Obama: Pjöngjang soll Provokationen beenden

6. August 2009, 14:30
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US-Präsident fordert Pjöngjang nach der Rückkehr der beiden begnadigten Journalistinnen zum Stopp des Atomprogramms auf

Burbank - Nach der Rückkehr der von Nordkorea begnadigten US-Journalistinnen hat US-Präsident Barack Obama das Land aufgefordert, sein umstrittenes Atomprogramm aufzugeben. Zudem müsse Pjöngjang sein "provokatives Verhalten" beenden, sagte Obama am Mittwoch (Ortszeit). Neben der Freilassung der beiden US-Journalistinnen bemühte sich der frühere US-Präsident Bill Clinton in Nordkorea auch um das Schicksal anderer Gefangener.

Es gebe für Nordkorea nur "einen Weg für bessere Beziehungen", sagte Obama dem US-Sender MSNBC in seinem ersten Interview nach der Ankunft von Laura Ling und Euna Lee in den USA. Dazu müsse Pjöngjang die Entwicklung von Atomwaffen stoppen und sein "provokatives Verhalten beenden". Der US-Präsident appellierte an die Führung des Landes, entsprechend den Regeln der internationalen Gemeinschaft zu handeln.

Pjöngjang müsse im Ringen um sein Atomprogramm an den Verhandlungstisch zurückkehren, sagte der Sprecher des US-Außenministeriums, Robert Wood. Nordkorea sei nun "am Ball". Die Führung des Landes hatte sich im April aus Protest gegen die Verurteilung eines Langstreckenraketentests durch den UN-Sicherheitsrat aus den Sechser-Gesprächen mit China, Japan, Russland, Südkorea und den USA zurückgezogen. Ende Mai erfolgte Nordkoreas zweiter Atomwaffentest.

Private, "humanitäre Mission"

Obama betonte, dass es sich bei der Reise seines Vorvorgängers Bill Clinton um einen private, "humanitäre Mission" gehandelt habe, die nicht als Lockerung des diplomatischen Drucks auf den stalinistisch geführten Staat gedeutet werden dürfe. Clinton hatte mit seinem Überraschungsbesuch in Nordkorea am Dienstag die Begnadigung und die Freilassung der beiden US-Journalistinnen Lee und Ling erreicht. Unter Tränen schlossen sie am Mittwoch im kalifornischen Burbank ihre Familien in die Arme. Dem US-Sender ABC News zufolge wurde das Flugzeug für Clintons Reise von dem Filmproduzenten Steve Bing gestellt, der demnach auch die Kosten für den Treibstoff übernahm.

"Danke euch ALLEN", schrieb Ling nach ihrer Rückkehr in ihrem ersten Eintrag auf der Internet-Plattform Twitter. "Ich bin unglaublich müde, aber so glücklich wieder frei zu sein." Lings Schwester Lisa sagte dem US-Sender KTLA, dass die beiden Frauen einen Großteil der Haft in Nordkorea getrennt voneinander verbracht haben. Die Journalistinnen waren Mitte März an der Grenze zu China festgenommen worden, als sie dort über nordkoreanische Flüchtlinge berichten wollten.

Ex-Präsident Clinton bemühte sich in Nordkorea auch um das Schicksal anderer Gefangener des kommunistischen Landes. Der japanische Regierungssprecher Takeo Kawamura berichtete unter Berufung auf US-Regierungskreise, Clinton habe Nordkoreas Herrscher Kim Jong Il aufgefordert, Klarheit über den Verbleib japanischer Staatsbürger zu schaffen, die in den 70er und 80er Jahren entführt wurden, um nordkoreanische Spione auszubilden. Kim habe jedoch keine Auskunft gegeben.

Nach Angaben des südkoreanischen Außenministeriums setzte sich Clinton in Pjöngjang auch für die Freilassung von vier Fischern sowie einem Arbeiter aus Südkorea ein. Nordkorea hatte in der vergangenen Woche die Fischer festgenommen, nachdem sie sich offenbar in nordkoreanische Gewässer verirrt hatten. Der Arbeiter war im Mai im gemeinsamen Industriekomplex unter dem Vorwurf inhaftiert worden, Nordkoreaner zur Flucht aufgefordert zu haben. (APA)

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    Es gebe für Nordkorea nur "einen Weg für bessere Beziehungen", sagte Obama am Mittwoch (Ortszeit) dem US-Sender MSNBC.

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