Fundstück: "Der Katzensilberkranz in der Henselstraße"

07. August 2009 19:23

Josef Winklers Klagenfurter Rede als Buch erschienen

Lange hatte der ORF Kärnten, Organisator der "Tage der deutschsprachigen Literatur", gezögert, Kärntens bedeutendsten Autor der Gegenwart, Josef Winkler, einzuladen, den Wettbewerb mit einer Rede zu eröffnen. Es bedurfte der Auszeichnung mit dem Georg-Büchner-Preis und dem Österreichischen Staatspreis im vergangen Jahr, bis die ORF-Verantwortlichen sich zu einer Aufforderung durchrangen.

Eine Einladung mit Folgen: Seit Jahren sorgte kein Text, der in Klagenfurt gelesen wurde, für ähnliche Aufmerksamkeit. In einer in Österreich lange nicht gehörten Direktheit verband Josef Winkler in der Klagenfurter Rede zur Literatur eine hochpoetische Bildsprache mit einer zornigen Anklage der Kärntner Politik und ihrer Protagonisten.

Die sechs Millionen Euro, die "einem Villacher Steuerberater für seine zweimonatige mündliche Beratung" gezahlt wurden, benannte Josef Winkler ebenso präzise wie die 70 Millionen Euro für den Bau eines Fußballstadions zur EM "für drei Fußballspiele, für viereinhalb Stunden Fußball . "Aber für den Bau einer Stadtbibliothek in der Landeshauptstadt, wie es sie in jeder Stadt Mitteleuropas gibt, hatten diese drei erwähnten Politiker in den letzten Jahren, und eigentlich seit dieser Literaturwettbewerb existiert, kein Geld. Sie haben kein Geld für eine Bibliothek für Kinder und Jugendliche. Sie haben kein Geld für Bücher. Sie haben kein Geld für die Bücher von Ingeborg Bachmann."

Nun erschien die Rede bei Suhrkamp. (Cornelia Niedermeier / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8./9.8.2009)

 

Josef Winkler, "Der Katzensilberkranz in der Henselstraße. Klagenfurter Rede zur Literatur". 5 € / 33 Seiten. Suhrkamp, Frankfurt/Main 2009

lily233
 
09.08.2009 15:28

Josef Winkler ist beileibe nicht „Kärntens bedeutendster Autor der Gegenwart“. Mehr ist dazu eigentlich nicht zu sagen. Wiewohl ich es ihm vergönne, daß er im Herbst (laut Kleiner Zeitung) zum Ehrendoktor der Uni Klagenfurt ernannt werden wird: Möge wenigstens ihm das lebenslange Darben, Ignoriertwerden und letzen Endes elendige Schicksal so manch anderer wichtiger, nicht minder bedeutender Kärntner Künstler erspart bleiben!

Erotokritos
09.08.2009 15:12

Ein sehr schöner, neben aller Polemik poetischer Text, der mir zwischendurch die Tränen in die Augen trieb.

Macho04
09.08.2009 02:46
Widerliche billigste Polemik

steppi1
15.08.2009 20:22

Sie haben recht: es ist Polemik. Aber es ist eine Polemik, die mit einer geradezu unschlagbaren Subtilität alles vernichtet, was als Gegenargument verwendet werden könnte.
Aber vielleicht sind Sie ja ein Nutznießer der 6 Millionen Euro, die da bezahlt wurden. Vielleicht sind Sie auch ein Fussballfan.
Und wahrscheinlich halten Sie die Ausrede im Ortstafelstreit, dass der derzeitige Landeshauptmann nicht gewusst hat, dass er gegen das Gesetz verstößt, für eine gültige Ausrede.
Polemik ja. Billig? Sicher nicht. Widerlich? Wie soll man Widerlingen entgegen treten, die sich über jeden normalen Einwand UND AUCH GEGEN GESETZE hinwegsetzen?
Ihr Kommentar hingegen? Widerlich, ja!

Darius Minor
09.08.2009 15:22
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