Marko Arnautovic

6. August 2009, 18:08
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Eine Diva, ein "Häferl", ein Mailänder - Österreichs teuerster Transfer soll pro Saison eine Million Euro verdienen

Es war am 11. Oktober 2008 auf den Faröern. Weshalb diese Inseln jemals entdeckt wurden und warum man dort auch noch Fußball spielen darf, ist dem gemeinen Österreicher ein Rätsel. Es stand an diesem stürmischen Oktobertag in der WM-Qualifikationspartie 1:1, als Marko Arnautovic eingewechselt wurde. Er sollte bei seinem Debüt die Pein abwenden. Was der damals 19-Jährige gemacht hat? Er gaberlte und hatte offensichtlich Spaß daran, ein und denselben Insulaner gleich dreimal zu überdribbeln. Auch so verstrich die Zeit, es blieb beim unterirdischen 1:1.

Am 5. August 2009 hat Marko Arnautovic bei Inter Mailand unterschrieben. Für fünf Jahre. Trotz eines Ermüdungsbruchs im rechten Mittelfuß. Der nicht völlig vertrottelte italienische Meister hat sich ein Hintertürl offengelassen. Die kolportierte Ablöse von neun Millionen Euro wird erst im Juni 2010 fällig. Twente Enschede muss also noch ein bisserl zittern und hoffen, dass Arnautovic fit wird und ihn Inter zumindest zehnmal einsetzt. Robert Groener, der Berater des Stürmers, hatte den Transfer seit Mai ungefähr zehnmal als vollzogen und neunmal als wieder gescheitert gemeldet.

"Arnautovic ist völlig atypisch", sagt Willi Ruttensteiner, der für den Nachwuchs zuständige Sportdirektor des österreichischen Fußballbundes. "Fußballerisch genial, im sozialen Umgang ist er nicht einfach. Sagt man der nervösen Mannschaft, konzentriert euch, konzentrieren sich zehn. Nur der Arnautovic schaut weg."

Am 19. April 1989 wurde er in Wien geboren, sein Vater stammt aus Serbien, die Mutter aus Österreich. Der Bruder heißt Daniel, das Verhältnis ist innig, meistens hebt Daniel das Telefon von Marko ab. Er kickte im Käfig, diese Betonwüsten gehören zu Wien wie die Raunzerei. FAC, Austria, Vienna, Rapid, FAC. Die diversen Nachwuchscoaches kommen mit Marko nicht zurecht, er bleibt als "Häferl" in Erinnerung.

2006 heuert er in den Niederlanden bei Twente Enschede an, im April 2007 debütiert er in der Ersten. Arnautovic wird fortan mit dem Schweden Zlatan Ibrahimovic verglichen. Schlaksig (1,92 m) und doch robust (83 kg), eigenwillig, dribbelstark, divenhaft. In der abgelaufenen Saison erzielte Arnautovic zwölf Tore, Twente schloss als Zweiter ab. Im März wurde ihm Rassismus vorgeworfen, Arnautovic soll einen Gegner beschimpft haben. "Ich bin zu Hause gesessen, habe innerlich geweint." Das Verfahren wurde eingestellt. Arnautovic soll bei Inter Ibrahimovic ersetzen. Samuel Eto'o wurde sicherheitshalber auch geholt. (Christian Hackl, DER STANDARD Printausgabe, 6.8.2009)

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    Marko Arnautovic soll pro Saison eine Million Euro verdienen.

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