Kein Konzept für Fremdsprachenunterricht

6. August 2009, 12:30
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Laut Unterrichtsministerium auch nicht angestrebt - Von fünf Empfehlungen des Rechnungshofes wurden drei teilweise umgesetzt

Wien - Der Rechnungshof (RH) sieht seine Empfehlungen aus dem Jahr 2005 zum Fremdsprachenunterricht durch das Unterrichtsministerium "nur in geringem Ausmaß" umgesetzt. In einer am Donnerstag publizierten Follow-Up-Untersuchung kritisierte der RH vor allem, dass weiterhin ein Konzept fehle, welche Fremdsprachen an den Schulen unterrichtet werden sollen. Insgesamt habe das Ministerium von fünf Empfehlungen drei teilweise umgesetzt, bei zweien sei mangels Dokumentation keine Aussage möglich.

Umsetzung der EU-Ziele nicht erfolgt

Österreich hat sich dem EU-Ziel verpflichtet, wonach jeder Bürger der Union neben seiner Muttersprache mindestens zwei Gemeinschaftssprachen beherrschen soll. Die erste Fremdsprache soll ab der Volksschule, die zweite ab der fünften Schulstufe erlernt werden. "Eine Umsetzung dieser Ziele war in Österreich nicht erfolgt", rügt der RH in seinem Bericht. Das Ministerium habe bisher lediglich ein Länderprofil zur Sprach- und Sprachunterrichtspolitik erstellt.

Keine Vorgaben zur 2. lebenden Fremdsprache

Abgesehen von Englisch, das an allen Schulen Pflichtgegenstand ist, "bestanden keine Zielvorgaben, ob bzw. welche Sprache als weitere Fremdsprache unterrichtet werden soll". Die Entgegnung des Ministeriums, dass wegen der "großen Vielfalt an Wahlmöglichkeiten" und "regionaler Bedürfnisse der Schulen"gar kein Fremdsprachenkonzept geplant sei, lässt der RH nicht gelten. Er fordert das Ministerium erneut auf, "eine aktiv gestaltende Rolle sowie eine Koordinations- und Steuerungsfunktion" wahrzunehmen.

Fremdsprachigem Fachunterricht halbherzig umgesetzt

Die vom RH geforderte Evaluierung des Englischunterrichts an Volksschulen ist laut dem Bericht erst teilweise erfolgt, die Ergebnisse einer Studie sollen 2010 vorliegen. Ebenfalls nur teilweise umgesetzt wurde die Empfehlung, fremdsprachlichen Fachunterricht stärker einzusetzen und Fachlehrer gezielt in Fremdsprachen aus- und fortzubilden. Die damit betrauten Pädagogischen Hochschulen (PH) sind laut RH "noch in einem Entwicklungsprozess". Das Ministerium verwies darauf, dass es den PH die Aufnahme bestimmter Inhalte in die Curricula empfehle und die Zusammenarbeit mit den Unis verstärke.

Ob und wie die Empfehlungen des RH zum Ausbau von Schulpartnerschaften und Sprachwochen umgesetzt wurden, konnte wegen einer Systemumstellung bei den EU-Sprachprogrammen bzw. mangels Aufzeichnungen nicht bewertet werden. Eine "Aufbereitung und Strukturierung" der Daten ist aus Sicht des RH jedoch "als Grundlage für Steuerungsmaßnahmen" notwendig. (APA)

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