Forscher zweifeln an spektakulären Dino-Duellen

9. August 2009, 17:54
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Tyrannosaurus hatte es nach Meinung deutscher Paläontologen eher auf Babies abgesehen

München - Kaum ein Dinosaurier-Buch für Kinder (und erst recht kaum eine CGI-getragene TV-Serie), wo sich nicht ein Triceratops bzw. einer seiner Verwandten einem Tyrannosaurier oder anderen fleischfressenden Theropoden zum Duell der Giganten stellen muss. - Die Wahrscheinlichkeit solcher Szenarien ziehen deutsche Paläontologen nun sehr in Frage: Große fleischfressende Echsen wie der Tyrannosaurus rex dürften vor allem harmlose Jungtiere gejagt haben, erklärten die Münchner Paläontologen Oliver Rauhut und David Hone in der Online-Zeitschrift "Lethaia". Ihre Hypothese beruht sowohl auf Beobachtungen aus der heutigen Tierwelt als auch auf der Analyse von Fossilien.

Indizien für eine eher vorsichtige Jagdstrategie liefert vor allem die heutige Tierwelt: "Raubtiere jagen viel lieber kranke, alte oder unerfahrene junge Tiere, anstatt sich mit ebenbürtigen Gegnern anzulegen, die ihnen selbst gefährlich werden können. Dasselbe traf sehr wahrscheinlich auch bei Raubsauriern zu", erklärt Rauhu. Einen weiteren Hinweis liefert das Verhalten von Krokodilen und Vögeln, den nächsten überlebenden Verwandten der Dinosaurier. "Beide Tiergruppen verfügen über Magensäfte, die Knochen von erlegten Jungtieren fast vollständig zersetzen können, was wichtig für den Mineralhaushalt des Räubers ist", so der Wirbeltier-Paläontologe. Analysen von versteinertem Mageninhalt und Kot scheinen das auch für Raub-Dinosaurier zu belegen.

Jagd-Misserfolge

Bei den wenigen Tyrannosaurus-Zahnabdrücken auf Beutetieren, die man bisher gefunden hat, kann man laut Rauhut nicht feststellen, ob diese am lebenden oder bereits toten Tier vorgenommen wurden. Hinweise für direkte Angriffe auf erwachsene Dinosaurier seien sehr spärlich gesät und zeugten keinesfalls vom Erfolg des Räubers. "Bei allen nachgewiesenen Fällen ist das schief gegangen. Bisseindrücke bei einem Entenschnabel-Saurier sind ebenso ausgeheilt wie das abgebissene Horn eines Triceratops." Nur in Ausnahmefällen wie bei Dürren oder Nahrungsknappheit hätten große Raubsaurier laut dem Münchner Forscher Jagd auf andere große Dinosaurier gemacht.

Vollkommen neu ist die Idee nicht, gesteht Rauhut. "Mehrere Fachkollegen reagierten auf die Behauptung damit, dass sie ja offensichtlich sei. Dennoch wurde sie bisher nie klar ausgedrückt und das Bild vom häufigen 'Kampf der Titanen' in der Jurazeit ist noch sehr populär." Trifft die Hypothese zu, wäre auch ein weiteres Rätsel der Paläontologie gelöst. Denn bisherige Funde von versteinerten Dinosauriernestern zeigen, dass Dinosaurier deutlich mehr Eier legten, als man in Fossilberichten Hinweise auf überlebenden Nachwuchs feststellen kann. Es scheint somit möglich, dass ein Großteil der Jungtiere den großen Raubsauriern zum Opfer fiel. (pte/red)

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    Der "klassische Zweikampf" Triceratops vs Tyrannosaurus: Nur ein Mummenschanz für Kinder?

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