Handel schiebt Einbrechern teure Riegel vor

6. August 2009, 19:21
4 Postings

Diebstahl bringt Händler um 1,5 Prozent des Umsatzes

Zwölfmal haben Einbrecher in den vergangenen zehn Jahren seine sechs Läden heimgesucht, sagt Norbert Giarolli. Der Chef des Wiener Optikers Pillwein erzählt von einem Schaden von 1,1 Millionen Euro in nur fünf Jahren und davon, dass er genug habe von den Scherereien. Vier Filialen habe er deswegen zugesperrt. Durch ei- ne Versicherung war nur die Hälfte des Schadens gedeckt. Nur zwei Einbrüche wurden aufgeklärt, die Ware wurde nie rückerstattet.

Der Einzelhandel sieht sich zunehmend mit Einbruchsdiebstahl konfrontiert, die Zahl professioneller Bandendelikte steigt, belegt die Kriminalstatistik. Die Betriebe gehen dagegen mit einer Maschinerie an Sicherheitsvorkehrungen vor - von findigen Alarmsystemen über Wärme- und Glasbruchsensoren bis zu Nebelanlagen. Der finanzielle Aufwand ist meist enorm, öffentlich thematisiert wird das alles ungern. Die Debatte darüber ziehe nur Nachahmer an, so der Tenor.

Lebensmittelhändler sind für gewaltsame Einbrüche generell nicht die erste Adresse. Ladendiebe gehen dennoch ein und aus, vielfach mit Spirituosen, Kosmetik, Kondomen und teureren Lebensmitteln.

Die Wirtschaftskammer beziffert den anfallenden Schaden mit rund 1,5 Prozent des Handelsumsatzes. Kunden, Mitarbeiter und Lieferanten seien dafür zu je einem Drittel verantwortlich. Die Bereitschaft zu einer Anzeigenerstattung wächst, sagt Experte Roman Seeliger. Dass Langfinger in Krisenzeiten Hochkonjunktur haben, bezweifelt er jedoch. Der Anteil jener, die aus finanzieller Not heraus zu Dieben werden, falle kaum ins Gewicht.

Wenn der Handel einmal mehr als ein Prozent des Umsatzes wettmachen müsse, tue das weh, meint Stephan Mayer-Heinisch, der Präsident des Handelsverbands. Diebstahl sei dennoch kein flächendeckendes Phänomen, es hänge stark von Branche und Standort ab. Die Betriebe wüssten sich mittlerweile gut zu wehren, auch ohne den Eindruck einer Festung zu vermitteln. (Verena Kainrath, DER STANDARD Printausgabe, 07.08.2009)

 

Share if you care.