Mit Preisdumping gegen die Sommerflaute

6. August 2009, 17:43
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Wegen der zurückgehenden Nächtigungen liegen bei vielen Hoteliers die Nerven blank, reagiert wird mit Preisnachlässen

Wien - Die meisten sehen die Situation nicht so rosig wie der Obmann des Verbands der niederösterreichischen Campingplatzhalter, Leopold Grandl. Die Campingplätze sind voll mit Menschen aus ganz Europa, berichtet er. Insbesondere rund um Wien sei zu beobachten, dass Familien, Jugendliche, Pensionisten auf diese billige Art des Reisens umgeschwenkt sind.

Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat die Branche voll erfasst. Zwar wurde vom zuständigen Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) eiligst ein Extraetat von drei Millionen Euro losgeeist, mit dem die Österreich-Werbung eine Inlands- und Nahmärktekampagne startet; die Wirtschaftskammer legt noch eine Million Euro dazu. Doch allen Beteiligten ist klar, dass neben kurzfristigen Feuerlöschmaßnahmen grundsätzliche Strategieüberlegungen angestellt werden müssen, wie die Erfolgsstory Fremdenverkehr weitergeführt werden kann, die schließlich rund 15Prozent des heimischen BIPs ausmacht.

Falsche Strategie

Die derzeitige Strategie vieler Hoteliers, mit Preisnachlässen offensiv um Kunden zu werben, sei jedenfalls der falsche Weg, so Sepp Schellhorn, Präsident der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV). "Wenn man zehn Prozent nachlässt, braucht man 17 Prozent mehr Auslastung" , sagt er, "Das geht sich nie aus."

Laut einer Studie des Tourismusberaters Kohl & Partner für Tirol werden in der Nebensaison in einem Vier-Sterne-Haus pro Person und Nacht inklusive Halbpension häufig nur mehr zwischen 44 und 51 Euro verlangt, ein Preis, den Harald Ultsch, Obmann der Tiroler Hotellerie, in einer Aussendung als ruinös bezeichnet. Für diese Entwicklung ist aber nicht so sehr die Krise als vielmehr Diskontketten (Tchibo/Eduscho, Hofer, Billa) mit ihrer für den Kunden günstigen Einkaufspolitik verantwortlich.

Spätestens im Herbst soll begonnen werden, die Tourismusvermarktungsstrategie zum x-ten mal zu reformieren. Da alle großen Fremdenverkehrsdestinationen unter der Krise leiden - Beispiel: Spanien mit rund einem Viertel weniger Nächtigungen - soll das Ziel sein, von einem eventuell nachhaltig geschrumpften Reisekuchen mehr zu bekommen. Die Chancen dafür seien gut, meint Rainer Ribing, Geschäftsführer der Sparte Tourismus in der Wirtschaftskammer. Destinationen wie Österreich, die relativ schnell und billig mit dem Auto erreicht werden können, hätten es da leichter.

Neue Schwerpunkte

Die neuen Schwerpunkte der Tourismusförderung lauten wenig originell: Donau, Alpen, Städte - und für jeden dieser Schwerpunkte wird es zusätzliche Unterstützung geben. So werden Betriebe, die zusätzliche Angebote für Radfahrer oder für Familien entwickeln, mit Beträgen zwischen 1000 und 10.000 Euro gefördert.

In Wien ist die Lage nochmals anders. Der Wettbewerb um den Gast nimmt hier an Schärfe nicht nur wegen der sinkenden Nächtigungen zu. Hauptgrund ist der kontinuierliche Zuwachs an Hotelbetten. Zwischen 2004 und 2008 stieg die Zahl der Gästebetten von 45.949 um knapp zehn Prozent auf 54.565. Und aufgrund weiterer Hotelprojekte kommen bis zum Jahr 2011 noch 5400 Betten dazu.

Da ist nicht genug, dass anlässlich des Films Brüno - der britische Schauspieler Sacha Baron Cohen gibt dabei einen österreichischen Lifestyle-Journalisten - die Anfragen für Reisen von Briten nach Wien gestiegen sind - obwohl der Film gar nicht in Wien gedreht wurde. (Johanna Ruzicka, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 7.8.2009)

 

  • Während die Hotels und Pensionen insbesondere in Wien über geringe Auslastung klagen, wird gerne gezeltet. Insbesondere rund um Wien sind die Campingplätze voll, vorausgesetzt, es hagelt nicht.
    foto: standard/corn

    Während die Hotels und Pensionen insbesondere in Wien über geringe Auslastung klagen, wird gerne gezeltet. Insbesondere rund um Wien sind die Campingplätze voll, vorausgesetzt, es hagelt nicht.

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