Postzugräuber Ronnie Biggs ist frei

7. August 2009, 15:06
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Der Sterbenskranke 80-Jährige war von der britischen Regierung begnadigt worden

London - Großbritanniens berühmtester Räuber ist wieder frei - wenn auch nur auf dem Papier: Der todkranke Postzugräuber Ronnie Biggs verbrachte seinen ersten Tag nach der Begnadigung im Krankenhaus. Er ist so schwach, dass er wahrscheinlich auch seinen 80. Geburtstag an diesem Samstag nicht feiern kann. Dennoch sei er "überglücklich", ließ Biggs am Freitag über seinen Sohn mitteilen. Die Regierung hatte den legendären Ganoven am Vorabend nach einem Sinneswandel doch noch begnadigt, weil sich Biggs' Gesundheitszustand so sehr verschlechtert hatte.

Die Ärzte geben Biggs nicht mehr lange zu leben, seitdem er vor eineinhalb Wochen wegen einer schweren Lungenentzündung ins Krankenhaus im ostenglischen Norwich gebracht wurde. Noch vor einem Monat hatte Justizminister Jack Straw ein Gnadengesuch ausgeschlagen, weil Biggs keine Reue für den Überfall auf den königlichen Nachtzug von Glasgow nach London im Jahr 1963 gezeigt habe. Anschließend war er 35 Jahre auf der Flucht.

Biggs' Sohn Michael sagte, auch wenn die Begnadigung keine "praktische Veränderung" bringe, so doch "eine spirituelle". "Er ist sehr glücklich, und wir sind froh, dass gesunder Menschenverstand gewonnen hat." Biggs hat bereits drei Schlaganfälle hinter sich und kann nicht mehr reden, gehen oder essen und trinken. "Wir hoffen sehr, dass mein Vater die nächsten paar Tage überleben wird." Am Freitag sollten die drei Gefängniswärter, die Biggs bisher auch im Krankenhaus überwachten, ihrer Pflichten entledigt werden.

Geburtstag am Jahrestag

Biggs' Geburtstag fällt mit dem Jahrestag des großen Postzugraubes zusammen: Am 8. August vor 46 Jahren überfielen er und 14 weitere Ganoven den Nachtzug und zogen dem Schaffner eine Eisenstange über den Kopf. Dann entkamen sie mit einer Beute von 2,6 Millionen Pfund - heute wären das umgerechnet 47 Millionen Euro. Die Bande wurde gefasst, Biggs bekam eine Haftstrafe von 30 Jahren. Er flüchtete jedoch kurz darauf aus dem Knast, ließ sein Gesicht umoperieren und lieferte sich 35 Jahre ein Katz-und-Maus-Spiel mit den Behörden. Schwer krank kehrte er 2001 freiwillig von Brasilien nach England zurück und wanderte gleich ins Gefängnis. Seitdem musste er aber immer wieder ins Krankenhaus.

Mit der vorzeitigen Entlassung hat Biggs nur ein Drittel seiner Strafe verbüßt. Biggs' Sohn erklärte, sein Vater bereue die Tat. "Es tut ihm leid, dass er das Verbrechen begangen hat, aber er bereut nicht das Leben, das er danach gelebt hat." Falls sich Biggs wieder erholt, soll er in ein Pflegeheim im Norden Londons kommen. Biggs' Anwalt Giovanni Di Stefano hatte die späte Entscheidung des Justizministers kritisiert. Biggs sei lediglich "entlassen worden, um zu sterben".

Andere gemahnten am Freitag auch an, dass bei all dem Medienrummel über Biggs vergessen werde, dass es sich um ein schweres Verbrechen gehandelt habe, bei dem der Zugführer schwer verletzt wurde und sich nie wieder richtig erholen sollte. (APA)

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    Ronnie Biggs wurde wegen seiner schweren Krankheit begnadigt. Nach dem Überfall auf einen Postzug im Jahr 1963 war er 35 Jahre auf der Flucht gewesen.

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