Bei Fluchtversuch seien Schüsse gefallen - 14-Jähriger starb durch Schuss in den Rücken - Polizisten noch nicht einvernommen
Krems - Über den 16-jährigen R., der als mutmaßlicher Einbrecher in einen
Merkur-Markt in Krems durch vermutlich eine Polizeikugel Durchschüsse
beider Oberschenkel erlitten hat, ist am Donnerstag die U-Haft verhängt
worden. Der Jugendliche habe sich geständig gezeigt, sagte der Kremser
Erste Staatsanwalt Friedrich Kutschera am Nachmittag.
R. und der getötete Florian P. (14) hätten demnach Geld aus den
Kassen stehlen wollen. Sie hätten auch gewusst, dass es einen Safe
gebe, jedoch nicht versucht, selbigen zu öffnen. Als sie vor der
Polizei flüchten hätten wollen, seien die Schüsse gefallen, teilte
Kutschera zur Einvernahme des 16-Jährigen mit. Was die Verletzung des
Jugendlichen angehe, könne er berichten, dass kein Knochen verletzt sei.
Der 14-Jährige Florian P. wurde in den Rücken getroffen. Das gehe aus dem mündlichen
Obduktionsgutachten hervor, sagte der Kremser Erste Staatsanwalt
Friedrich Kutschera. Der Jugendliche sei unterhalb eines
Schulterblattes getroffen worden, das Projektil im Brustbereich
ausgetreten.
Untersuchung durch Landespolizeikommando Oberösterreich
Polizeiintern hat noch am Mittwoch die Untersuchung des Schusswaffengebrauchs durch die beiden Beamten einer Kremser Polizeistreife - es handelte sich um eine Frau und einen Mann - begonnen. Damit betraut wurde seitens des Innenministeriums das Landespolizeikommando OÖ. Laut Oberstleutnant Roland Scherscher vom Landespolizeikommando NÖ ist eine fünfköpfige Erhebungsgruppe gebildet worden.
Über die Zahl der letztlich in dem Supermarkt in der Dunkelheit abgegebenen Schüsse lagen noch keine gesicherten Angaben vor. Man gehe weiterhin von drei oder vier aus, so Scherscher. Beide Polizisten hatten gefeuert.
Beamten nicht vernehmungsfähig
Die beiden Polizisten, ein Mann und eine Frau, die nach Auslösung des stillen Alarms zu dem Supermarkt gerufen worden sind, sind nach wie vor nicht einvernommen worden. Eine Befragung der Beamten solle am Freitag versucht werden, so Kutschera. Der 14-Jährige und sein 16 Jahre alter mutmaßlicher Komplize waren
mit einem Schraubenzieher und einer Gartenharke ausgerüstet. Die
Jugendlichen seien demnach "im technischen Sinn" bewaffnet gewesen,
nicht jedoch nach dem Waffengesetz, erläuterte Kutschera.
"Das wissen wir nicht, das ist Spekulation", sagte Scherscher darauf angesprochen, dass es bei dem Einbruch weitere Mittäter gegeben haben könnte. Einem entsprechenden Hinweis werde jedenfalls nachgegangen. Der Oberstleutnant verwies auf "weitere Erhebungen".
Unterdessen hat die Oberstaatsanwaltschaft angekündigt, den Fall am Freitag der Staatsanwaltschaft in Korneuburg zu übertragen. Damit soll der Anschein einer möglichen Befangenheit vermieden werden, der gegeben sein könnte, wenn die Kremser Anklagebehörde gegen in Krems tätige Polizisten ermittelt. (APA)