Apple-Google-Rivalität wird Innovationen ankurbeln

6. August 2009, 10:40
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Zwei Konzerne mit Strategien wie Tag und Nacht kämpfen um die Zukunft des Computings

Obwohl Apple und Google beteuern, dass es keine Probleme zwischen den beiden Unternehmen gebe, will man in der Branche nicht so recht daran glauben. Nach Apples Weigerung, die Anwendungen Google Latitude und Voice in den App Store aufzunehmen, und dem Rückzug von Google-CEO Eric Schmidt vom Apple-Aufsichtsrat, ist Beobachtern klar, dass hier eine Umwälzung der Technologiebranche begonnen hat.

Interessenskonflikte

Seit Google sein mobiles Betriebssystem Android vorgestellt hat, steht fest, dass die guten Beziehungen zum Konzern aus Cupertino nicht mehr ungetrübt weiterlaufen können. Google-CEO Eric Schmidt musste Meetings über die Konkurrenz zum iPhone fernbleiben, um einen Interessenskonflikt zu vermeiden. Nachdem Google angekündigt hatte, mit Chrome OS an einem Betriebssystem für Computer zu arbeiten, musste sich Schmidt immer öfter aus den Besprechungen raushalten.

Unterschiedliche Vorstellungen

Das Besondere an der neuen Rivalität zwischen Apple und Google ist, das sie das gleiche Ziel mit völlig unterschiedlichen Mittel verfolgen. Beide Unternehmen wollen die Zukunft des Computings bestimmen und die erste Wahl für Konsumenten und Unternehmen sein, wenn es um Arbeit und Freizeitgestaltung geht. Doch während Apple ganz auf ein perfekt abgestimmtes, allerdings geschlossenes Ökosystem aus selbst entwickelter Hard- und (zumindest abgesegneter) Software setzt, konzentriert sich Google auf die Cloud - in der sämtliche Anwendungen zu finden sind und auf die man mit Rechnern mit minimalen Hardwareanforderungen zugreifen kann.

Fokus Internet

Der Ansatz der beiden Unternehmen könnte unterschiedlicher nicht sein. Google bietet sein mobiles OS Android vielen Smartphone- und Computer-Herstellern an, die es nach deren Vorstellungen an ihre Geräte anpassen können. Wie Android letztendlich auf dem Handy oder Netbook aussieht, ist Google egal. Hauptsache ist, es bringt die Nutzer ins Internet, wo das Unternehmen mit dem Verkauf von Werbeanzeigen verdient.

Hardware für alle Lebenslagen

Apples Fokus liegt wiederum auf leistungsstarker Hardware für alle Lebenslagen - Unterhaltung mit iPod, iTunes und Apple TV, Kommunikation mit dem iPhone, Computing mit den Macs. Der Hersteller will Nutzern für alle Aufgaben und Unterhaltungszwecke die passende Hardware bieten, die optimal mit der eigens dafür entwickelten Software zu nutzen ist. Und lassen sich die Kunden auch einiges kosten, denn billig ist Apples Hardware nicht. Verschiedenen Berichten zufolge werkt der Hersteller angeblich auch an einem Mac-Tablet, das bereits im Herbst der Öffentlichkeit präsentiert werden soll. Das wäre ein weiterer mobiler Begleiter für die Freizeitgestaltung zum E-Book-Lesen oder Video-Ansehen.

Es wird schwierig

Apple und Googles Wege haben sich nicht vollkommen getrennt - so ist Google noch immer die vordefinierte Suchmaschine in Safari und es gibt auch noch ein weiteres Mitglied, das in beiden Aufsichtsräten sitzt - Genentech-CEO Arthur Levinson. Doch der Weg, den die beiden Konzerne miteinander gehen ist breiter und steiniger geworden. Und auch wenn Google selbst keine Beschwerde gegen die Ablehnung von Google Voice eingelegt hat, die US-Telekomaufsichtsbehörde FCC will den Fall dennoch untersuchen. Und auch die Gemeinsamkeiten in den Aufsichtsräten ist noch immer Gegenstand einer Untersuchung der Wettbewerbsgehörde FTC, so die Businessweek.

Laut Businessweek-Autor Peter Burrows werde die Rivalität zwischen Apple und Google die Technologietrends in den kommenden Jahren definieren, so wie es bereits durch den Kampf Microsofts mit Apple, IBM und Google in den vergangenen Jahrzehnten geschehen ist. Wettbewerb spornt Innovationen an und davon profitieren letztendlich die Nutzer. (Birgit Riegler/ derStandard.at 6. August 2009)

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    Der Weg für Google und Apple wird beschwerlich, doch Konsumenten dürften von der neuen Rivalität profitieren

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