Noch immer: Haus-Frauen und Karriere-Männer

7. August 2009, 12:44
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Fixierte Geschlechterrollen: In Österreich hält sich das traditi­o­nelle Rollenverständnis hartnäckig

Linz - Die Vorstellungen, wer von Mann und Frau Karriere machen oder den Haushalt und die Kindererziehung übernehmen soll, haben sich innerhalb der vergangenen 14 Jahre in Österreich kaum verändert. Die Rollen der Haus-Frauen bzw. der Karriere-Männer sind fixiert: Selbst wenn die Frau mehr verdient, soll sie sich um Haushalt und Kinder kümmern müssen und nicht der Mann. Das geht aus einer am Freitag veröffentlichten Studie des Linzer Meinungsforschungsinstituts "Spectra" hervor.

Festgefahren

Nur 33 Prozent der 1.005 im Juni repräsentativ für die Bevölkerung ab 15 Jahren befragten Personen finden, dass der Mann - wenn die Frau besser verdient - zu Hause bleiben sollte. Dieses Ergebnis hat sich im Lauf der Jahre kaum verändert: 2001 waren es ebenfalls 33 Prozent, 1995 lag der Wert bei 30 Prozent. Die Meinung der Männer scheint festgefahren: Alle drei Erhebungen kamen auf 27 Prozent. Bei den Frauen lag die Zustimmung, den Mann für Küche und Kinder verantwortlich zu machen, 2001 bei 38 Prozent nach 32 Prozent im Jahr 1995. Heuer liegt sie hingegen nur mehr bei 36 Prozent. Obendrein haben sich bei der Umfrage auch 33 Prozent der ÖsterreicherInnen dafür ausgesprochen, dass die Frau zu Hause bleibt, obwohl sie mehr verdient.

Die Meinung, der Mann solle zu Hause bleiben, während die Frau der Karriere nachgeht, hat bei den berufstätigen Frauen nach 1995 zunächst um acht Prozentpunkte zu- und nach 2001 um neun Prozentpunkte auf aktuell 35 Prozent abgenommen. Eine Begründung für diese Entwicklung liefern die MeinungsforscherInnen nicht.

Weibliche Berufstätigkeit

Grundsätzlich befürworten 72 Prozent der Befragten die zunehmende weibliche Berufstätigkeit. Das ist ein Plus von vier Prozentpunkten im Vergleich zu 2001. 1995 waren es 61 Prozent. Wenig überraschend begrüßen vor allem Frauen diese Entwicklung (78 Prozent), die Männer sprechen sich zu 65 Prozent dafür aus.

Mittlerweile gibt mehr als ein Drittel der Befragten an, bereits Erfahrung mit einer weiblichen Führungskraft gemacht zu haben. Vor allem Frauen hatten schon viel mit Chefinnen zu tun: Jede zweite Österreicherin (49 Prozent) konnte sich bereits von den Qualitäten einer Frau überzeugen, hingegen nur 21 Prozent der Männer.

73 Prozent der ÖsterreicherInnen sind der Ansicht, dass Frauen in leitenden Positionen ebenso gut abschneiden wie männliche Vorgesetzte. Frauen stimmen dem zu 82 Prozent zu, Männer nur zu 64 Prozent. 2001 waren 71 Prozent der Bevölkerung dieser Ansicht, 1995 waren es 67 Prozent. (APA)

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    Grundsätzlich befürworten 72 Prozent der Befragten die zunehmende weibliche Berufstätigkeit.

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