Roma nahmen Abschied von Ermorderter

7. August 2009, 15:59
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Suche nach den Tätern bisher erfolglos - Ergreiferprämie und Zeugenschutz sollen helfen - NGO fordert Präsident zu klaren Worten auf

Budapest (APA) - Auf dem Friedhof in der kleinen nordostungarischen Gemeinde Kisleta wurde am Freitag Maria B. unter Polizeischutz zu Grabe getragen. Mehr als 500 Trauergäste, darunter Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, begleiteten die alleinerziehende Mutter auf ihrem letzten Weg. Die 45-jährige Roma war in der Nacht auf Montag brutal ermordet worden. Unbekannte Täter drangen in das Haus am Rande der Ortschaft ein und eröffneten mit Jagdgewehren das Feuer auf Maria B. und ihre 13-jährige Tochter.

Das Mädchen wurde lebensgefährlich verletzt, liegt auf der Intensivstation des Spitals von Nyiregyhaza und steht unter Polizeischutz. Sie könnte die Täter gesehen haben. Bisher fehlt von ihnen allerdings jede Spur. Die Polizei hat jetzt nicht nur eine Prämie in Höhe von 100 Millionen Forint (366.569 Euro) zur Ergreifung der Täter ausgeschrieben, sondern auch Zeugenschutz und den Tätern einen Deal mit der Staatsanwaltschaft in Aussicht gestellt.

Allein in einem Jahr gab es 55 Angriffe gegen Roma, acht Menschen starben, fünf wurden verletzt. Auch der jüngste Mord soll Teil dieser Angriffsserie gegen Roma sein. Die Polizei spricht von Serienmorden, dafür spreche die Methode, die verwendeten Mittel und die Wahl der Opfer. Laut Landespolizeipräsident Jozsef Bencze kam eine in Kisleta verwendete Mordwaffe bereits bei anderen Angriffen auf Roma zum Einsatz. Nach den am Tatorten gesicherten Spuren könnte es sich um bis zu vier Angreifer handeln. Er schließt laut Medienberichten nicht aus, dass die Täter bereits den nächsten Angriff vorbereiten.

Gerüchte, wonach ausländische Geheimdienste hinter den Anschlägen auf Roma stehen könnten, dementierte das Büro für Nationale Sicherheit. Bisher gebe es keine Hinweise darauf.

Die Gesellschaft für den Schutz der Würde der Roma forderte den ungarischen Staatspräsidenten Laszlo Solyom unterdessen auf, sein "Schweigen zu brechen, das er bisher hinsichtlich der bewaffneten Angriffe gegen Roma an den Tag legte". Solyom solle endlich seine Stimme als der "die Einheit der Nation verkörpernde Staatschef" erheben und sein Mitgefühl mit den in Angst und Schrecken lebenden Roma-Mitbürgern demonstrieren.

 

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