Keine Kindergartenpflicht für Kinder mit Behinderung

6. August 2009, 12:20

Diakonie fordert Rechtsanspruch und einheitliche Gesetze - Engpass in Wien befürchtet

Die Kindergartenpflicht für Fünfjährige, die ab dem kommenden Schuljahr schlagend wird, scheint nicht für jedes Kind zu gelten. Michael Chalupka, Direktor der Diakonie Österreich, ist alarmiert. Denn für Kinder mit Behinderung gilt diese Pflicht nicht, wenn für sie keine adäquate Betreuungseinrichtung in Wohnortnähe zur Verfügung steht.

„Anstatt bestehende Kindergärten integrativ zu gestalten, werden Kinder mit Behinderung von der Kindergartenpflicht befreit." Das komme einer Integrationsverweigerung der Bundesregierung gleich, sagt Chalupka und fordert die Politik auf, „adäquate Kindergärten für alle in Wohnortnähe anzubieten".

Einheitliches Rahmengesetz gefordert

Derzeit gibt es noch keinen Rechtsanspruch auf einen Bildungsplatz, der gewährleisten würde, dass auch jedes Kind in den Kindergarten gehen kann. Chalupka fordert ein einheitliches Rahmengesetz für Kindergärten, das nicht nur eine einheitliche Finanzierung der Einrichtungen schaffen würde, sondern auch geregelte Gruppengrößen und Qualitätsstandards.

Keine Angabe zu Förderbedarf

Wie viele Kinder sonderpädagogischen Förderbedarf in Kindergärten haben, ist laut Diakonie nicht bekannt, denn die Daten werden nicht erhoben. Aus älteren Erhebungen geht hervor, dass mehr als zwölf Prozent aller Kinder in Österreich diesen Förderbedarf wegen körperlichen, Sinnes-, Lernbehinderungen sowie Verhaltensauffälligkeiten und Entwicklungsstörungen haben.

Engpass in Wien wegen Gratiskindergarten

Ungefähr 3000 Fünfjährige (3,7 Prozent) sind laut Statistik Austria nicht in institutionellen Bildungseinrichtungen untergebracht, 1300 davon in Wien. Laut Einschätzung der Experten dürfte Wien höchstwahrscheinlich das Bundesland sein, in dem es aufgrund der bundesweiten Einführung des Gratiskindergartens ab September 2009 zur größten Steigerung der Kinderbetreuungsquote kommen wird. Angeblich gibt es in Wien noch keine Engpässe, was Plätze betrifft.

Laut Monika Riha, Geschäftsführerin von Kiwi (Kinder in Wien) und VP-Gemeinderätin fehlen aber 10.000 Plätze. Pro Jahrgang starten in Wien 16.000 Kinder in den Kindergarten. In Wien gilt der Gratiskindergarten ab Herbst für alle Kinder bis zum 6. Lebensjahr. (Marijana Miljkovic, derStandard.at, 6. August 2009)

Freigeistin1
12
21.12.2009, 13:26

Also mein Kleiner wird nächstes Jahr 5 und wir schicken ihn definitiv nicht in den KiGa!
Niemand kann uns dazu zwingen. Ich lerne mit ihm Schreiben, zählen - auf Englisch kann er schon bis 50 zählen.
KiGa Pflicht für nicht deutsch sprechende Kinder - ja, sofort. Aber sicher nicht für alle!
Ich bin liebend gerne bei meinen Kindern zu Hause. Wieso sollte man dies "verbieten"?

feueramdbach
10
gerade für kinder, die nicht so "perfekt" auf die welt gekommen

sind, ist es umso wichtiger, dass sie so früh wie möglich auch außer haus optimal professionell-sonderpädagogisch gefördert werden. und auch die eltern brauchen unterstützung und zeitliche entlastung. aber das kostet ja geld, dass man daran nicht früher gedacht hat?

hagane
02

Die Verpflichtung sollte man komplett abschaffen.
Nicht für jedes 5 Jährige Kind ist ein Kindergarten in diesem Alter sinnvoll und förderlich.
Noch mehr trifft das auf Kinder mit Behinderung zu.
Es sollte definitiv die Möglichkeit dazu für alle geben, aber nicht eine Verpflichtung.

banigu
00
14.8.2009, 07:31
auch ich bin für Freiwilligkeit.

In dieser Frage besteht allerdings die Gefahr, dass das, wofür sich die Eltern entscheiden nicht immer das Beste fürs Kind ist.

Petsi4
00
Wer A sagt, muss auch B sagen ...

Die Kinder, die es wirklich bräuchten, werden übergangen. Das ist natürlich für alle Verantwortlichen sehr praktisch, wenn Fünfjährige mit sonderpädagogischem Förderbedarf daheim bleiben. Und den Eltern wird das noch als großzügiges Entgegenkommen verkauft ...
Wenn schon Kindergartenpflicht, dann bitte für alle Kinder - also hurtig Integrationsplätze schaffen!

Feles
01
ich versteh schon

dass es ein bissl dauert, bis es flächendeckend integrative kindergärten gibt. aber man sollt das möglichst schnell hinkriegen.
ich kenn einen 18jährigen tauben jungen, der die zeichensprache nur sehr bruchstückhaft beherrscht, und eine blinde, die erwartet, das man ihr jedes häferl in die hand steckt und wieder abnimmt. manche eltern bemuttern ihre behinderten kinder einfach zu sehr, dann lernen sie nie selbständigkeit. deshalb (und auch wegen möglicher häuslicher vernachlässigung) soll man da frühzeitig externe bildungsverpflichtung vorsehen.

Aurora17
03
RIESENSAUEREI

wenn das stimmt das da schon selaktiert wird in bildungswürdig und nicht, dann gute Nacht

Aurora17
00

selektiert, tschuldigen

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