Polizei fahndet nach drittem Einbrecher

7. August 2009, 15:26
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Es wurden drei Schüsse abgefeuert - Freitagabend sollen erstmals die beiden beteiligten Polizisten befragt werden

Im Zusammenhang mit dem nächtlichen Einbruch in einen Merkur-Markt in Krems, der am Mittwoch mit dem Tod eines 14-Jährigen und einem beidseitigen Oberschenkeldurchschuss für einen 16-Jährigen geendet hat, laufen Ermittlungen gegen einen weiteren Verdächtigen. Das hat Oberstleutnant Roland Scherscher vom Landespolizeikommando NÖ am Freitag mitgeteilt. Er bestätigte außerdem, dass in dem Supermarkt drei Schüsse abgegeben worden waren.

Die Polizei sei sich sicher, dass es einen weiteren Verdächtigen gebe. Das hätten die Ermittlungen am Tatort ergeben, sagte Scherscher. Der Verdächtige sei demnach mit einem Auto unterwegs gewesen. Definitiv fest stehe, dass die wegen des Einbruchsalarms am Mittwoch in den frühen Morgenstunden zu dem Merkur-Markt gerufenen Kremser Polizeibeamten, eine Frau und ein Mann, drei Schüsse abgegeben hatten, so der Oberstleutnant. Ein Projektil traf den 14-jährigen Florian P. tödlich, durch ein zweites erlitt der noch 16 Jahre alte R. Durchschüsse beider Oberschenkel. Dazu sei "ein höher angelegter" Schuss festgestellt worden.

Einvernahme der Polizisten am Freitagabend

Die Kremser Polizeibeamten, die Schüsse abgefeuert hatten, sollen am Freitagabend erstmals einvernommen werden. Er gehe davon aus, dass das psychisch möglich und daher der Fall sein werde, sagte Oberstleutnant Roland Scherscher vom Landespolizeikommando NÖ zu Mittag. Die Psychologen hätten zugestimmt, dass man mit den Befragungen der Beamten beginnen könne. Der inzwischen auch von den Ermittlern des Landespolizeikommandos OÖ vernommene 16-jährige mutmaßliche Einbrecher, der verletzt im Landesklinikum Krems liegt, habe zum Schusswaffengebrauch "seine Sicht der Dinge" zu Protokoll gegeben, teilte der Staatsanwalt mit.

Scherscher verwies außerdem darauf, dass die Angehörigen des getöteten 14-Jährigen am Freitag neuerlich kontaktiert und eingehend informiert worden seien. Geschehen sei das durch die Kollegen des Landespolizeikommandos OÖ, die auch den Schusswaffengebrauch durch die Kremser Beamten zu erheben haben.

Friedrich Kutschera von der bisher mit dem Akt betrauten Staatsanwaltschaft Krems sagte betreffend der noch nicht erfolgten Befragung der Kremser Beamten zum "Niederösterreich Journal" des ORF-Radios, er habe die Polizisten "nicht dazu zwingen" können.

U-Haft für 16-Jährigen

Über den verletzten 16-Jährigen sei am Donnerstag die U-Haft verhängt worden, weil der Jugendliche einschlägig vorbestraft und erst vor kurzer Zeit aus der Haft entlassen worden sei, sagte Kutschera. Gesundheitlich sei R. "auf dem Weg der Besserung".

Der 16-Jährige ist laut Scherscher am Donnerstagabend von Beamten des Landespolizeikommandos OÖ zum Schusswaffengebrauch durch die Kremser Polizisten befragt worden. Er befand sich weiterhin im Landesklinikum Krems, wo er in der Inquisitenstation untergebracht ist. Sein Zustand sei "stabil", hieß es am Freitag auch seitens der NÖ Landeskliniken-Holding.

Zwischenfall mit Körperverletzung

Scherscher bestätigte einen Vorfall vom Donnerstagnachmittag vor dem Merkur-Markt. Es liege eine Anzeige wegen Körperverletzung vor. Die Vernehmung des Beschuldigten - aus dem Umfeld des getöteten Jugendlichen - werde "wegen der derzeitigen Situation erst später durchgeführt".

Die Mutter von Florian P., ihr Lebensgefährte und der Bruder des Jugendlichen, in der Folge auch der Vater des 14-Jährigen, seien noch in den Nachtstunden am Mittwoch über die Ereignisse in dem Merkur-Markt informiert worden, so Scherscher weiter. Zu Betreuung der Angehörigen habe die Polizei das Akutteam NÖ verständigt. Darüber hinaus sei eine Information über juristische und psychosoziale Prozessbegleitung erfolgt. Die Mutter hatte sich im ORF-Radio Vorwürfe vorgebracht, von den Informationen der Polizei abgeschnitten zu sein. Auch der 19-Jährige Bruder hatte in Interviews Kritik erhoben.

Staatsanwaltschaft Korneuburg erhebt

Die Erhebungen werden seit Freitag von der Staatsanwaltschaft Korneuburg geführt. Das hat das Landespolizeikommando NÖ am GFreitagvormittag mitgeteilt. Die Oberstaatsanwaltschaft (OStA) hatte diesen Schritt zuvor angekündigt.

Da es den Anschein einer möglichen Befangenheit erwecken könne, wenn die Kremser Anklagebehörde gegen in Krems tätige Polizisten ermittle, würden die Erhebungen - wie im Sprengel der OStA Wien mittlerweile üblich - einer anderen Staatsanwaltschaft übertragen, hatte Ilse-Maria Vrabl-Sanda, die Mediensprecherin der OStA, bereits am Mittwoch angekündigt. "Wir haben dafür die Staatsanwaltschaft Korneuburg ins Auge gefasst." Nunmehr ist der entsprechende Beschluss ergangen. (APA)

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    "Es gibt Aussagen, dass es einen Täter mehr geben könnte."

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