Die Jagd auf die Wölfe ist eröffnet

6. August 2009, 13:37
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Etliche neue Stars laufen auf, der erste Trainer ist entlassen - Meister Wolfsburg eröffnet Freitag gegen Stuttgart - Erster Jäger: Bayern München

Wenn der Kaiser zum Start der Bundesliga spricht, dann hat das natürlich großes Gewicht. "Bayern muss Meister werden", sagt Franz Beckenbauer, der Präsident des FC Bayern München, und macht somit noch vor dem Anpfiff mächtig Druck. Dass es in der letzten Saison nicht klappte und man nur Zweiter wurde, bekamen nicht bloß Fußballinteressierte mit. Die Leiden der Bayern, ausgelöst durch Trainer Jürgen Klinsmann, waren, je näher es dem Saisonende zuging, ein so großes Thema in Deutschland, dass irgendwann auch das letzte Altersheim auf dem platten Land wusste: Der "Spirit" von Klinsi passte einfach nicht zu den erfolgsverwöhnten Bayern.

Aber Klinsmann ist ohnehin längst Geschichte, jetzt hat in der Säbener Straße in München der Niederländer Louis van Gaal die Zügel in der Hand. Und Beckenbauer weist auch darauf hin, dass die aktuelle "beste Mannschaft aller Zeiten" nicht gänzlich billig war. "Wer 30 Millionen für Mario Gomez ausgibt, darf nicht nur um die Teilnahme an der Europa League, dem früheren Uefa-Cup spielen." Gomez, der Neuzugang vom VfB Stuttgart, wird es schon richtig verstanden haben.

Welttorjäger in Dortmund

Wenn er seine Leistung bringt, könnte er nicht nur der Liebling der Fans werden, sondern auch jener der Vereinsführung. Die Zuneigung zum französischen Superstar Franck Ribéry ist ja etwas abgekühlt - nicht nur weil er verletzt war, sondern auch, weil ihm die Bayern-Bosse unterstellten, er wolle sich bloß für Real Madrid schonen. Doch der Deal klappte dann ohnehin nicht, Ribéry bleibt weiterhin ein Bayer.

Nicht allein die Bayern waren auf Einkaufstour, auch anderswo will man mit neuen Namen glänzen. Hohe Erwartungen erweckt natürlich Borussia Dortmund, wo man Lucas Barrios verpflichtete. Der Argentinier schoss 2008 für seinen chilenischen Club CSD Colo-Colo in 38 Spielen 37 Tore - das waren weltweit die meisten Erstliga-Goals. An seinen neuen deutschen Dienstort muss er sich noch ein wenig gewöhnen. "Alles ist so sauber hier."

Sein Landsmann Raul Bobadilla soll der Star bei Borussia Mönchengladbach werden, vom portugiesischen Nationalspieler Nuno Ricardo Oliveira Ribeiro, besser bekannt als Maniche, erwartet sich der 1. FC Köln neuen Glanz. Die Kölner haben ja auch ihren "Poldi" wieder, und es ist nicht ganz klar, wer darüber am glücklichsten ist: Der Verein oder Lukas Podolski selbst. Der weltbeste Nachwuchsspieler 2006 (WM-Sommermärchen) und der FC Bayern, das war auch so ein Gespann, das nicht zusammenpasste.

Nicht minder im Blick werden die Trainer stehen. Und da gibt es bereits den ersten Rekord zu vermelden. Bis dato war in der deutschen Erstliga noch kein Trainer vor dem ersten Spieltag der Saison entlassen worden. Doch Aufsteiger Mainz 05 (mit Ex-ÖFB-Teamkapitän Ivanschitz) hüpfte es vor. Nach dem blamablen Ausscheiden im Pokal gegen den VfB Lübeck vor wenigen Tagen flog der aus Norwegen stammende Trainer Jörn Andersen gleich mal raus, seinen Assistenten Jürgen Kramny konnte er sofort mitnehmen.

Trainerkarussell dreht sich

Beim Eröffnungsspiel heute Abend, Meister Wolfsburg gegen den Dritten Stuttgart, wird die Trainerbank fast so interessant wie das Spielfeld sein. Nachdem Felix Magath nach seinem Triumph zum FC Schalke 04 gewechselt war, hat der VfL Wolfsburg einen neuen Trainer. Es ist Armin Veh, der früher den VfB Stuttgart trainierte und dort ausgerechnet nach einer 1:4-Niederlage gegen die Wölfe rausflog. Und jetzt ahnt Veh: "Man wird uns jagen. Jeder will unbedingt den Meister schlagen." Veh hat nun aber vielleicht einen Vorteil: Während die Stuttgarter Gomez verloren haben, gehen die Wolfsburger mit ihrer Siegerformation aus der letzten Saison ins Spiel: Das sogenannte "magische Dreieck" (Grafite, Edin Dzeko, Zvjezdan Misimovic) ist wieder da.

Zumindest am Auftakt-Wochenende werden Fans, Spieler, Trainer und Manager eine Nachricht der Unternehmensberater Ernst & Young verdrängen: Die Wirtschaftskrise hat auch die Bundesliga erreicht. Werbeeinnahmen sinken, die teuren Businessplätze in den Stadien gehen nicht mehr so leicht weg, Sponsoren sind zurückhaltender. So konnte der VfL Bochum (mit dem Ex-Mattersburger Fuchs) erst Mitte Juli den Vertrag mit dem neuen Hauptsponsor (Netto-Diskont) festmachen. Folge der Krise: Die Anzahl der Bundesliga-Vereine, die rote Zahlen schreiben, stieg 2009 im Vergleich zum Vorjahr von sieben auf 35 Prozent. (Birgit Baumann aus Berlin, DER STANDARD Printausgabe 07.08.2009)

 

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    Das gefährlichste Angreiferduo der deutschen Bundesliga-Geschichte ist Wolfsburg erhalten geblieben: Grafite (unten), mit 28 Toren Schützenkönig, und Edin Dzeko, der 26-mal traf.

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    Alexander Hleb und Pawel Pogrebnjak sollen Stuttgart ganz nach oben bringen.

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