Darf 's ein bisserl mehr sein?

7. August 2009, 16:55
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Um 60.000 Euro bekommt man ein Auto, um 90.000 einen Wagen. Der spielt dann wirklich alle Stückerln. Der Audi S4 Avant ist praktisch und schnell

Was man halt so braucht: Dass etwa die Kofferraumklappe auf Knopfdruck elektrisch auf- und zugeht. Will man sich die Hände schmutzig machen? Zu viel Bewegung machen? Eben. Und mit knapp 700 Euro vergleichsweise noch günstig. Eine g'scheite Navigation: Fast 4000 Euro extra, ehrlich. Der tolle Sportsitz: knapp 2000 Euro. Soundsystem von Bang & Olufsen, braucht man - 1200 Euro. Mit 110 Euro wäre die Kindersitzbefestigung Isofix das günstigste Zubehör. Wenn Kinder vorhanden: unbedingt. Insgesamt 30 mehr oder weniger unverzichtbare Extras in das Auto reingepackt, und schon schnalzt der Fahrzeugpreis von 62.000 Euro für das Basismodell auf fast 90.000 Euro. Wie bei unserem Testfahrzeug, in dem Audi mit keinen Annehmlichkeiten geizen wollte. Wie würde das denn ausschauen?

Wir verfrachteten diese Annehmlichkeiten erst einmal nach Friaul, um sie dort näher in Begutachtung zu nehmen. Verfrachten stimmt nicht ganz, aber zum Teil. Wir eilten, und wir glitten, wir arbeiteten an der Handschaltung, und ja, wir verfrachteten: uns, doch einiges an Gepäck und auch ein Fahrrad. Problemlos.

Wenn bei Audi ein S im Namen vorkommt, dann geht alles recht schnell. Im S4 Avant ging es um eines: Den Bogen vom an sich recht biederen Kombi zu einem recht heftigen Sportwagen zu schlagen. Wir finden hier einen doppelt aufgeladenen Sechszylinder mit 333 PS unter der Motorhaube, aber unverändert ein Volumen von 490 Liter hinter der Ladeklappe. Bei umgeklappter Rücksitzlehne sind es sogar 1430 Liter Volumen.

Wir haben also allen Komfort und den Nutzwert eines Kombis (bei Audi: Avant), dazu aber den Mehrwert eines in der Tat recht kompromisslosen Sportwagens, wenn man ihn nur ordentlich antreibt. Wir trieben ein wenig, aber wir behielten auch den Benzinverbrauch im Auge: Selbst bei defensivster und bravster Fahrweise kamen wir nicht unter zehn Liter, schade. Und es geht natürlich viel wilder, wenn man entsprechend in die Pedale tritt.

Natürlich reizt ein Wagen mit diesem Potenzial zu einer sportlichen Fahrweise, der S4 liegt ja prächtig auf der Straße, der permanente Allradantrieb vermittelt ein Gefühl der Sicherheit, da können wir uns in der Kurve schon ordentlich rauslegen. Überraschend ist aber auch, wie unspektakulär, wie selbstverständlich und harmlos sich der S4 fahren lässt, wenn man im Drehzahlkeller bleibt. Da wiegen sich die Insassen schon in Sicherheit, kuscheln sich in die Sitze, hängen verträumt ihren Gedanken nach, ein einziges Mal Zurückschalten: quietsch, kreisch.

Vernünftig ist so ein Auto natürlich nicht, da sprechen schon die Stopps an den Tankstellen dagegen, Spaß macht es allemal, und eine Zielgruppe dafür gibt es auch. Und schließlich ist Audi seinem Image als sportliche Marke genau auch solche Modelle schuldig.

Sportlich waren auch wir, mit und ohne Auto, in Friaul. Immerhin waren wir jetzt mit Rädern ausgerüstet. Aber auf einem Hügel beheimatet. Von unten gesehen: ein Berg. Ein Gipfel. Von jemandem, der sich nicht Extremsportler nennt, praktisch nicht bezwingbar. Hinunterfahren: Super und lustig, superlustig. Hinauffahren? Nabittedanke!

Talstation und Bergwertung

Also muss der Audi her. Er wird quasi als Talstation am Fuße des Hügels postiert, dann kann man wunderbar durch die Ebenen des Friauls radeln. Und am Ende des Tales, wo das Slowenische anfängt und wieder an Höhe gewinnt, wartet noch eine Trattoria, ein Wirtshaus. Im Schankraum, da steht ein langer Tisch, keine Festtafel, hier setzt man sich zusammen, ob man sich jetzt kennt oder nicht. Wir jausnen mit neuen Freunden, dann geht's wieder zurück, und der Popo tut schon sehr weh, die Wadeln werden wir erst morgen spüren, aber jetzt wartet ja der Audi auf uns, damit uns das Schlimmste erspart bleibt, die Bergwertung.

Zwei Räder passen hinten locker hinein, und damit nichts kaputt oder schmutzig wird, empfiehlt sich die "Wendematte im Gepäckraum", die sich auch ausbreiten lässt, ein Extra um 146 Euro. Das "Schienensystem mit Fixierset", das im Kofferraum für Ordnung sorgen würde, haben wir vorher ausgebaut. Diese 255 Euro sind eine hinterfragenswerte Investition. Aber jetzt drücken wir den Knopf, damit die Heckklappe automatisch zugeht, für heute haben wir genug Bewegung gemacht. (Michael Völker/DER STANDARD/Automobil/7.8.2009)

  • Bei aller Rasanz: Der S4 Avant bleibt ein Kombi, Audi setzt auf Funktionalität auch in der Bedienung.
    foto: fischer

    Bei aller Rasanz: Der S4 Avant bleibt ein Kombi, Audi setzt auf Funktionalität auch in der Bedienung.

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  • An der Schürze der S4 erkennt man schon recht deutlich, dass hier nicht
ein normaler Kombi seines Weges kommt, sondern dass Audi hier der
raschen Fortbewegung die Gasse bereitet hat.
    foto: fischer

    An der Schürze der S4 erkennt man schon recht deutlich, dass hier nicht ein normaler Kombi seines Weges kommt, sondern dass Audi hier der raschen Fortbewegung die Gasse bereitet hat.

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    grafik: der standard

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    Audi

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