Gemüse im Liebeswahn

6. August 2009, 13:57
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Grünes Zebra, Tigrella, Goldita: 2008 verspeisten die Österreicher 34.000 Tonnen Paradeiser

Wien - Schon mal ein "Grünes Zebra" gekostet? Oder herzhaft in eine "Tigrella" gebissen? Die "Schwarze Krim" zum Kochen gebracht? Vielleicht ist ja am Samstag Gelegenheit dazu. Die Agrarmarkt Austria Marketing (AMA Marketing) ruft just an diesem Tag, dem 8.8., heuer zum ersten Mal den "Tag des Paradeisers" aus. Und die exotisch klingenden Namen sind allesamt Vertreter dieses Nachtschattengewächses.

Der Paradeiser ist des Österreichers Lieblingsgemüse. Der Pro-Kopf-Verbrauch liegt bei rund 26 Kilo, "Tendenz steigend", erklärt Stephan Mikinovic, Geschäftsführer der AMA Marketing am Donnerstag vor Journalisten in Wien. Im Jahr 2008 wurden rund 34.000 Tonnen der (meistens) roten Gemüsesorte im Wert von 80,5 Millionen Euro verspeist. "Innerhalb der letzten zehn Jahre hat sich der Pro-Kopf-Verbrauch an Paradeisern in Österreich fast verdoppelt", erzählt Mikinovic.

Ursprünglich kommt der Paradeiser aus Südamerika, in Mexiko wurde er erstmals kultiviert. Die Azteken nannten ihn "Tomatl" - worin die Bezeichnung Tomate ihren Ursprung hat. Die Europäer nannten ihn anfangs Liebes-, Gold- oder Paradiesapfel. Dem Paradeiser sagte man bis weit ins 19. Jahrhundert nach, der Verzehr löse einen regelrechten Liebeswahn aus - vielleicht auch ein Grund dafür, dass er zum Liebkind der österreichischen Konsumenten wurde.

Weltweit gibt es an die 6.000 Sorten, allerdings werden nur wenige in großen Mengen angebaut. Dass es dabei eben nicht nur rote Exemplare gibt, erklärt Paradeiserproduzentin Monika Stockenhuber. Gemeinsam mit ihrem Mann Walter bewirtschaftet sie einen Hof im oberösterreichischen Innviertel: "Wir bauen jedes Jahr 60 bis 70 Paradeiserraritäten an." Die Vielfalt reicht hier von der rot-gelb-gestreiften Tigrella, über winzige gelbe oder rote "Johannisbeeren", hin zur weinroten, russischen Sorte "Schwarze Krim" oder dem gelb-grün-gestreiften "Grünen Zebra". Geschmack, Aussehen, Größe, aber auch Erntezeitpunkt oder Ertrag sind sehr unterschiedlich.

Auf 185 Hektar werden hierzulande Paradeiser angebaut und geerntet, in großen Mengen vor allem im Burgenland, der Steiermark und in Wien. "Damit ist Wien nicht nur die einzige Hauptstadt, in der Wein angebaut wird, sondern eben auch der Paradeiser", streicht Mikinovic schmunzelnd die Bedeutung der Gemüsesorte heraus. (rom, derStandard.at, 6.8.2009)

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    Paradeiser oder Tomaten? Egal, es ist das Lieblingsgemüse von Herr und Frau Österreicher.

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