Neues HIV-Medikament wirkt besser

7. August 2009, 12:21
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Raltegravir wirksamer und verträglicher als bisherige Mittel - In USA auch für Patienten ohne resistente Erreger zugelassen

London - Der recht neue HIV-Wirkstoff Raltegravir hilft nicht nur jenen Patienten, deren Viren gegen andere Medikamente resistent sind. In einer großen Studie war das Medikament auch bei anderen Infizierten im Vergleich zur bisherigen Standardtherapie sowohl wirksamer als auch besser verträglich.

Raltegravir hemmt das Virusenzym Integrase, mit dem der HIV-Erreger sein Erbmaterial in die Wirtszelle einschleust. Bisher war die Substanz nur für Patienten zugelassen, deren Viren gegen andere Mittel resistent sind. Nun wurde das Mittel erstmals in einer großen Studie bei normalen Patienten mit dem Standardmittel Efavirenz verglichen. Bei Wirkstoffe wurden, wie bei der antiviralen Therapie üblich, mit zwei anderen Medikamenten kombiniert.

Ziel war es, die Zahl der Viruskopien pro Milliliter Blut, die bei den Teilnehmern anfangs über 5.000 lag, binnen 48 Wochen unter 50 zu drücken. Mit Raltegravir gelang dies 86 Prozent der Patienten, mit Efavirenz lag die Erfolgsrate bei 82 Prozent. Zusätzlich erreichten die mit Raltegravir behandelten Patienten den niedrigen Schwellenwert deutlich schneller.

Hohe Verträglichkeit

Das Präparat erwies sich zudem als wesentlich besser verträglich. 44 Prozent der Raltegravir-Patienten hatten Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Schwindel oder hohe Cholesterinwerte, im Vergleich zu 77 Prozent der herkömmlich behandelten Teilnehmer. Die bessere Verträglichkeit dürfte vor allem schwangeren Frauen zugutekommen, denn Efavirenz steht zudem im Verdacht, das ungeborene Leben zu schädigen.

Allerdings birgt die neue Substanz einen Nachteil: Efavirenz ist mit den beiden anderen Präparaten in einer Tablette kombiniert, die Patienten nur einmal täglich einnehmen müssen. Raltegravir muss dagegen pro Tag zweimal geschluckt werden.

Integrasehemmer beeindruckt

"Raltegravir bietet gegenüber Efavirenz einen Vorteil in Bezug auf Sicherheit und Tolerierbarkeit", schreiben die Forscher unter Leitung von Jeffrey Lennox von der Emory Universität in Atlanta im Fachblatt "The Lancet". "Die heutigen Ergebnisse sind sehr ermutigend für die Therapie und Forschung. Raltegravir ist ein beeindruckendes Medikament, und wir hoffen, dass die in der Entwicklung befindlichen anderen Integrasehemmer ähnliche Vorzüge bieten."

Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat bereits auf die Studienresultate reagiert: Sie ließ noch im Juli Raltegravir auch für jene Patienten zu, deren Erreger nicht gegen andere Präparate resistent sind. (APA)

 

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