Ikea dreht an der Kostenschraube

6. August 2009, 14:24
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Die schwedische Einrichtungskette wächst in Österreich schaumgebremst und erhöht heuer leicht die Preise

Wien - Helen Duphorn hat stürmische Wochen hinter sich. Die Chefin von Ikea Österreich segelte mit ihrem Boot von Skandinavien nach Portugal, das widrige Wetter zwang sie immer wieder in ruhige Häfen. Das Lüfterl am kleinen Segelhafen an der Alten Donau in Wien mutet sich da schon weitaus sanfter an.

Piratenboote, auf deren bunte Segel Ikea-Motive gedruckt wurden, hüpfen über die Wellen. Auf einem Floß schaukelt Sofa "Klippan" . Der Duft von gegrilltem Lachs zieht in die Nasen. Ikea-Mitarbeiter tragen Schilder: "Alles wird gut" , steht darauf statt der Namen geschrieben.

Duphorn ist überzeugt, dass Ös-terreichs Handel im Vergleich zu anderen Ländern weitgehend ohne starke Turbulenzen durch die Krise steuert. Auch Ikea halte sich hier gut, wenngleich die Zeiten des ungebrochenen Wachstums vorerst vorbei sind. Der Einrichtungskonzern baute den Umsatz in den vergangenen drei Jahren um mehr als 25 Prozent auf zuletzt 531 Millionen Euro aus und lief damit vielen Mitbewerbern davon. Heuer ist erstmals Stagnation angesagt, auch wenn Duphorn Ikea vom geänderten Konsumverhalten der Österreicher durchaus profitieren sieht.

Produktion wird beschnitten

Der schwedische Konzern muss international an der Kostenschraube drehen. Gründer und Eigentümer Ingvar Kamprad diktiert angesichts schmälerer Gewinne einen scharfen Sparkurs. In der Produktion in Europa und Asien werden über 5000 Stellen gestrichen. Insgesamt arbeiten 128.000 Mitarbeiter für den Einrichtungshändler in weltweit rund 300 Möbelhäusern. Expandiert wird aber nach wie vor.

Deutschland stehen keine personellen Einschnitte bevor. Auch in Österreich werden keine Jobs abgebaut, verspricht Duphorn. Im vergangenen Geschäftsjahr seien wegen der längeren Öffnungszeiten hundert neue Stellen entstanden.

Es wird gespart

Gespart wird dennoch. Ikea habe die höheren Rohstoffkosten bisher geschluckt, sagt Duphorn, das starke Wachstum habe das erlaubt. Das sei nun nicht mehr drinnen. Ikea erhöht mit Mitte August die Preise um etwas weniger als ein Prozent, leicht verteuern werden sich in erster Linie die Accessoires. Auch der gestern, Donnerstag, in Wien präsentierte neue Katalog zeugt von einer schärferen Kostenkalkulation. Deutlich kleiner ist er, und im Taschenformat. "Das spart Energie und Geld" , erläutert Duphorn.

Die gebürtige Schwedin hat im Vorjahr einen neuen Möbelmarkt in Klagenfurt eröffnet. Das Kärntner Geschäft laufe gut, allerdings auf Kosten des bestehenden Standorts in Graz, den es kannibalisiere.

Drittes Möbelhaus für Wien

Nicht aktiv gesucht werde derzeit nach einem dritten Möbelhaus in Wien. Langfristig sieht Duphorn aber sehr wohl Potenzial für zwei, drei weitere Filialen in Österreich.

Sie heftet sich auch für die kommenden Jahre Wachstum auf die Fahnen, allerdings nicht länger in Österreich. Die gebürtige Schwedin wechselt im Herbst nach vier Jahren als neue Country Managerin nach Portugal. Es sei das einzige Land in Europa, in dem Ikea mit nur zwei Standorten noch ganz am Anfang stehe. Leichter als in Österreich wird sie dort auf jeden Fall ein Anliegendurchbringen: den für Ikea wichtigen offenen Sonntag. (Verena Kainrath, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7.8.2009)

 

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