Nur die Garde marschiert

6. August 2009, 19:08
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Die Vorgehensweise der Mörder erinnert an die Methoden des Ku-Klux-Klan

Es ist eine in ganz Europa beispiellose Mordserie: Seit rund einem Jahr verüben bisher unbekannte Täter gezielte Anschläge gegen ungarische Roma. Sie zünden ihre Häuser mit Molotow-Cocktails an und erschießen die flüchtenden Menschen. Oder sie verwenden gleich, wie im vergangenen November in Pécs, Handgranaten. Acht Roma starben bisher, dutzende wurden schwer verletzt.

Erschreckend sind aber nicht nur die Morde selbst. Problematisch ist auch die Apathie, mit welcher die ungarische Gesellschaft bisher auf die Mordfälle reagiert hat. So gab es keine großen Solidaritätsbekundungen mit der schockierten Roma-Gemeinde, keinen öffentlichen Protest. Die einzigen, die weiter marschieren, sind die Anhänger der rechtsextremen "Ungarischen Garde". Die bürgerlichen und linken Kräfte sind derart schwach, dass ihnen eine Mobilisierung nicht einmal im Ansatz gelingt. Der über alle Schichten hinwegreichende Hass auf Roma tut sein Übriges.

Selbst dass alle führenden ungarischen Politiker die Mordserie verurteilt haben, hatte wenig Resonanz. Dabei ist hier nicht die Rede von der Tat eines geistesgestörten Einzelnen, der die wehrloseste aller Gesellschaftsgruppen zu seinem Opfer auserkoren hat. Die Vorgehensweise der Mörder erinnert an die Methoden des Ku-Klux-Klan.

Die Apathie hat Folgen: Dass einzelne, ansonsten seriöse Roma-Vertreter von einem "Holocaust" sprechen, zeigt die tiefe Unsicherheit innerhalb ihrer Gemeinschaft. Die Mörder der Roma zu fassen ist oberste Priorität. Das längerfristige Ziel muss es sein, das Gesellschaftsklima zu verändern. (András Szigetvari/DER STANDARD, Printausgabe, 7.8.2009)

 

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