"Obamajority" für eine Welt ohne Atomwaffen

6. August 2009, 18:51
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Zum 64. Jahrestag des ersten Atombombenabwurfs gibt Japan der globalen Friedensbewegung eine neue Parole im Kampf für atomare Abrüstung

Hiroshimas Bürgermeister Tadatoshi Akiba erhob US-Präsident Barack Obama am Donnerstag auf der Gedenkveranstaltung für die Atombombenopfer vom 6. August 1945 zum Symbol der Friedensbewegung. In seiner Rede rief er die Welt auf, sich Obamas atomarer Abrüstungsinitiative anzuschließen.

"Um diesen Punkt zu betonen, bezeichnen wir uns, die große Mehrheit der Welt, als Obamajority, und wir rufen den Rest der Welt auf, sich uns anzuschließen und die Atomwaffen bis 2020 abzuschaffen", rief Akiba vor 50.000 Gästen und Vertretern aus 59 Nationen aus. Dieses Wortspiel vereint den Namen Obama mit "majority", dem englischen Wort für Mehrheit. "Wir haben die Macht. Wir haben die Verantwortung. Und wir sind die Obamajority. Zusammen können wir die Atomwaffen abschaffen." Dann griff Akiba auch noch Obamas Wahlkampfslogan auf: "Yes, we can!"

So prominent wie Akiba hat bisher kaum jemand die Prager Rede Obamas vom April dieses Jahres aufgegriffen, in der der US-Präsident der Welt seinen atomaren Abrüstungsplan präsentiert hatte. Der Grund für Akibas Schwung ist nicht nur die geschichtliche Erfahrung. 140.000 Bewohner der Stadt starben 1945 im atomaren Inferno oder an den Folgen der Strahlung. Zudem sieht sich Japan nach den Atombombentests des unberechenbaren Nordkorea plötzlich wieder ganz konkret von Atomwaffen bedroht.

Nordkoreas Aufstieg zur Atommacht hat daher in ganz Asien die Angst heraufbeschworen, dass sich auch Japan Atomwaffen zulegen und damit ein nukleares Wettrüsten auf dem Kontinent auslösen könnte. Selbst nach Aussage von japanischen Diplomaten könnte Japan binnen weniger Wochen zur Atommacht werden. Das Land verfügt über rund 40 Tonnen Plutonium, eine atomare Wiederaufbereitungsanlage und sowohl über Atom- als auch über geeignete Raketentechniker.

Aso gelobt Abstinenz

Doch Japans Ministerpräsident Taro Aso versuchte diese Befürchtungen in Hiroshima im Keim zu ersticken. "Ich wiederhole am heutigen Tag das Versprechen, dass Japan den drei nicht-nuklearen Prinzipien treu bleibt und die internationale Gemeinschaft anführt, die Abschaffung aller Atomwaffen und ewigen Frieden zu erreichen", gelobte Aso.

Die drei Prinzipien besagen, dass Japan Atomwaffen weder produziert, noch besitzt, noch auf dem eigenen Boden duldet. Sie stellen die Grundlage von Japans Sicherheitspolitik dar. Als Gegenleistung für den Verzicht haben die USA Japan zugesagt, das Land auch atomar zu verteidigen.

Der überraschende Besuch des ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton in Nordkorea am Dienstag und Mittwoch hatte neue Hoffnung geweckt, dass die Verhandlungen über die Abwicklung von Nordkoreas Atomprogramm vielleicht doch noch wiederbelebt werden könnten. In den vergangenen Monaten hatte Nordkorea nicht nur seine Rhetorik verschärft, sondern sowohl Langstreckenraketen als auch zum zweiten Mal nach 2006 eine Atombombe getestet. (Martin Kölling aus Tokio/DER STANDARD, Printausgabe, 7.8.2009)

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    Junge Japaner im Gebet für die 140.000 Opfer des Atombombenabwurfs auf Hiroshima. Drei Tage nach Hiroshima wurde eine weitere Atombombe über Nagasaki gezündet.

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