Taliban-Führer Mehsud als Pakistans Staatsfeind Nummer Eins

8. August 2009, 21:12
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Islamabad sieht Mörder von Ex-Regierungschefin Bhutto in ihm - USA bekämpfte Mehsud wegen Angriffen auf Truppen

Baitullah Mehsud, Staatsfeind Nummer eins in Pakistan und aus der Sicht der USA ein höchst gefährlicher Terrorist, zeigte sich nicht gerne den Medien. Auf den wenigen Fotos, die von ihm existieren, erkennt man sein Gesicht nicht oder nur schlecht. Trotzdem hatte ihn das US-Magazin "Time" auf die Liste der 100 einflussreichsten Persönlichkeiten gesetzt. Einige Terrorexperten halten ihn sogar für den gefährlichsten Terroristen der Gegenwart. Nun ist er wohl durch einen US-Angriff an der Grenze zu Afghanistan getötet worden.

Die pakistanische Regierung hat ein Kopfgeld von 600.000 Dollar (rund 410.000 Euro) auf Mehsud ausgesetzt, die US-Regierung versprach gar fünf Millionen Dollar (rund 3,5 Mio. Euro) Belohnung nur für Hinweise, die zu seiner Ergreifung führen. Mehsud, der schätzungsweise 35 Jahre alt war, führte die Taliban-Bewegung Pakistans an. Über 20.000 bis 30.000 Kämpfer soll der Gründer der Tehrik-e-Taliban Pakistan (TTP), der Taliban-Bewegung Pakistans, verfügt haben. Sie verübten zahlreiche Anschläge in Pakistan, unter anderem einen Sprengstoffanschlag auf das Mariott-Hotel in Islamabad im Herbst vergangenen Jahres, bei dem mehr als 50 Menschen - darunter mehrere Ausländer - ums Leben kamen.

Hauptverdächtigerfür Maord an Bhutto

Mehsud gilt außerdem als Hauptverdächtiger für den Mord an der pakistanischen Ex-Premierministerin Benazir Bhutto, die im Dezember 2007 nach einer Wahlkampfkundgebung bei einem Selbstmordanschlag getötet wurde. Der Taliban-Führer bestritt jedoch eine Verwicklung in das Attentat, für das bis heute niemand zur Rechenschaft gezogen wurde.

Die USA warfen Mehsud vor allem vor, mit seinen Leuten auch jenseits der Grenze in Afghanistan Angriffe auf US-Truppen ausgeführt zu haben. Die Bergregion an der afghanisch-pakistanischen Grenze gilt als Hauptrückzugsgebiet der Taliban und auch der Al-Kaida-Spitze. Der TTP-Chef soll gute Verbindungen zum Terrornetzwerk unterhalten und naturgemäß sehr gute Beziehungen zum Anführer der afghanischen Taliban, Mullah Omar gehabt haben. Süd-Waziristan, wo er starb, wurde teils von seinen Extremisten kontrolliert.

Geboren wurde Mehsud 1972 oder 1974 in Bannu in der Grenzregion Pakistans zu Afghanistan. Der nur sehr rudimentär ausgebildete Mehsud besuchte bis zu seinem zwölften Lebensjahr eine religiöse Schule und arbeitet als Turnlehrer und Lastwagenfahrer. Sein Aufstieg begann, als sich vor zwei Jahren 20 Extremistengruppen aus dem Nordwesten Pakistans zusammenschlossen, um die gemeinsame Bewegung Tehrik-e-Taliban Pakistan (TTP) zu gründen. Die zuvor zum Teil rivalisierenden Terrorgruppen waren damit geeint und erhoben Baitullah Mehsud zu ihrem Anführer. Die neugegründete Dachorganisation militanter Gruppen verfolgte eine strenge Auslegung der Scharia, des islamischen Rechts, und verboten Musik und das Schneiden der Bärte, immer wieder wurden außerdem Mädchenschulen und Videoläden angezündet.

Friedensabkommen im Swat-Tal

Der Einfluss der Taliban in der Region wurde so groß, dass sich die pakistanische Regierung im Februar dieses Jahres zu einem Friedensabkommen im nordwestpakistanischen Swat-Tal gezwungen sah. Das umstrittene Abkommen, das den Aufständischen die Kontrolle über das Tal überließ, scheiterte bereits zwei Monate später, als Taliban-Kämpfer in Nachbarregionen des Swat-Tals vordrangen. Die Regierung reagierte mit einer Großoffensive. Die Kämpfe trieben rund zwei Millionen Menschen in die Flucht. Der pakistanische Regierungschef Yousaf Raza Gillani verkündete Mitte Juli, die Taliban seien besiegt. Dennoch wurden wiederholt tödliche Scharmützel gemeldet. Beobachter befürchten daher, dass die Taliban sich nur vorübergehend in die Berge zurückgezogen haben, um sich dort neu zu formieren.

Mehsud, der zum zweiten Mal verheiratet war und dessen Frau und Schwager ebenfalls bei dem US-Angriff starben, war offenbar schwer krank. Der Taliban-Führer litt an Diabetes, hatte schwache Nieren und benötigte ständig einen Arzt an seiner Seite. (APA, Reuters)

  • Eines der wenigen Fotos von Baitullah Mehsud (li) aus  dem Mai 2008.

    Eines der wenigen Fotos von Baitullah Mehsud (li) aus  dem Mai 2008.

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