO um zwei Jahre zu früh gekommen?

Okotie: Ja. Aber es lässt sich nicht mehr ändern.

Standard: Nahezu stündlich, diese Übertreibung muss sein, tauchen neue Namen auf. Pehlivan, Trimmel, Drazan, Dragovic, Sie selbst, Jantscher, Beichler und so weiter. Schön langsam gehen dem Zufall die Argumente aus?

Okotie: Das ist sicher kein Zufall. Da steckt harte Arbeit dahinter, der ÖFB hat gute Projekte initiiert, wir haben in diversen Nachwuchs- Auswahlen bewiesen, dass wir nicht unfähig sind.

Standard: Ausgebildet wird man aber in den Klubs. Da dürfte ein Umdenken stattgefunden haben. Es ist billiger, Spieler selbst zu entwickeln und ihnen eine Chance zu geben.

Okotie: Das war der Hauptgrund, die Förderung macht sich bezahlt. Das Potenzial liegt trotzdem in dir, das System ist nicht so entscheidend. Für mich war die Frank-Stronach-Akademie optimal. Du musst und kannst überall den Willen entwickeln, etwas zu erreichen.

Standard: Nach dem vierten Platz bei der U20-WM 2007 sind Sie in ein Loch gefallen, Sie kickten bei den Amateuren. Wie bewältigte man als junger Mensch so eine Krise?

Okotie: Es war eine schwierige Zeit. Mir ist es trotzdem gelungen, den Kopf nie hängen zu lassen und den Durchbruch zu schaffen.

Standard: Wie definieren Sie Durchbruch? Reicht es, Stammspieler bei der Wiener Austria zu sein?

Okotie: Es gibt natürlich mehrere Durchbrüche. Verein, Nationalteam, Ausland. Ich stehe erst bei einem Drittel.

Standard: Haben Sie einen Karriereplan erstellt?

Okotie: Nein. Ich sage mir heute, dass ich morgen besser sein will. Gelingt das, ergibt sich der Rest. Da braucht man keinen Plan.

Standard: Sie galten als verspielt, als einer, der den einfachen Abschluss meidet. Lehnen Sie hässliche Tore immer noch ab?

Okotie: Mittlerweile nehme ich jedes. Beim 4:2 gegen Novi Sad stand im Kasten nicht einmal mehr ein Torwart. Das war wie Eishockey. Als junger Spieler musst du Erfahrungen sammeln, keiner kommt von null auf hundert.

Standard: Sie müssen doch einen Traum haben. Die ersten vier Jahre verbrachten Sie in Barcelona.

Okotie: Ja, Barcelona ist ein sehr guter Traum.

Standard: Noch einmal zum Nationalteam. Dietmar Constantini dürfte bei den Spielern gut ankommen.

Okotie: Constantini ist direkt, ehrlich, hat keine Angst, heikle Entscheidungen zu treffen. Das kommt bei der Jugend gut an. (Christian Hackl, DER STANDARD Printausgabe, 8. August 2009)

ZUR PERSON: Rubin Okotie wurde am 6. Juni 1987 in Karatschi (Pakistan) geboren. Sein Vater stammt aus Nigeria, seine Mutter aus Österreich. Bis 1991 lebte die Familie in Barcelona, danach Übersiedlung nach Wien (ohne Vater). Im Vorjahr erzielte Okotie 14 Tore für die Austria, viermal stürmte er im Team. Im Sommer 2010 endet sein Austria-Vertrag.

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    Rubin Okotie, ein Eigenbauspieler der Wiener Austria, hat beim Jubeln schon eine gewisse Routine. Er will jeden Tag besser werden und den Rest auf sich zukommen lassen.

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