Bei Pandemie droht wirtschaftlicher Schaden

6. August 2009, 14:48
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BIP-Minus von 1 bis 3,5 Prozent - Abhängig von Schwere der Epidemie und Vorsichtsmaßnahmen

Berlin - Eine Grippe-Pandemie könnte in Deutschland erhebliche wirtschaftliche Schäden anrichten. Schätzungen von Experten gehen von einem Einbruch des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von knapp einem bis zu dreieinhalb Prozent aus. Wie stark das Virus die Volkswirtschaft erwischt, hängt dabei vor allem von zwei Faktoren ab: der Schwere der Epidemie und den zuvor getroffenen Vorsichtsmaßnahmen.

Bei einer mittelschweren Pandemie mit 100.000 Toten und 300.000 zusätzlichen Erkrankten in den Kliniken rechnet das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) mit einem Schaden von 25 Mrd. bis 75 Mrd. Euro. Das Virus würde die Wirtschaft an zahlreichen Stellen treffen: Die Kranken fehlen bei der Arbeit, die Geschäfte sind leer, weil sich viele Menschen nicht mehr aus dem Haus trauen, der Tourismus bricht ein. Hinzu kommen Gesundheits-Ausgaben. So schlägt eine Impfung der gesamten Bevölkerung mit rund zwei Mrd. Euro zu Buche.

Ohne Notfallmaßnahmen - vor allem eine Impfung - rechnete das RWI in einer Studie aus dem Vogelgrippe-Jahr 2006 bei einer milden Pandemie mit einem BIP-Rückgang um rund ein Prozent. Bei einem schweren Verlauf fiele das Wachstum demnach um 3,6 Prozent geringer aus. Günstiger stellt sich die Lage nach einer Massenimpfung dar. Der negative Effekt auf die Wirtschaftsleistung reduziert sich dann der Studie zufolge auf minus 0,7 im milden und minus 2,2 Prozent im schweren Szenario.

Allerdings sind alle Pandemie-Studien der vergangenen Jahre mit großen Unsicherheiten behaftet, wie die Forscher einräumen. Denn die Kostenvorhersage steht am Ende einer langen Reihe von Annahmen über den Krankheitsverlauf und die Auswirkungen auf die Wirtschaft: Wie irrational verhalten sich die Verbraucher wirklich? Lassen sich erkrankte Arbeitnehmer ersetzen? Sicher scheint den Studien zufolge nur, dass es zu Reaktionen kommt. Vor allem der private Konsum dürfte unter dem Virus leiden.

Darauf lässt der Verlauf der Lungenkrankheit Sars im Jahr 2003 schließen. Mit 8.000 Infizierten und knapp 800 Toten verlief die Ansteckungswelle zwar vergleichsweise glimpflich, der Schaden für die betroffenen asiatischen Länder war mit rund 20 Mrd. Dollar (13,92 Mrd. Euro) aber enorm, wie das RWI vorrechnet. Das lag vor allem an den negativen psychologischen Effekten. Tatsächlich war damals in Hongkong die Gefahr, als Autofahrer in einen tödlichen Unfall verwickelt zu werden, statistisch größer als das Risiko, sich im Flugzeug oder in der Bahn mit dem Sars-Erreger anzustecken.

"Im Extremfall könnte eine Mischung aus staatlicher Intervention und kollektiver Risikovermeidung das gesamte öffentliche Leben lahmlegen", warnt die RWI-Studie. Hinzu kämen der hohe Krankenstand und seine Auswirkungen auf die Produktion sowie absehbare Einschränkungen im Handel. Andererseits wären die Folgen aber auch begrenzt - denn anders als bei einer Naturkatastrophe bliebe die Infrastruktur erhalten. Die Volkswirtschaft dürfte sich also relativ bald wieder erholen. (APA)

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