Gibt es den mündigen Patienten?

8. August 2009, 07:50
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Harding Zenrum für Risikokompetenz präsentiert europaweite Studie zum Verständnis der Krebsfrüherkennung

Das Harding-Zentrum für Risikokompetenz am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin hat in Zusam­menarbeit mit der Gesellschaft für Konsum­for­schung (GfK-Nürn­berg) mehr als 10.000 Bürger aus neun europäischen Ländern interviewt. Die For­scher wollten heraus­­fin­den, wie informiert die Menschen wirklich sind, wenn sie über Fragen zur Krebsfrüh­er­kennung ent­scheiden. Die Studie zeigt nicht zuletzt, wie es um das Wissen der Deutschen zu die­sem wich­tigen The­ma bestellt ist und wie sich ihre Kompetenz im interna­tio­nalen Vergleich ausnimmt.

Ob Politiker, Patientenorganisationen oder Krankenkassen: Sie alle wünschen sich den Bürger als mündigen Patienten. Das Bundesministerium für Gesundheit hat die Stärkung der Patientensou­veränität gar zum „natio­nalen Gesundheitsziel" erklärt. Aber werden Patienten wirklich in die Lage versetzt, souverän zu ent­scheiden? Sorgen die Informationsangebote von Ärzten, Apothekern, Verbraucher­verbänden und Medien tatsächlich für Trans­parenz in Gesundheitsfragen?

Internationaler Vergleich

Die Wissenschaftler haben Interviews durchgeführt zu zwei der wichtigsten Früherkennungsuntersuchungen, der Mammografie zur Brustkrebsfrüherkennung und dem PSA-Test für Prostatakrebs. Frauen und Männer wurden um eine Einschätzung gebeten, wie viele Personen weniger an der fraglichen Krebsart sterben aus der Gruppe derjenigen, die sich für eine Früherkennung entschieden haben, im Vergleich zu denen, die sich keinem Screening unterzogen haben. Außer­­dem wurden sie gefragt, aus welchen Quellen sie sich zu diesem Thema informieren. Eine ganze Reihe spannender Fakten fördert die Studie gerade in Bezug auf die Deutschen zu Tage: Wie realistisch sind ihre Einschätzungen des Nutzens der Früherkennung im Vergleich zu denen der Österreicher, Fran­zosen, Spa­nier oder Russen? Wie hilfreich sind die Auskünfte von deutschen Ärzten und Apothekern im internationalen Vergleich?

Wie wichtig es ist, die Vor- und Nachteile dieser und anderer Untersuchungen genau zu kennen, betont Gerd Gigeren­zer, Direktor des Harding Zentrums für Risikokompetenz: „Krebsfrüherkennung kann nicht nur einen Nutzen haben, sie birgt auch erhebliche Risiken - etwa in Form von Strahlenschäden oder unnötigerweise durchgeführten Operationen. Daher ist es notwendig, dass Patienten beides, Nutzen und Risiken, realistisch einzuschätzen vermögen. Nur dann können sie mündig Entscheidungen darüber treffen, ob sie an einer Früherkennung teilnehmen möchten. Dass Bürger gut informiert sind, wenn sie Entscheidungen treffen, ist ein Ideal unserer modernen Demokratien. Dies im Gesundheitswesen zu befördern, ist eines der wichtigsten Ziele von Bildung." (red)

Am 11. August 2009 um 9.30 Uhr werden die Ergebnisse der Studie im Rahmen einer Pressekonferenz erstmals veröffentlicht.

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