Reportage

"Warum so eine Geheimniskrämerei?"

6. August 2009, 21:17

Jugendliche stellen sich am Tatort naheliegende Fragen und misstrauen den Behörden

„All Cops are Bastards" und „Fuck the police" findet sich auf den Zetteln neben dem Eingang zum Kremser Merkur-Markt ebenso wie handgeschriebene Botschaften „Du warst der Beste" oder „Wir werden Dich nie vergessen." Auch um 20 Uhr, zwei Stunden nach dem Beginn der durch eine SMS-Kette organisierten Trauerfeier für den von Polizisten erschossenen 14-jährigen Florian P. stehen dutzende Teenager am Tatort. Wenige Meter weiter, unter dem „E" von Merkur, ist in der Glasfassade ein Einschussloch zu sehen.

Die Verbitterung ist groß unter den Kremser Jugendlichen. Und den Erwachsenen. Die Mutter eines Klassenkollegen des Opfers steht in der Gruppe und macht ihrem Entsetzen über den Einsatz Luft. „Wieso mussten die schießen?", fragt sie. „Ich glaube, die haben geglaubt, es ist eine Einbrecherbande aus dem Osten und haben sich dabei nichts gedacht", vermutet sie.

Florian habe sie gekannt, seit er auf die Welt gekommen sei. „Ich habe bis 2005 im selben Viertel gewohnt, er war ein hochintelligenter Junge." Ob es Probleme gegeben habe, er schon einmal auffällig geworden sei. „Na ja, die Lehrer haben ihm immer für alles die Schuld gegeben, auch wenn er es gar nicht war", sagt ein Mädchen. „Er ist im Vorjahr suspendiert worden, aber das spielt ja keine Rolle. Was er gemacht hat, waren Lausbubenstreiche", meint die Mutter des Klassenkollegen.

Thomas, ein Teenager aus dem eine dreiviertel Stunde entfernt liegenden Horn, stellt sich die Fragen, die sich viele stellen: „Eine Polizeipistole hat 17 Schuss. Das ist eine Sache von zehn Minuten, dass ich das Magazin leere und zähle, wie viele Patronen fehlen. Warum wird so eine Geheimniskrämerei betrieben, wie oft geschossen worden ist?", fragt er.

Auch die Darstellung der Polizei, die beiden seien in der Dunkelheit überrascht worden, wird angezweifelt. Durch die Glasfassade sei sicher genug Licht gekommen, um etwas zu erkennen, wird argumentiert. Und die grundsätzliche Frage: „Warum haben sie auf Flüchtende geschossen, nach einem Einbruch?"

Eine Frage, die sich auch der Kremser Markus Gonaus stellt. Der Erwachsene plädiert dafür, Waffen für Streifenpolizisten im Wagen einzusperren, von wo sie nur protokolliert entnommen werden dürfen. Ein Waffengebrauch bei einem Eigentumsdelikt sei ihm unbegreiflich. „Dann lass ich sie halt flüchten, zwei Tage später hab ich sie."

Für Unverständnis sorgt auch die Tatsache, dass der Merkur-Markt schon Mittwochmittag wieder geöffnet hat. „Irgendjemand ist auch herausgekommen und hat gesagt, wir sollen vom Eingang weggehen, weil wir die Kunden behindern", erzählt Thomas. Folgen habe das keine gehabt. „Wenn er darauf bestanden hätte, hätte ich gesagt, dann holen Sie doch die Polizei", meint er sarkastisch. (Michael Möseneder/DER STANDARD, Printausgabe, 7.8.2009)

Kommentar posten
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Audio Video Pirate
31
11.8.2009, 14:12
Schön, dass der Standard den minderjährigen Sympatisanten von Verbrechern eine Plattform bietet.

Da wird vermutet und fremdes Eigentum beschmiert und von einem Opfer gefaselt...
Es handelt sich um einen mehrfach vorbestraften Täter der nicht am zufällig am Spielplatz sondern beim Versuch sich fremdes Eigentum anzueignen als Verbrecher von der Polizei erschossen wurde.

Seltsam nur dass sich niemand nach den Eltern erkundigt und fragt was 14jährige Nachwuchkriminelle um 03:00 in der Nacht auf der Gasse zu suchen haben.

Prof. Alois
 
14
10.8.2009, 21:09
Wieso kann dieses Thema nicht rational abgehandelt werden bei uns? Da wäre einmal zu prüfen, ob die Polizisten taktisch richtig gehandelt haben

Wenn nicht: Dummheit ist nicht strafbar. Dann verstehe ich nicht, dass Polizisten, die - nachträglich beurteilt - einen Fehler gemacht haben, nicht dieselbe grundsätzliche Milde entgegenschlägt, die jedem zusteht, der einen Fehler macht. Selbst wenn der eines anderen Leben kostet. Der Stress, sich in einem Angreifer gegenüber zu sehen und in Sekundenbruchteilen entscheiden zu müssen: Schieße ich oder schieße ich nicht, den gönne ich niemandem. Wenn dann geschossen wurde und es stellt sich heraus, dass der Getötete ein Kind ist: Ich würde niemals wieder unter Menschen gehen wollen. Die Welt wäre voller anklagender Eltern. Menschen, die ich kenne, würden mch fragen... Obwohl ich rechtlich vielleicht nicht einmal etwas falsch gemacht habe.

super Typ
21
11.8.2009, 00:59
Dummheit ist nicht strafbar, Fahrlässigkeit schon.

Ob die Polizisten nur einen entschuldbaren Fehler gemacht haben, oder ob sie fahrlässig gehandelt haben, ist erst noch zu prüfen.

Angelika70
01
12.8.2009, 12:50

Das interessiert hier doch niemanden. Hier wird einfach von Mord gesprochen und alle applaudieren.

PDM
36
10.8.2009, 13:28
Am Thema vorbei..

leider schrammen all diese moralinsauren oder pseudojuristischen Blogs an der wirklich bedenklichen situation vorbei! Fast bei all diesen "Polizei"- übergriffen ob in NÖ oder in Wien mit dem verprügelten afroamerikanischen Lehrer fällt auf, dass seitens Exekutive & Politik zuerst mal reflexhaft die jeweiligen Beteiligten Beamten "frei"-gesprochen werden, dann unendlich lange Aufklärungsphasen eingeleitet werden (= Gras drüber wachsen lassen) und dann nix mehr davon gehört wird! Das exakt ist für mich das eigentlich erschreckende nämlich der Zerfall der Rechtsstaatlichkeit und das Vertrauen in eine "objektive" Justiz sowie eine Exektuvie mit Mass & Ziel wo Abweichungen auch SOFORT aufgeklärt werden! Schaurige Vision eines Polizeistaates...

Prof. Alois
 
00
12.8.2009, 21:39
Da fehlt der Episode größter Teil

Der erste Reflex ist Verurteilung der Polizisten - das sind ja auch Menschen, die Opfer von Verleumdung werden k önnen. Die werden einmal von einem Teil der Medien niedergemacht. Und von einem anderen Teil verteidigt. Ein abwartender, rationaler Zugang zu den Dingen wird hierzulande nicht gepflegt. Da ist alles Yellow Press (in diesem Fall mit einer einzigen wohltuenden Ausnahme: Michael Prüller in der Zeitung Die Presse).
Am Ende ist alles an Meinung und Fakten derart vermanscht, dass alle, die von Haus aus Vorurteile hatten, dieselben am Ende noch stärker ausgebildet haben.
Es ist wie Shakespeare am Theater: Am Ende gehen alle glücklich nach hause. Denn es war für jeden was dabei.

_ PATRIOT _
12
11.8.2009, 08:58

Das Opfer reflexhaft freizusprechen ist natürlich viel sinnvoller.

http://www.oe24.at/oesterrei... 511233.ece

PDM
01
11.8.2009, 11:31
Opfer - Täter?!

Darum geht es nicht das "Opfer" freizusprechen sondern eine "objektive" (soweit möglich) Haltung seitens der Staats"gewalt" einzunehmen und dies entsprechen in der Öffentlichkeit zu kommunizieren! Und nicht solche Sager wie im Falle des verprügelten Amerikaners: "...der wird sich schon entsprechend verhalten haben.." also quasi "selbst schuld". Die Frage ist doch die Verhältnissmässigkeit der angewendeten Mittel, die folgende Untersuchung und gegebenenfalls ein Verfahren und nicht: "Ich stehe hinter meinen Beamten" pauschal von sich zu geben ohne diese Schritte vorher zu machen, oder? Als Bürger erwarte ich mir die Absenz von behördlicher Willkür oder wirkt Metternich immer noch so nach hierzulande?!

Prof. Alois
 
01
10.8.2009, 20:54
Das ist halt bei uns so

Schuldig ist man erst, wenn es ein Richter so verkündet hat.
Wollen Sie das ändern? Und wenn ja, in was?

cwebb1977
00
10.8.2009, 18:34

Und hier im Forum passiert das genaue gegenteil und alles egal die Justiz wird sich schon drum kümmern.

www.Fehlurteil.at
11
10.8.2009, 16:00
leider keine Vision,

er ist bereits Realität. Und das nicht erst seit der Tötung eines 14-jährigen. Todesschuß oder vorsätzliche Existenzvernichtung, um Unfähigkeit bei Ermittlungen zu kaschieren - die Kremser haben so einiges los.

FerdlGriesgram
01
10.8.2009, 17:59

Das macht den Satz von Anton Kuh aus den 1920er Jahren durchaus wieder zitierbar:

"Lieber in Berlin unter Wiener [leben], als in Wien unter Kremsern."

Ignaz J. Reilly, CCO, Hosen-Levy
24
10.8.2009, 07:55

"... Die Mutter eines Klassenkollegen ... „Wieso mussten die schießen?", fragt sie. „Ich glaube, die haben geglaubt, es ist eine Einbrecherbande aus dem Osten und haben sich dabei nichts gedacht", vermutet sie. ..."

Unfassbar!!!

gk76
32
10.8.2009, 08:51
Ja, unfassbar

wie nahe sie mit dieser Vermutung an die Realität herankam.

el gomero
2010
Wer psychisch derart labil ist, dass er nach 1 Schuss 3 Tage nicht reden kann, ist als Polizist ungeeignet

Er sollte aus dem Polizeidienst entlassen werden, denn er ist eine Gefahr für sich selbst und seine Umwelt.

In diesem Beruf ist ein Minimum an psychischer Belastbarkeit eine Grundvoraussetzung.

Angelika70
00
12.8.2009, 12:51

Er oder sie. Ob der Mann od. die Frau geschossen hat, ist noch nicht klar.

Glauben sie wirklich, es ist lustig, so einen Unfall zu verursachen, wenn man zuhause zB mit dem Opfer gleichaltrige Kinder hat?

Lottofreak
00
10.8.2009, 22:48
Das ist die typisch österr.Mentalität

Unfähigkeit zu kaschieren -
alles in die Länge zu ziehen und schließlich kommt nichts dabei heraus-
hier in Deutschland wird sofort eruiert- klar die Polizisten bekommen erstmal psychol.Hilfe
aber sie werden auch sofort befragt was passiert ist -
was sich da an Show-Theater abspielt in Krems
ist wirklich ein Schlag ins Gesicht des Rechtsstaats
aber der verschwindet eh wie Balkansee
in Österreich
L.A. lässt grüssen

Paolo64
54
10.8.2009, 10:12
vermutlich hatten sie schon mehrere...

... für Sie unerfreuliche Begegnungen mit der Polizei oder Justiz gehabt sonst würden sie nicht so voller Hass in unzähligen Postings gegen die Polizei wettern.
Noch mal... es reicht wenn sie das einige male tun aber nicht ständig - und - halten Sie sich an Gesetze dann haben auch sie nichts zu befürchten.

mike sierra
36
10.8.2009, 13:41

Auch Polizisten müssen sich an die Gesetze halten, sonst spricht man von Polizeistaat. Aber auch für Polizisten gilt die Unschuldsvermutung.

Was allerdings sehr komisch ist: Dass die erste Vernehmung der beteiligten Polizisten/Polizistinerst 3 (!) Tage nach dem Vorfall stattfindet. Nicht vernehmungsfähig weil psychisch geschockt klingt wie eine furchtbar blöde Ausrede.

Chien de Pique
02
11.8.2009, 17:38
Und warum sollte das nicht stimmen? Leute, die es Traumatisierten sonst selbstverständlich zugestehen würden, sich auch nach Monaten

nicht an ihren Namen, ihre Fluchtroute, die Fluchtgründe oder ihr Geburtsdatum erinnern zu können, können es sich hier auf einmal beim besten Willen nicht vorstellen, dass jemand, der bislang vielleicht höchstens mit Wirtshausraufereien und prügelnden Ehemännern konfrontiert war, in Panik, Überforderung und Stress und tatsächlicher oder vermeintlicher Todesangst unglücklicherweise sinnlos ein Kind erschossen hat, dabei vielleicht NICHT das flexible Gewissen eines Gewohnheitsverbrechers genießt, jetzt möglicherweise vor den Scherben der Karriere und seines Lebens und demnächst vor dem Strafrichter steht, tatsächlich vollkommen außer sich ist und in den 48-72 Stunden nach dem Vorfall keinen sinnvollen Satz zu den Ereignissen herausbringt?

Georges Duroy
14
10.8.2009, 03:16

WIE wollens denn das testen?

Wollens den Polizeischülern Leute zum erschiessen überlassen und nur noch die einstellen welche ohne mit der Wimper zu zucken jeden liquidieren?

Der_Grüne_Mittelfinger
154

Ein Waffengebrauch bei einem Eigentumsdelikt sei ihm unbegreiflich. „Dann lass ich sie halt flüchten, zwei Tage später hab ich sie."

Das spricht einem doch aus dem Herzen!

diephysikerin
11
10.8.2009, 16:39
was, wenn sie auf der flucht in panik eine geisel nehmen?

kommt dann nicht sofort der vorwurf "warum habts denn nicht geschossen, wenn die so gefährlich sind?!"

Kurt Weindling
01
11.8.2009, 08:57

deshalb lieber gleich erschießen, wer weiß was die sonst noch alles anstellen in panik.

und die polizisten lieber gleich entlassen, wer weiß wie lang die noch berufsunfähig sind...

RS69
 
01
11.8.2009, 00:06

Was, wenn ein Autoraser einen tödlichen Unfall verursacht?

kommt dann nicht sofort der vorwurf "warum habts denn nicht geschossen, wenn die so gefährlich sind?!"

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