Geruch nach Revanchefoul

6. August 2009, 19:29
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Wie also den schalen Beigeschmack bei der Aufklärung beseitigen?

Mit einer schlechteren Optik kann man Ermittlungen kaum beginnen: Der schwerverletzte 16-Jährige, mutmaßlicher Einbrecher in einen Kremser Supermarkt, wird gleich zweimal am Krankenbett verhört und dann verhaftet. Zwei Exekutivbeamte, die tödliche Schüsse abgegeben haben, werden in derselben Zeit kein einziges Mal befragt. Weil sie noch unter Schock stünden, so die Begründung. Hautgout, irgendwie?

Noch wissen wir nicht, was sich am dunklen Tatort ereignet hat. Sind die Polizisten völlig sorglos hineinspaziert? Gab es ein Gerangel, eine Attacke gar? Rannten die Burschen einfach weg? Fest steht nämlich mittlerweile, dass der 14-Jährige an Schüssen in den Rücken starb.

Was doch sehr seltsam ist. Innerhalb eines guten Jahres werden in Niederösterreich drei Verdächtige von Polizisten erschossen. Zwei in den Rücken, einer seitlich von hinten. Was bedeutet, dass der Angriff bereits vorbei war. Und da muss man sich schon die Frage stellen, ob das nicht nach Revanchefoul riecht - auf nicht identifizierte Flüchtige zu feuern, die wohl nur Eigentumsdelikte begangen haben.

Wie also den schalen Beigeschmack bei der Aufklärung beseitigen? Wieso nicht internationale Kooperation? Bei der EURO kamen deutsche Polizisten mit Exekutivbefugnissen nach Österreich. Da sollte es kein Problem sein, bei den äußerst seltenen Tötungsdelikten die externen Ermittler einzuladen, die möglicherweise eher an rascher Aufklärung als an der Schonung geschockter Kollegen interessiert sind. (Michael Möseneder, DER STANDARD Printausgabe, 07.08.2009)

 

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