Für mich ist ein Jahr zu Hause genug

6. August 2009, 13:25

"Niemand hat die wirklich bevorstehenden Alltagsgschichten angesprochen - alles schien immer eitel Wonne und unproblematisch zu sein", erzählt Userin Rosa Mayrer

Ich bin derzeit gerade noch in Karenz und somit noch "zu Hause". Unser Filius wurde im Mai 2008 geboren worden - einen Monat zu früh, ziemlich überraschend für uns, wir sind ins Elternsein eher mehr reingestolpert, da wir uns für den letzten Monat noch einiges an zu erledigenden Punkten (Kinderzimmer etc) aufgehoben hatten....

Meiner Ansicht nach kann man sich auf das Elternsein nicht vorbereiten. Ich habe mir zwar die Erfahrungsberichte von Freunden mit Kindern angehört, aber irgendwie hat vor der Geburt unseres Sohnes niemand die wirklich bevorstehenden Alltagsgschichten angesprochen - alles schien immer eitel Wonne und unproblematisch zu sein - und nach Dingen fragen, von denen man noch keine Ahnung hat oder nicht weiss, dass sie auf einen zukommen werden, ist leider eben nicht möglich.

Ins Elternsein reingekracht

Mein Partner und ich sind dann ins Elternsein reingekracht: am Anfang Schlafentzug pur, mit der Hoffnung, dass das bald vorbei sein wird - die sich leider bis dato nächtens nur selten erfüllt - der Kleine wacht nach wie vor auf und will getröstet werden oder wandert beim mehrmaligen, ergebnislosen Beruhigungsversuch eben mal wieder für eine Nacht in unser Bett. Man gewöhnt sich an alles, auch an Nächte auf der Bettkante - der Kleine, obwohl gerade mal knapp über 80 cm groß, beansprucht locker das ganze Doppelbett für sich. Bis auf die Schlafprobleme klappt es aber an sich ganz gut; die Umstellung auf ein Leben zu Dritt war nach einem halben Jahr geschafft. Sie war für mich sicher schwieriger als für meinen Partner, ich musste mich erst mal dran gewöhnen, Tag und Nacht über einen ständigen Begleiter zu verfügen ....

Mein Partner, der als berufstätiger Elternteil nur abends und an den Wochenenden zu Hause war, hat sich immer bemüht, sich so gut wie möglich einzubringen und mich in jeder Hinsicht, auch bei der Alltagsroutine (Einkaufen; Wickeln; zu Bett bringen; füttern..... etc etc) nach Kräften unterstützt und mir den Kleinen auch nachts abgenommen, wenn ich schlafmäßig mal wieder unter dem Limit war. Er ist ein aktiver Vater, der alles für sein Kind tut - und auch für mich!

In finanzieller Hinsicht hat es bei uns nie Probleme gegeben. Ich habe bislang das Kinderbetreuungsgeld sowie auch die Familienbeihilfe erhalten, mit denen ich für die alltäglichen Dinge, die unser Junior so braucht (Windeln, Nahrung, Kleidung, Spielsachen, Bilderbücher, sonstige
Toilettenartikel....) aufgekommen; einfach weil es naheliegend war - die Sachen hab ich im Beisein unseres Kleinen tagsüber besorgt. Standen größere Anschaffungen an (zB Buggy, größerer Kindersitz für das Auto) habe ich mich meistens über die am Markt angebotenen Produkte informiert, wir haben dann eine gemeinsame Entscheidung getroffen und mein Partner hat die Kosten dafür übernommen. Ich würde auch sonst für Anschaffungen jeglicher Art jederzeit von ihm finanziell unterstützt werden - nur ist es zum einen aufgrund meiner finanziellen Reserven gar nicht nötig, zum anderen wäre ich wohl auch zu stolz dazu, ihn explizit darum zu bitten, wenn er es nicht von sich aus anbietet.

Modell 15 + 3

Hinsichtlich des Kinderbetreuungsgeldes haben wir uns für das Modell 15 + 3 entschieden, also jene Variante, in der das Kinderbetreuungsgeld
derzeit am höchsten ausbezahlt wird (obwohl die rund 800 Euro monatlich für einen 24h Job meiner Ansicht nach einfach läppisch wenig sind! Im Vergleich zu meinem vorherigen Verdienst war das Kinderbetreuungsgeld für mich ausserdem ein grober finanzieller Absturz).

Mit der Entscheidung bin ich jetzt, kurz vor dem beruflichen "Wiedereinstieg", ganz glücklich: Für mich ist ein Jahr zu Hause genug, ich freue mich wieder auf den Job und darauf, mich vom Leben als Fulltime-Hausfrau und Mutter zumindest teilweise verabschieden zu können: Klar ist es toll, die Fortschritte des Kleinen mitverfolgen zu können, aber die täglichen Routinen, die das Zu-Hause-Sein mit sich bringt (Kochen; Einkaufen; Haushalt; Spielplatz-Gehen; Chaos im Kinderzimmer beseitigen....) machen mich auf Dauer nicht zu 100 Prozent glücklich und Kinder leben meiner Meinung nach besser mit glücklichen, zufriedenen Müttern als mit unzufriedenen. Nächstes Monat geht mein Partner für drei Monate in Karenz, er freut sich drauf - und ich auch!

Zusammenfassend haben sich meine Erwartungen an die Mutterschaft schon erfüllt: Ich hatte eine anstrengende, aber schöne Zeit erwartet, wie sie dann auch eingetroffen ist. Ich hänge irrsinnig an unserem Knirps, und wenn er mir einen Kuss gibt, sich an mich kuschelt, mich anlacht oder mir unbedingt seine neuen Laufkünste vorführen will, dann weiss ich, dass sich all die Anstrengung, all der Schlafentzug, das Aufgeben des vorherigen äußerst komfortablen, aber gleichförmigen Lebens, in dem man alles, was man machen wollte, auch tun konnte (Reisen, Ausgehen, Hobbies, ...) auch gelohnt hat! Unser Leben ist anders geworden, aber auf eine schöne und spannende Art und Weise! Und es erschöpft sich nicht nur in der Frage, wo wir denn den Urlaub im nächsten Jahr verbringen werden. (Rosa Mayrer, dieStandard.at, 6.8.2009)

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    Rosa Mayrer: "Meiner Ansicht nach kann man sich auf das Elternsein nicht vorbereiten".


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