Gegenseitige Hilfe für Ein-Personen-Unternehmen

7. August 2009, 16:51
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Ein dichtes Netzwerk ist für Einzelunternehmer sowohl für die Kundenakquise als auch für benötigte Fremdleistungen besonders wichtig

In Österreich gab es Ende 2008 über 205.000 Ein-Personen-Unternehmen (EPUs), so die Daten der Wirtschaftskammer. Nicht erfasst sind EPUs, die keine Mitglieder der Wirtschaftskammer sind. Peter Voithofer von der KMU-Forschung Austria geht davon aus, dass knapp die Hälfte der Unternehmen im gewerblichen Bereich Ein-Personen-Firmen sind.

"De facto sind EPUs aber nicht auf sich allein gestellt", sagt Voithofer. Sie haben vielmehr ein relativ dichtes Netzwerk aus dem persönlichen Umfeld, Geschäftspartnern und Kunden aufgebaut. EPUs agieren sehr regional und lokal. Die Akquise von Aufträgen erfolge zu einem Großteil aus diesem Umfeld. „Die meisten Unternehmensgründer waren vor ihrer Selbstständigkeit bereits unselbstständig in einer ähnlichen Branche tätig. Von den Kontakten, die dort geknüpft wurden, können sie auch in ihrer Selbstständigkeit profitieren", soweit die Forschung.

Kundenakquise

Die Praxis sieht - vor allem, was die Kundenakquise betrifft - bei Daniela Vallaster ein bisschen anders aus. Im Oktober 2007 hat sie sich als Grafikdesignerin selbstständig gemacht. "Es passt ganz gut, könnte aber mehr sein", gibt Vallaster zu.

Aus ihrem Bekanntenkreis kommen relativ wenig neue Aufträge, daher werde sie sich in Zukunft auch verstärkt um das Akquirieren neuer Kunden kümmern müssen. Beim Netzwerkaufbau habe ihr auch das Gründerprogramm des AMS geholfen. Und so kann sie, wenn sie Rat und Unterstützung von anderen Spezialisten braucht, auf einen Expertenpool zurückgreifen.

Partnerschaften

Alles selbst machen zu wollen, stelle gerade in der Gründungsphase einen großen Stolperstein dar, meint Anna Oladejo. Deshalb habe sie schon vor der Gründung ihres Marketing-Büros ein eigenes Budget für Fremdleistungen einkalkuliert. "Denn ich wollte Professionalität von Anfang an." Aus diesen benötigten Fremdleistungen von anderen Mikrounternehmen sind mittlerweile Partnerschaften entstanden, und so werden auch ihre Leistungen von anderen in Anspruch genommen. "Wichtig dabei ist, dass die Arbeitsweisen zusammenpassen."

„Meistens beginnt eine neue Kundenbeziehung, weil jemand ein dringendes IT-Problem hat. Über meinen Freundes- und Bekanntenkreis werde ich weiterempfohlen. Im besten Fall entsteht dann eine dauerhafte Geschäftsbeziehung", sagt Gerhard Sinnhuber, und im Gegenzug könne er für benötigte Fremdleistungen ebenfalls auf dieses Netzwerk zurückgreifen. Vor zwanzig Jahren hat der Multimedia-Produzent seinen Ein-Mann-Betrieb gegründet. Überlebensfähig machen ihn hauptsächlich seine langjährigen Kunden_beziehungen. Gleichzeitig kritisiert er, dass es zwar viele Förderungen für Gründer gebe, etablierte Betriebe dabei aber auf der Strecke blieben. (Gudrun Ostermann/DER STANDARD; Printausgabe, 8.8./9.8.2009)

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    Netzwerke anzapfen zahlt sich zumeist aus.

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