In Österreich nun auch Heimtherapie möglich

7. August 2009, 13:19
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Neue Behandlungsstrategie beschlossen - Patienten sollen zuhause in Quarantäne bleiben

Wien - Die österreichischen Gesundheitsbehörden stellen ihre Strategie zur Bekämpfung der Schweinegrippe um. Ab Montagfrüh gilt statt dem bisherigen "Containment" (Eindämmung, Übers.) der Grundsatz der "Mitigation" (Schadensminderung, Übers.). Das bedeutet, dass Betroffene der neuen A(H1N1)-Influenza auch zu Hause behandelt werden können, es muss keine strikte Einlieferung in eine Klinik mehr erfolgen.

Die Patienten sollen eine Woche lang in Heimquarantäne bleiben. Die Behandlung erfolgt wie bisher auch mit den antiviralen Medikamenten (Oseltamivir/"Tamiflu" oder Zanamivir/"Relenza"). Risikopersonen (Schwangere oder chronisch Kranke) sollen mit Influenza weiterhin ins Spital kommen und dort zumindest zwei Tage bleiben. Das teilte Gesundheitsminister Alois Stöger am Freitag in einer Aussendung mit. "Aufgrund der Erkenntnisse durch eine intensive Beobachtung der Krankheitsverläufe und der Verbreitung des Virus in Österreich sowie auf Basis der internationalen Erfahrungswerte wird das heimische Versorgungssystem umgestellt. Jene Personen, die keiner Risikogruppe angehören, sollen hinkünftig nach einer ersten medizinischen Diagnostik nicht mehr im Krankenhaus behandelt werden, sondern im Regelfall eine Woche zu Hause bleiben", hieß es in der Aussendung des Gesundheitsministeriums.

Zwei Tage Spital für Risikogruppen

Bei Angehörigen von Risikogruppen - wie etwa chronisch Kranke oder Schwangere - empfehle das Ministerium zwei Tage Spitalsaufenthalt und die weitere Behandlung daheim, sofern keine Komplikationen auftreten. Die Letztentscheidung obliege - wie schon bisher - in jedem Einzelfall der behandelnden Ärztin bzw. dem behandelnden Arzt.

Dieser Wechsel von der "Containment"- zur "Mitigation"-Strategie wurde bereits in zahlreichen europäischen Ländern vollzogen und nun auch vom Expertenstab des Gesundheitsministeriums empfohlen. "Beim 'Containment' wird jeder Einzelfall beobachtet, isoliert und im Labor getestet, um eine Verbreitung möglichst zu stoppen. 'Mitigation' bedeutet, Einzel-Labortests zu reduzieren und das Umfeld großflächiger in die Behandlung miteinzubeziehen. Die bisherige Erfahrung mit der Neuen Grippe zeigte einerseits, dass sich das Virus sehr rasch von Mensch zu Mensch überträgt, der Krankheitsverlauf in den allermeisten Fällen jedoch ein sehr milder war", stellte das Ministerium fest.

Info-Material

Um die neue Strategie umzusetzen, werden weitere Informationsmaterialien für die Angehörigen des Gesundheitswesens und die breite Bevölkerung herausgegeben. Alle Patientinnen und Patienten bzw. deren Angehörige werden vom behandelnden Arzt mit Merkblättern des Gesundheitsministeriums versorgt, sofern sie in "Heimquarantäne" entlassen wurden. Diese Merkblätter enthalten alle Informationen zur Erkrankung, zu möglichen Komplikationen, zu Übertragungswegen und Empfehlungen zum weiteren Umgang.

Das Ministerium: "Die Behandlung der Neuen Grippe in den eigenen vier Wänden unterscheidet sich nicht von der einer saisonalen Grippe. So ist der Kontakt mit weiteren Personen auf ein Minimum einzuschränken. Minister Stöger appelliert an die Patienten, aus Rücksicht auf die Mitbürger ein verantwortungsbewusstes Verhalten an den Tag zu legen. Ebenso sei es ratsam, erinnert der Gesundheitsminister, dass der täglichen Händehygiene eine besonders wichtige Rolle zukommt. Mehrmaliges Händewaschen pro Tag sei die effizienteste Maßnahme, die Weiterverbreitung der Neuen Grippe einzudämmen."

192 positive Fälle in Österreich

Die Zahl der positiven Fälle in Österreich liegt gegenwärtig bei 192. In den vergangenen Wochen stieg die Zahl der Infektionen stetig an, wenngleich die Gesamtzahl der Fälle in Österreich im internationalen Vergleich als niedrig zu bewerten ist. Von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen, handelte es sich um Übertragungen in anderen Ländern. Die Verbreitung in Österreich konnte bis dato hintangehalten werden. Es muss jedoch davon ausgegangen werden, dass die Zahl der Neuinfektionen im Herbst witterungsbedingt stark steigen wird. (APA)

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