Einzelhandel weiter schwach

7. August 2009, 15:37
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Ein Kommentar aus dem Equity Weekly der Erste Group von Stephan Lingnau und Vincent Holzer

Der Stoxx 600 setzt seinen Aufwärtstrend trotz gemischter Unternehmensergebnissen fort und legte diese Woche 1,2% zu. Vor allem der Finanzsektor legte zu: Immobilienfirmen (+11%), Banken (+7% und Versicherungen (+4%) outperformenten. Zudem kam es zu starken Käufen im Hotel und Tourismussektor (+7%) nachdem dieser in der Rallye seit Juli stark underperformte und so in den Blickpunkt der Investoren trat. Der Trend zu Large Caps bleibt bestehen.

Der VDax bleibt weiter bei 25 Punkten. Kupfer durchbrach erstmals die USD 6.000 Marke und legte mit +7,5% bei weiterhin leicht steigenden Lagerbeständen auf USD 6.025/t zu. Zum Vergleich: Das All-time High aus dem Juli 2008 liegt bei USD 8.940 und das 4- Jahres Low aus dem Dezember bei USD 2.888. Aluminium legte 6% zu und der Baltic Dry Index notiert erstmals seit Ende Mai wieder unter 3.000 Punkten. Gold verteuerte sich auf USD 963 (+3,5%) und das Barrel Brent schoss auf USD 75 (+8,6%), wobei EURUSD auf 1.43 (+2%) zulegte.

Die BoE hat sich überraschend entschlossen ihr Ankaufprogramm für Anleihen zum zweiten Mal auszuweiten um die weiterhin angespannte Lage am Kreditmarkt zu verbessern. Der Konsens hatte damit gerechnet, dass das „Quantitative Easing" auslaufen würde. Das Programm wird nun insgesamt GBP 175 Mrd. betragen. Die Leitzinsen beließen die BoE (0,5%) wie auch die EZB (1%) unverändert.

Die deutsche Industrie hat mit +4,5% im Juni wesentlich mehr Aufträge an Land gezogen als erwartet (Konsens: +0,7%, Vormonat: +4,4%). Die Auftragseingänge sind im Vergleich zum Mai um 4,5% gestiegen. Die maßgeblichen Nachfrageimpulse kamen vom starken Anstieg der Auslandsbestellungen um 8,3%. Nach dem kräftigen Einbruch im Winter hat sich die Bestelltätigkeit in der Industrie seit nunmehr vier Monaten in Folge belebt. Die Industrieproduktion ist derweil nach den vorläufigen Angaben um 0,1% gesunken, nachdem sie im Vormonat aufwärts revidiert um 4,3% (ursprünglich 3,7%) angestiegen war.

Schwach sind sich zurzeit weiterhin die Einzelhandelsumsätze in der Eurozone. Diese sind im Juni überraschend gesunken. Auf Monatssicht fielen die Umsätze um 0,2 % (Konsens: +0,3%) nach -0,5% im Mai. Damit steht im ersten Halbjahr nur im April eine Steigerung zu Buche. Im Jahresvergleich sanken sie um 2,4% nach -3,0%. Die höchsten Zuwächse auf Monatssicht  verzeichneten Slowenien (+1,7%), Estland (+1,4%) und Großbritannien (+1,3%), die stärksten Rückgänge Lettland (-5,1%), Rumänien (-3,8%) und Deutschland (-1,8%). Metro hat in Q2 die Konsumschwäche und den Währungsverfall in Osteuropa zu spüren bekommen. Die Rückgänge beim Umsatz (-3,8%) im Vergleich zu Q1 (-2,5%) steigen weiter.

Man konnte aber mit EUR 48 Mio. wieder einen Gewinn schreiben. In Q1 stand noch ein Verlust von EUR 100 Mio. zu Buche. Einen konkreten Ausblick für 2009 gibt der Konzern nicht. Man zeigte sich aber zuversichtlich, dass das EBIT in der zweiten Jahreshälfte weniger stark zurückgehen wird als im ersten Halbjahr. Auch in der Region Westeuropa gebe es erste Anzeichen einer Stabilisierung. Die Aktie zeigt weiterhin eine relative Stärke zum Euro Stoxx Retail seit März. In 2009 stieg das Papier um 34%, während der Sektorindex nur 14% zulegen konnte.

Adidas mit starken Zahlen trotz Konsumflaute

Adidas hat im zweiten Quartal trotz der Konsumflaute unerwartet einen kleinen Gewinn erzielt. Der Konzern rechnet aber mit einer besseren zweiten Jahreshälfte. Sorge bereitet die USTochter Reebok. Der Gewinn brach im zweiten Quartal auf EUR 9 Mio. ein von EUR 116 Mio. im Jahr zuvor. Der Umsatz fiel um 2,5%. Unilever hat im zweiten Quartal trotz einer leichten Umsatzsteigerung (+0,8%) einen Rückgang beim Gewinn (-16%) verzeichnet und damit die Erwartungen verfehlt.

Die Deutsche Telekom hat in Q2 von ihrem ausländischen Mobilfunkgeschäft und ihrer Beteiligung an dem griechischen Telekommunikationskonzern Hellenic Telecom profitiert. In den USA hingegen machen die unterdurchschnittlichen Monatsumsätze und die hohe Wechselbereitschaft der Kunden T-Mobile USA zu schaffen Der Konzernumsatz stieg in Q2 um 7,4% auf EUR 16,2 Mrd. Euro und blieb damit wie der Gewinn unter den Erwartungen. Unter dem Strich verbuchte man EUR 521 Mio. nach EUR 394 Millionen im Vorjahreszeitraum und einem Verlust von EUR 1,1 Mrd. in Q1. Operativ sah es dagegen (+ 7,7%) besser aus als erwartet. Laut CEO Rene Obermann stimmten die Zahlen  uversichtlich für das Gesamtjahr. Zur Höhe der Dividende wollte er sich aber nicht äußern. 2008 hatte die Telekom EUR 0,78 ausgeschüttet, was derzeit eine Dividendenrendite von ganzen 8,6% bedeuten würde. Schätzungen der Primäranalysten gehen davon aus, dass die EUR 0,78 erreicht werden.

Mit der soliden Quartalsbilanz steht die Deutsch Telekom in Europa aber nicht allein da. Auch die BT, die Telefónica und France Télécom legten zuletzt überraschend gute Quartalszahlen vor. Der harte Sparkurs und die Zurückhaltung bei den Investitionen haben sich ausgezahlt. Für eine Enttäuschung sorgte gestern allerdings Telecom Italia. Der ehemalige Monopolist legte gestern schwache Zahlen vor. Der Gewinn fiel im ersten Halbjahr um 14% auf EUR 964 Mio. Der Umsatz fiel um knapp 6% auf EUR 14 Mrd.

Hannover Rück profitiert von Krise

Das noch Dax Mitglied Hannover Rück sieht sich dank eines Gewinnanstiegs in Q2 auf gutem Kurs beim Erreichen der Jahresziele. Der weltweit viertgrößte Rückversicherer übertraf die Konsenserwartungen mit einer knappen Verdopplung (+95%) des EBIT auf EUR 294 Mio. klar. Im Vergleich zu Q1 musste man aber einen Rückgang von 3,2% hinnehmen. Netto-Prämien entwickeln sich jedoch weiterhin stark (+36% y/y bzw. +8% q/q). Dank der gestiegenen Nachfrage bei Sach-, Lebens- und Kreditversicherungen habe sich die Nachfrage nach Rückversicherungsschutz erhöht.

Auch Zurich Financial konnte die Erwartungen mit seien Quartalszahlen übertreffen. Unter anderem dank geringerer Wertberichtigungen wurde der Gewinnrückgang zum Vorjahr (-29%) in Grenzen gehalten. In Q2 nahm Zurich USD 11,2 Mrd. Bruttoprämien und Policengebühren ein, 4% mehr als im Vorjahresquartal. Die Allianz hat im in Q2 vor allem dank Beteiligungsverkäufen unerwartet gut verdient. Der Konzerngewinn ist um 21% auf EUR 1,87 Mrd. geklettert. Analysten hatten im Schnitt mit EUR 1,61 Mrd. gerechnet. Operativ kam man auf rund EUR 1,8 Mrd, was im Rahmen der Markterwartungen lag. Die Allianz hatte sich zuletzt unter anderem von Anteilen an der chinesischen Bank ICBC getrennt.

Dank lukrativer Geschäfte im Investmentbereich konnte Barclays ihren Gewinn im abgelaufenen Halbjahr um 10% auf GBP 1,9 Mrd. steigern. Die Investmentsparte wurde erfolgreich mit Überbleibsel von Lehmann Brothers aufgestockt und ist nun die Cash-Cow der Bank. Trotzdem musste die Abschreibungssumme auf GBP 3,9 Mrd. (+73%) erhöht werden. Auch HSBC ist in den schwarzen Zahlen, wobei sich der Gewinn, USD 3,35 Mrd. im Vergleich zum Vorjahr mehr als halbierte. Grund für den Einbruch war das schwache Geschäft mit Privatkunden und Abschreibungen in Milliardenhöhe von faulen Krediten. Erwähnenswert: Beide Banken haben während des Auftretens der globalen Finanzkrise auf Staatshilfen gänzlich verzichtet. Auch UniCredit hat im Q2 die Erwartungen übertroffen und einen Gewinn in Höhe von EUR 490 Millionen erzielt. Dies gelang trotz trüber Aussichten im Ostgeschäft und der Tatsache, dass hohe Reserven zur Risikoabsicherung aufgebaut wurden.

Die krisengeschüttelte Schweizer Großbank UBS kommt weiterhin nicht aus den Negativschlagzeilen. Zum 7. Mal in Folge verbucht UBS einen Quartalsverlust. Der Verlust betrug CHF 1,4 Mrd. nach CHF 1,9 Mrd. in Q1. Außerdem zogen Kunden im abgelaufenen Quartal CHF 40 Mrd. von der Bank ab. Grund dafür ist der anhaltende Streit mit der amerikanischen Finanzbehörde. Eine Einigung wird für die kommende Tage erwartet, wobei man mittelfristig entweder mit weiteren Kapitalabflüssen der Kunden oder Pönalen seitens der US-Regierung (jeweils in Milliardenhöhe) rechen darf. Nichtsdestotrotz wurden CHF 1,7 Mrd. für Bonuszahlungen zurückgestellt. Ein vorausschauendes Management sieht anders aus.

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