Arbeitsmarktservice

Schwere Kritik an Aktion gegen Fachkräftemangel

6. August 2009, 17:50
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    foto: standard/corn

    Beim Erfinden von Förderprogrammen, mit denen Frauen traditionelle Männerberufe schmackhaft gemacht werden, sind Österreichs Arbeitsmarktexperten Spitze. Bei der Umsetzung hapert es oft.

70 Millionen Euro butterte das Arbeitsmarktservice seit März 2007 auf Geheiß der Regierung Gusenbauer in die Bekämpfung des Metallarbeitermangels

Wien - Viele Millionen an Steuergeld wenig zielführend eingesetzt - so lautet die Diagnose des Rechnungshofs (RH) betreffend die Arbeitsmarktmaßnahmen "Metalloffensive" und "Frauen in Handwerk und Technik" . Dementsprechend zerpflückt werden die beiden im März 2007 initiierten Aktionen von den staatlichen Buchprüfern.

Bei der im zweiten Halbjahr 2007 angelaufenen Metalloffensive, die eine Verdoppelung der Schulungen für Metallberufe auf 10.000 vorsah, ortet der RH Startschwierigkeiten. Die Planungsphase sei zu kurz gewesen, und zusätzliche Budgetmittel hätten gefehlt. Darüber hinaus konnte der tatsächliche Mangel an Metallfachkräften nicht genau ermittelt werden.

Die Metalloffensive zur Bekämpfung des Facharbeitermangels wurde von der Regierung im März 2007 beschlossen und lief im darauffolgenden Juli an. Der Zeitraum zwischen Auftragserteilung an das Arbeitsmarktservice (AMS) und Start der Maßnahmen sei mit weniger als vier Monaten "sehr kurz gewählt" gewesen.

Tatsächliches Ausmaß unbekannt

Außerdem wurde das tatsächliche Ausmaß des Fachkräftemangels nie festgestellt, kritisiert der RH. Im Juni 2007 waren beim AMSin Metall/Elektro bundesweit rund 10.300 offene Stellen gemeldet. Aufgrund von Mehrfachmeldungen durch Arbeitskräfteüberlasser dürften es nach AMS-Angaben jedoch nur rund 6000 gewesen sein.

Sehr genau nahmen es die beiden AMS-Landeseinheiten auch bei der Auslegung des Gesetzesauftrags nicht: Sie finanzierten im Zuge der Offensive auch Ausbildungen für Bagger-Fahrer mit, und in Niederösterreich wurden auch gleich Maßnahmen nach dem Jugendausbildungs-Sicherungsgesetz mitgezählt.

Geld für die von Politikern wie Interessenvertretern bejubelten Maßnahmen wurde von Regierung und Gesetzgeber übrigens nicht bereitgestellt: Die 70 Mio. Euro musste das AMS durch Umschichtungen selbst aufbringen. Bei einem Vergleich zwischen den Ländern Niederösterreich und Oberösterreich schnitt Oberösterreich deutlich besser ab. Während Oberösterreich den Planwert mit Ende Juni 2008 um rund neun Prozent überschritt, konnte das AMS Niederösterreich nur rund 74 Prozent des Planwertes erreichen.

Im stillen Kämmerlein

Den Eindruck, es sei im stillen Kämmerlein entwickelt, um öffentlichkeitswirksam angekündigt werden zu können, erweckt das Programm "Frauen in Handwerk und Technik" . Mit ihm sollte 2006 bis 2008 die Ausbildung von Frauen in nichttraditionellen Berufen gefördert werden. Der Bekanntheitsgrad des Programms sei aber gering gewesen, kritisiert der RH. Dennoch schnitt Oberösterreich besser ab als Niederösterreich. Das AMS Niederösterreich erreichte einen Umsetzungsgrad von nur 25,8 Prozent, Oberösterreich hingegen 82,7 Prozent.

Für gut versteckt hält der RH auch die Übersiedelungsbeihilfe zur Erhöhung der Mobilität von Arbeitnehmern innerhalb Österreichs. Diese Beihilfe (maximal 4632 Euro pro Person) sei "zumindest in der Anfangsphase kaum angenommen worden." Im ersten Quartal 2008 wurden nur fünf Ansuchen positiv abgeschlossen. (ung, APA, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7.8.2009)

 

 

Kommentar posten
21 Postings
super web checker
11
Kosten viel Höher!

6000 offene Facharbeiterstellen allein bei Metallberufen. wenn das AMS wirksame Programm anbieten würde, hätten wir um 6000 ++ Arbeitslose weniger! Das Geld das die Kosten hätte ich gern.
Der Rechnungshof sollte die ganze Auswirkung des Versagens aufzeigen.

Vorsicht vor dem Hundte
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das passiert deshalb nicht, weil ein erheblicher Teil der Österreicher in etwa so schlau ist, wie der Poster "Management-Quatscher"

scrollen Sie mal nach unten - dann wissen Sie bescheid, warum nichts effektives unternommen wird.


Das beweist, dass wir eine funktionierende Demokratie haben.
Der Wille des Volkes wird umgesetzt, egal wie dämlich der Wille des Volkes ist....

der Erich
00
Frauen im Handwerk und Technik

klingt echt ziemlich offensiv.

stolzaufholz
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Und was wird die Konsequenz sein? Gar nix!

Warum gibt's in Österreich so ein Riesen Wurschtigkeitsgefühl gegenüber der Verwendung unserer Stuern? Als ob es gottgegeben sei, dass wir zahlen und die Regierung damit machen kann, was sie will. Das war mal unser Geld!

Und warum gibt's in Österreich eigentlich keinen Bund der Steuerzahler wie in GER ( www.steuerzahler.de ) oder der Schweiz?

Mick 22
00
Gibts eh

siehe http://www.steuerzahler.at/

Habe aber noch nie was davon gehört. Die letzte Pressemitteilung ist aus dem Jahr 2007.

Entweder, der bekommt Förderungen dafür, daß er die Klappe hält, oder sie könnens einfach nicht besser.

H. K.
110
Das AMS ...

ist gleichzusetzen mit ASFINAG, Skylink ...
Jeder Cent ist zuviel für diesen Saufhaufen ...

Ingen Ting
01

nein, es gibt Unterschiede: in NÖ (ist es ein Zufall, dass die ÖVP dort alles bestimmt?) sieht man eben Frauen lieber zu Hause, statt dass sie vielleicht auch einen gutbezahlten Job haben

leo lander
01
ist doch klar warum

ohne Wien und Oberösterreich und Finanzausgleich wäre das Vorzeigebundesland ein einziges Armenhaus: es gibt da kaum Jobs ausser Baggerfahrer und Kanalgraber und Bauer

Vorsicht vor dem Hundte
00
jedenfalls die Sache mit dem Finanzausgleich,

ist einfach empirisch falsch.

Hier ist Niederösterreich Nettozahler, nicht Nettoempfänger

Ernest Hemingweg
22
Was man so hört liegts aber nicht am...

...Arbeitsamt (pardon: AMS) sondern eher an der Bereitschaft der Arbeitsuchenden.

War früher sehr eng in Kontakt mit dem "Amt", jetzt nur noch über die üblichen sozialen Netzwerke. Und was man da so hört, ist ernüchternd. Es gibt a) nur sehr wenige Frauen, die sich für eine "nicht traditionelle" Ausbildung überhaupt erst einmal interessieren, geschweige denn bereit wären, diese auch zu beginnen oder gar abzuschliessen und b) man kann eben niemanden zu seinem "Glück" zwingen. Das gilt für beide Geschlechter.
Wer nicht will, der will nicht. Punkt aus.
Bleibt er sie halt Hilfshackler. So what.

Und dieses Gebashe auf's AMS oder Krankenkassen, Sozialämter etc. ist sowieso entbehrlich, weil die Hackler dort können am wenigsten für die Mißstände

Mick 22
01
Kritik wird noch erlaubt sein

denn wenn jemand AMS oder Krankenkassa kritisiert, so meint er damit nicht unbedingt den kleinen "Hackler" (wohl eher Angestellten) dort sondern das Management. Und die geben oft genug Anlaß zur Kritik.

Management Quatscher
116
Die Entlarvung der Händeringer

Also laut den händeringend suchenden Unternehmen fehlen ca. 50.000 Fachkräfte.

Entsprechende "Studien" mit dieser Zahl - teilweise wurde sogar von bis zu 150.000 fehlenden Fachkräften gefaselt - gab es in den Jahren 2006 bis 2008 zuhauf. Wurden auch im Standard veröffentlicht.

Eigentlich sind es dann nur knapp über 10.000 und wenn man Doppelzählungen und Leiharbeitsfirmen wegrechnet sind´s gar nur 6.000.

Schon schön - statt 50.000 fehlender Fachkräfte sind´s eigentlich nur 6.000.

Fragt sich nur, welche Vollkoffer mit Zahlen von 50.000 fehlenden Fachkräften hausieren gingen.

Wahrscheinlich hochqualifzierte "Experten".

fabrikant
10

da hilft nur massenzuwanderung. wegen dem arbeitskräftemangel. oder so.

realist911
14
Die Industriellenvereinigung

wollte bloss billiger Ausländer hereinholen.

Operation_Zukunft
07
nein, ich sehe das anders:

die Industrie hätte gerne dass 50.000 Fachkräfte frei wären. Von diesen wurden dann aber nur die 6.000 benötigten eingestellt die für das wenigste geld arbeiten gehen würden. Angebot und Nachfrage ist auch am Arbeitsmarkt ein großes Thema. Nur dort funktioniert es nur in eine richtung: zu viele Arbeitslose sind gut für die Wirtschaft das immer welche für noch weniger arbeiten. Aber: gibt es zu wenig Arbeitnehmer, dann werden die Löhne nicht erhöht. Dann bleibt der Posten eben unbesetzt anstatt faire Löhne zu zahlen...Soweit meine Meinung.

Management Quatscher
00

gell, es ist schon komisch, dass das "Naturgesetz" von Angebot und Nachfrage immer nur in eine Richtung wirkt.

Aber die Unternehmen und sämtliche "Experten" haben uns doch in den letzten zwei Jahren versichert, wie händeringend sie nicht suchen würden.

Man könnte ja fast auf die ketzerische Idee kommen, dass der vielzitierte Fachkräftemangel ein einziger Scha. war. Aber auf solche Ideen kommen natürlich nur Leute, die überhaupt keine Ahnung von Wirtschaft haben und auch sonst irgendwie ur arge Kommunisten sind.

Keyser
00

Die Industrie, die bisher so sehr um Fachkräfte gerungen hat, ringt derzeit um Geld. Das Ringen um die Fachkräfte steht deshalb auch derzeit ganz weit unten auf deren Agenda. Die Fachkräfte, die ja später, irgendwann einmal, gebraucht werden könnten, werden schon früh genug wieder umrungen.

Kommt Zeit, kommt Fachkräftemangel - worauf wieder das altbekannte Lied folgt: Die Wirtschaft sucht händeringend nach tausenden Fachkräften in (Hier bitte Branche eintragen).

Irgendwann löst der Witz mit dem Händeringen um Fachkräfte noch Prince Albert in a Can ab. Lang kann das nicht mehr dauern. ^^"

Keyser
28
HALLELUJA!

Endlich wird beim AMS gegraben! Weiter so RH - grab weiter - bring alles Zutage! Die haben noch viele Leichen im Keller, und sie verschwenden Milliarden Steuergelder!

Legt den Sumpf bitte trocken - prüft weiter - zieht Konsequenzen und Stoppt diese Bande!

Parkschwein
11

trockengelegt wird da garnix, in ein paar monaten äh wochen ist alles vergessen.

Keyser
12

So wie die Geschichte mit Venetia? Oder die Sache in Salzburg, mit der gnä'n Frau die sich fleißig in der Kasse eines Kursinstituts bedient hat? (Ups! Das sind ja Sachen die in Vergessenheit geraten sollen sry.)

Ganz ehrlich? Es ist egal ob diese Sache in wenigen Wochen vergessen wird. Bei jedem neuen Skandal, und es lässt sich nicht verhindern das sie ans Licht kommen, werden die alten Skandale wieder aktuell. Irgendwann gibt es dann keinen neuen Skandal mehr, weil die miesen Machenschaften irgendwann abgeschafft werden müssen, da sie nicht mehr Zutode geschwiegen werden können.

Wie ich immer sage - für alle kommt irgendwann die zahlende Stunde - so auch für das AMS. Lange kann es nicht mehr dauern. :-)

mike sierra
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Der RH ist ein bisschen lustig und fern jeder Realität:
"Zeitraum zwischen Auftragserteilung und Start der Maßnahmen .. mit weniger als 4 Monaten sehr kurz gewählt"
Die Planung hat sicher schon vor Auftragserteilung begonnen.
Für so lang nachher prüfende Beamte wie vom RH ist es offensichtlich auch unverständlich, dass im wirklichen Leben alles viel schneller gehen muss. Sonst hätte die Maßnahme erst begonnen, als die Metallfirmen ihre eigenen Mitarbeiter bereits in Kurzarbeit geschickt haben. :o

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