Geistiges Blech

7. August 2009, 17:22
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Das aktuelle Konjunkturpaket hat wenig Kraft bei der Förderung von zukunftsfähigen Entwicklungen - Von Franz Fischler

Was haben der weitere Ausbau des Autobahnnetzes und die Verschrottungsprämie mit dem Fortschritt und Innovationsgeist in Österreich zu tun? Das aktuelle Konjunkturpaket forciert zwar den Ausbau der Infrastruktur und den Kauf neuer Autos, hat aber wenig Kraft bei der Förderung von zukunftsfähigen Entwicklungen.

Dabei wäre es gerade jetzt besonders notwendig, massiv in die Forschung und Entwicklung (F&E) zu investieren, um rechtzeitig für den Kampf gegen den Klimawandel und die künftige Ressourcenknappheit gewappnet zu sein. Die aktuellen Zahlen zeigen, dass die Umwelttechnologie die Wachstumsbranche der Zukunft ist, die langfristig Arbeitsplätze schaffen und sichern kann. Es macht also auch ökonomisch Sinn, jetzt z. B. innovative Start-ups im Bereich Umwelttechnik massiv zu fördern. Das könnte man unter anderem mit einem Risikokapitalfonds tun und durch die Stärkung der steuerlichen Absetzbarkeit von F&E-Investitionen. Die räumliche Verbindung und eine gute Vernetzung mit den Universitäten könnten Unternehmens-Neugründungen erfolgreicher machen.

Einige Jahre lang war Österreich mit seiner Forschungsquote im EU-Vergleich auf der Überholspur, die gegenwärtig schlechte Finanzsituation des Staates und die nationale Budgetpolitik könnten diese Entwicklung aber zum Erliegen bringen. Dazu kommt, dass die vorhandenen Mittel aufgrund des in Österreich üblichen Schrebergarten-Denkens nur suboptimal eingesetzt werden. Es ist hinlänglich bekannt, dass es wenig Sinn macht, die Zuständigkeit für Forschungsgelder auf eine Reihe von Ministerien aufzusplittern und damit höhere Administrationskosten sowie eine schlechtere Abstimmung untereinander in Kauf zu nehmen. Allein, es fehlt der politische Wille, alle vorhandenen Kräfte sinnvoll zu bündeln und so innovationsfreudige Unternehmen, WissenschafterInnen und Universitäten spürbar zu unterstützen. Die vielen Innovations-Greisslerläden gehören abgewrackt, eine Prämie dafür würde sich hier mehr auszahlen als für alte Autos.

Entscheidend für den Erfolg könnte auch die Fähigkeit sein, F&E vernetzt und interdisziplinär zu denken. In die technologiebegründete Forschung sollten gesellschafts-, wirtschafts- und politikwissenschaftliche Aspekte mit einbezogen werden. Nicht noch mehr gebaute Autobahnkilometer bringen Österreich voran, sondern die geistige und konzeptionelle Vernetzung zwischen Wissenschaft, Unternehmen und Politik. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8./9.8.2009)

Zur Person

Franz Fischler war Landwirtschaftsminister und EU-Agrarkommissar. Derzeit ist er Präsident des Ökosozialen Forums.

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