Jan Rokita soll 3.000 Euro für Hausfriedensbruch bezahlen

7. August 2009, 16:41
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Ehemaliger PO-Spitzenkandidat geriet am Münchner Flughafen in Streit mit Polizei

Landshut/Warschau -  Der polnische Politiker Jan Rokita muss für einem Zwischenfall in einer Lufthansa-Maschine auf dem Münchner Flughafen im Februar 3.000 Euro Strafe bezahlen. Sie werte Rokitas Verhalten als Hausfriedensbruch, erklärte die Staatsanwaltschaft Landshut. Rokita hatte damals schwere Vorwürfe gegen die deutsche Polizei erhoben, das Thema hatte tagelang die polnischen Zeitungen beschäftigt. Rokita kann gegen den Strafbefehl noch Einspruch einlegen.

Rokita und seine Frau Nelly gaben an, sie hätten im Flugzeug nur einen Mantel und einen Hut im Gepäckfach der Businessclass verstauen wollen, obwohl sie Flugtickets für die Economy-Bereich hatten. Deshalb habe sie die Stewardess, die sie zudem auf Deutsch angesprochen habe, aufgefordert, das Flugzeug zu verlassen. Als er sich weigerte, hätten ihn herbeigerufene Beamte der deutschen Polizei aus dem Sitz gezerrt, auf den Boden geworfen und in Handschellen abgeführt, so Jan Rokita. "Es tat sehr weh, das waren besonders furchtbare deutsche Handschellen", sagte der Politiker. Auf der Polizeiwache sei er dann als "Arschloch" beschimpft worden, es habe "antipolnische Kommentare gegeben".

Diese Schilderung, die von der deutschen Polizei bestritten wird, führte in Polen zu Aufsehen. Der Fraktionsvorsitzende der rechtskonservativen Oppositionspartei "Recht und Gerechtigkeit" (PiS) forderte die Regierung auf, diplomatische Schritte gegen Deutschland einzuleiten. Eine "harte Intervention" sei nötig. Allerdings amüsierten sich auch viele Polen über den Vorfall, zumal im Internet eine undeutliche Handy-Aufnahme veröffentlicht wurde, in der aber klar die Hilfe-Rufe von Rokita zu hören sind. Ebenfalls im Internet erschien daraufhin ein einfaches Spiel, bei dem man Rokita einen Faustschlag verpassen und so dessen Hilfe-Ruf provozieren konnte.

Jan Rokita trat 2005 als Spitzenkandidat der rechtsliberalen Partei "Bürgerplattform" (PO) zur Parlamentswahl an. Die PO konnte in der Folge aber nicht die Regierung bilden. Vor der Parlamentswahl 2007 distanzierte er sich von der Politik, weil seine Frau Nelly für die PiS ins Parlament einzog. (APA)

  • Jan Rokita sieht sich als Opfer von "Polen-Feindlichkeit".
    foto: epa/tomasz gzell

    Jan Rokita sieht sich als Opfer von "Polen-Feindlichkeit".

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