Wie Polizisten ihre Traumata verarbeiten

6. August 2009, 13:12
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52 Kollegen stehen österreichweit als Betreuer zur Verfügung

Wien - Schwere Unfälle, Leichenfunde, aber auch Schießereien: Polizisten sind oft Situationen ausgesetzt, die ihnen psychisch schwer zusetzen können. Die größte Hürde auf dem Weg zurück ist - neben der Bewältigung des Alltags - meist die Frage: Werde ich jemals wieder dienstfähig sein? Bei der Verarbeitung traumatischer Erlebnisse helfen österreichweit 52 Betreuer. Sie wissen nur zu gut, wie es dem geschockten Gegenüber gerade geht, denn sie sind selbst ganz normale Beamte - mit einer Zusatzausbildung.

1993 wurde diese "Spezialeinheit" ins Leben gerufen und beschäftigt sich ausschließlich mit der Betreuung von Kollegen, die von ihrer Schusswaffe gebrauch gemacht haben oder auf die geschossen worden war. "Damit war es aber irgendwann nicht mehr getan", erinnert sich Gertraud Trieb, Leiterin des psychologischen Dienstes im APA-Gespräch. Großereignisse wie die Katastrophen von Galtür oder Kaprun, bei denen auch Polizisten im Einsatz waren, erweiterten das Betreuungsspektrum.

Sechs Stunden täglich über drei Wochen - so lange dauert die Ausbildung zum psychologischen Betreuer. "Die übliche Normalität ist zerbrochen. Alles, woran man immer geglaubt hat, ist erschüttert", beschreibt Trieb die Situation eines betroffenen Beamten, der etwa kurz zuvor jemanden erschossen hat. Die Gespräche laufen nach einem ganz bestimmten Muster an, sind aber nicht zwingend. Wer keinen seelischen Beistand aus der Kollegenschaft möchte, der kann diesen auch ablehnen.

Laut Trieb gehe es darum, dem Betroffenen klar zu machen, dass Belastungsstörungen, Selbstzweifel und Schuldgefühle "ganz normale Reaktionen in einer abnormalen Situation" sind. Dennoch soll nichts beschönigt werden. "Derjenige wird die Sache zwar nie vergessen, aber damit leben können. Man ist aber nicht mehr derselbe", so Trieb.

Doch auch der Betreuer selbst muss erkennen, wann es für ihn Zeit ist Platz zu machen. "Die Kollegen sind keine Therapeuten", betont Trieb. Wird den Betreuern klar, dass ihre Gesprächspartner ohne professionelle Hilfe nicht mehr auskommen, vermitteln sie Psychologen. Doch das Angebot des 52-köpfigen Teams von Getraud Trieb verfällt nie - selbst wenn ein traumatisierter Kollege erst nach Wochen oder Monaten draufkommt, dass er Hilfe braucht: mindestens zwei der 104 Ohren werden immer für ihn offen sein. (APA)

 

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