"Der Kurssturz bereitet mir keine Sorgen"

7. August 2009, 17:36
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Geox-Präsident Mario Moretti Polegato sieht in Österreich noch Wachstumspotenzial

Er übernimmt den Sportkonzern Diadora, hat aber kein Interesse an Stiefelkönig-Shops, sagte er Thesy Kness-Bastaroli.

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STANDARD: Als eine der wenigen Modekonzerne expandieren Sie zur Zeit der weltweiten Wirtschafts- und Konsumkrise, indem Sie den konkursreifen Sportkonzern Diadora übernahmen. Soll Diadora künftig mit Geox fusionieren?

Polegato: Nicht Geox, sondern meine Familienholding Lir wird 100 Prozent von Diadora übernehmen. Eine Fusion mit Geox schließe ich aus. Diadora aus Montebelluno ist mit einem Umsatz von 120 Millionen Euro und Schulden von mehr als 100 Millionen konkursreif. Wir haben bereits eine Einigung mit den Gewerkschaften über den Personalabbau getroffen. Im Herbst sollen auch die Gläubigerbanken unterschreiben, danach präsentieren wir den Sanierungsplan.

STANDARD: Was sind Ihre Ziele für Diadora?

Polegato: Das Unternehmen hat einst die weltweit bekanntesten Spitzensportler ausgerüstet. Das soll es auch in Zukunft wieder machen. Das Label hat einen hohen Wert. Wir wollen, dass Diadora zu den weltweit wichtigsten italienischen Sportlabels avanciert.

STANDARD: Geox war ursprünglich an der Übernahme von einigen der Stiefelkönig-Geschäfte interessiert. Besteht noch Interesse?

Polegato: Nein. Wir haben mit Stiefelkönig ein Franchising-Abkommen, das bestens funktioniert. Aber wir wollen in Österreich weiterhin expandieren.

STANDARD: Wo sehen Sie Wachstumschancen?

Polegato: Ich sehe hier sowohl für den Schuh- wie auch für den Bekleidungssektor ein großes Wachstumspotenzial. Wir werden im Herbst einen neuen Maxi-Store in der Mariahilfer Straße 88 eröffnen. Es ist unser erster Flagship-Store in Wien mit einer Verkaufsfläche von 420 Quadratmetern. In Österreich gibt es bereits 30 Geox-Shops, von denen 19 vom Stiefelkönig im Franchise geführt werden.

STANDARD: Erwarten Sie, dass Geox weiterhin so kräftig wächst wie bisher?

Polegato: Wir sind bislang nach Clarks weltweit Nummer zwei bei Lifestyle-Schuhen. Wir streben die Führungsposition am Weltmarkt an. Künftig sollen unser Angebot im Fashion-Schuhbereich und der Bekleidungssektor ausgebaut werden. Der Anteil von Bekleidung am weltweiten Absatz soll von zehn auf 50 Prozent zunehmen.

STANDARD: Die Krise hat sich bislang nicht so sehr auf den Geox-Umsatz und den Ertrag, sondern vielmehr auf die Börsenkurse ausgewirkt. Planen Sie ein Buy-back, um die Kurse zu stützen? Oder wollen Sie den Titel von der Börse nehmen?

Polegato: Nein. 71 Prozent des Geox-Kapitals werden von unserer Familienholding Lir kontrolliert, der Rest ist auf dem Markt. So soll es auch in Zukunft bleiben. Mir bereitet der Kurssturz keinerlei Sorgen, derzeit ist wieder eine Erholung zu verzeichnen. (Die Geox-Kurse verloren innerhalb eines Jahres 21 Prozent und notieren derzeit bei 5,7 Euro pro Aktie, Anm.) Wir sind 2004 bewusst an die Börse gegangen. Dies hat meiner Meinung nach mehrere Vorteile wie etwa absolute Transparenz und eine große Publizität auf sämtlichen Märkten.

STANDARD: Ist die Krise Ihrer Meinung nach überwunden?

Polegato: Ich kann nicht sagen, ob die Krise tatsächlich überwunden ist. Aber ich bin mir sicher, dass wir das Schlimmste überstanden haben. Ich bin mit den Wirtschaftsweisen darüber einig, dass eine echte Erholung in der zweiten Jahreshälfte 2010 stattfinden wird. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8./9.8.2009)

Zur Person

Mario Moretti Polegato ist Erfinder, Gründer und heute Chairman sowie Hauptaktionär des Geox-Schuhkonzerns. Der 57-jährige Önologe und Jurist hat Anfang der 90er-Jahre den "Schuh, der atmet" patentieren lassen und damit ein Imperium mit einem Umsatz von 800 Mio. Euro aufgebaut. Polegato ist verheiratet. Sein Sohn Enrico, ebenfalls Jurist, mischt bereits im Konzern kräftig mit.

  • Mario Moretti Polegato: "Erholung in der zweiten Jahreshälfte 2010."
    foto: geox

    Mario Moretti Polegato: "Erholung in der zweiten Jahreshälfte 2010."

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